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ArcelorMittal startet Biogas-Projekt in Rodingen
Wirtschaft 2 Min. 28.01.2021 Aus unserem online-Archiv

ArcelorMittal startet Biogas-Projekt in Rodingen

ArcelorMittal Luxembourg-Chef Roland Bastian: Die Luxemburger Werke spürten die Produktionsdrosselung in Auto- und Bauindustrie.

ArcelorMittal startet Biogas-Projekt in Rodingen

ArcelorMittal Luxembourg-Chef Roland Bastian: Die Luxemburger Werke spürten die Produktionsdrosselung in Auto- und Bauindustrie.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 28.01.2021 Aus unserem online-Archiv

ArcelorMittal startet Biogas-Projekt in Rodingen

Marco MENG
Marco MENG
Die Stahlwerke in Luxemburg spürten 2020 den Nachfragerückgang: grüner werden müssen sie trotzdem.

War 2019 wegen sinkender Nachfrage, Überkapazitäten auf dem Markt und Billigstahl aus Fernost für ArcelorMittal ein schwieriges Jahr, so war das letzte zusätzlich noch kompliziert. 

„Wir wurden durch die Covid-Krise stark getroffen, da unsere Kunden ihre Aktivitäten signifikant reduzierten“, bilanzierte gestern Roland Bastian, Chef von ArcelorMittal Luxemburg, das vergangene Jahr. 

Der Stahlkonzern hatte zum traditionellen Neujahrsempfang in sein Werk nach Belval geladen. Differdingen produzierte letztes Jahr vor allem 9.600 Tonnen Stahl für eine Brücke in Bangladesch, während in Rodingen Schienen für die Tram hergestellt wurden und in Bissen die „grünen“ Galvanisierungskapazitäten um 150 Prozent gesteigert wurden, um Stacheldraht nach Großbritannien und Irland zu liefern. 

Die Luxemburger Werke, die viel für die Auto- und Bauindustrie produzieren, bekamen aber auch deutlich die Coronapandemie und den eingebrochenen Stahlbedarf zu spüren. Im Bausektor ging es im 2. Quartal 2020 um 15 Prozent zurück, bei der Autoindustrie in Europa um 26 Prozent. „Unsere beiden Hauptkunden“, erklärte Bastian. Ende März, Anfang April wurden die Werke in Luxemburg auf etwa 70 Prozent heruntergefahren

Produziert ArcelorMittal hierzulande seit Jahren kontinuierlich um die 2.200 Tonnen Rohstahl, so waren es im Coronajahr 2020 deutlich weniger. Wie sich das auf die Geschäftszahlen auswirkt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn das Unternehmen seine Bilanz für 2020 vorlegt (am 11. Februar). 2019 hatte ArcelorMittal einen Verlust von rund 2,5 Milliarden US-Dollar, das sind knapp 2,3 Milliarden Euro, erwirtschaftet. 

Fest steht allerdings, dass der Konzern sehr erfolgreich dabei ist, seine Schulden runterzufahren. Wie Bastian gestern erklärte, betrug der Schuldenstand zum 30. September des letzten Jahres sieben Milliarden Euro gegenüber 9,3 Milliarden Euro 2019. 2011 waren es noch 22,5 Milliarden Euro. Ziel sei, die Kosten im Griff halten, bis 2050 CO2-neutral zu werden und den Schuldenstand zu senken, um flexibler für Investitionen zu sein, so fasste Bastian die drei großen Ziele des Konzerns zusammen. 

Werk Rodingen startet Biogasprojekt 

Im Kontext von Kreislaufwirtschaft – 95 Prozent des Stahls von ArcelorMittal ist wiederverwerteter „Altstahl“ – und um die Emissionen zu reduzieren hat der Stahlkonzern verschiedene Projekte gestartet, wie zum Beispiel die Installation von Solarpaneelen in Differdingen und die Errichtung einer Biogasanlage im Werk Rodingen. Der Projektmanager Vincent Cholet erklärt: „Bislang wird die Energie für die Stahlschmelze in Rodingen mit Naturgas betrieben. 

Um die Emissionen zu drosseln, installieren wir dort zusammen mit Partnern eine Biogasanlage; mit dem Pilotprojekt wollen wir 25 Prozent des gebrauchten Naturgases damit ersetzen.“ 


„LUX 2025“ für Stahlindustrie unterschrieben
Bei der Stahl-Tripartite wurde im Dezember eine Einigung zwischen Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften gefunden. Die entsprechende Vereinbarung wurde am Montag unterschrieben.

2023 soll die Biogasanlage in Betrieb gehen. Mit beteiligt am Projekt sind das Unternehmen Etia aus Frankreich, der Mutterkonzern, Vow ASA in Norwegen und der Luxemburger Energiekonzern Enovos. Ein Joint-Venture soll die Biogasanlage, die 2023 in Betrieb gehen soll, profitabel betreiben. 2024 sollen dann mit Elektrizität und Wärme aus der Biogasanlage auch andere versorgt werden. 

„Damit können 4.000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden“, sagt Cholet. Mit der jüngst vereinbarten Tripartite „Lux2025“ verpflichtet sich der Stahlkonzern, 165 bis 205 Millionen Euro in die Werke Belval, Differdingen, Rodingen und Bissen zu investieren. Die Gesamtinvestitionen in das Biogas-Pilotprojekt soll etwa 15 Millionen betragen, die gemeinsam von allen Partner aufgewendet werden. Dieses Geld ist in der „Lux2025“-Vereinbarung nicht enthalten, betont ArcelorMittal Luxembourg-Chef Roland Bastian.

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