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ArcelorMittal: Die Zukunft des Stahls für stabilere Autos
Wirtschaft 4 Min. 11.09.2015 Aus unserem online-Archiv

ArcelorMittal: Die Zukunft des Stahls für stabilere Autos

Neun Millionen Euro investierte das ArcelorMittal-Stahlwerk in Sagunto, um den mit einer Aluminium-Silikon-
Mischung beschichteten Stahl namens „Usibor Alusi“ herzustellen.

ArcelorMittal: Die Zukunft des Stahls für stabilere Autos

Neun Millionen Euro investierte das ArcelorMittal-Stahlwerk in Sagunto, um den mit einer Aluminium-Silikon-
Mischung beschichteten Stahl namens „Usibor Alusi“ herzustellen.
Foto: ArcelorMittal
Wirtschaft 4 Min. 11.09.2015 Aus unserem online-Archiv

ArcelorMittal: Die Zukunft des Stahls für stabilere Autos

ArcelorMittal lud nach Spanien ein, um die Bemühungen auf dem Automobilmarkt zu zeigen. In Sagunto zeigt der in Luxemburg ansässige Hersteller neue Stahltypen, in Martorell zeigt Seat, was mit diesem Stahl passiert. Und auch die Zukunft steht auf der Seite ArcelorMittals.

(kw) - „Wie Mark Twain einst sagte: ,Der Bericht über meinen Tod war eine Übertreibung.‘ Dies gilt meiner Meinung nach auch für Stahl.“ Für Greg Ludkovsky, Vizepräsident von ArcelorMittal und CEO der globalen Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Stahlproduzenten, wird Stahl auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Um dies zu beweisen, lud ArcelorMittal Pressevertreter nach Spanien ein, um über die Bemühungen des Stahlherstellers im Automobilbereich zu sprechen.

Die Pressereise begann im Stahlwerk in Sagunto, eine Stadt in der Provinz Valencia, in der 200 Jahre vor Christi Geburt der zweite Punische Krieg zwischen den Römern und den Karthagern begann. Das Werk in Sagunto ist eine Fertigungsanlage, die sich darauf spezialisiert hat, Stahl für den Automobilbereich anzufertigen. Laut Pablo Avello Martinez, Werksleiter in Sagunto, werden 76 Prozent des angefertigten Stahls an die Autoindustrie insbesondere in Spanien, Italien und Marokko ausgeliefert. Im Kundenkreis findet man Hersteller wie GM, Opel, VW, Renault, Ford, Porsche und Seat. Die weiteren 24 Prozent werden unter anderem für Elektrogeräte wie Waschmaschinen benötigt.

Usibor Alusi für stabilere Autos

Man selbst erhalte Stahlspulen von anderen ArcelorMittal-Anlagen und bearbeite diese weiter, indem man sie mit verschiedenen Lösungen beschichtet. Dabei spielt vor allem das Produkt namens „Usibor“ eine wichtige Rolle. So hat das Werk eine Investition von neun Millionen Euro getätigt, um einen mit einer Aluminium-Silikon-Mischung beschichteten Stahl namens „Usibor Alusi“ herzustellen, der insbesondere für die Weiterverarbeitung bei hohen Temperaturen geeignet ist. 2016 sollen 75.000 Tonnen dieses Stahls das Werk in Sagunto verlassen. Neben ArcelorMittal Sagunto sind nur drei weitere Anlagen in der Lage, „Usibor Alusi“ herzustellen. Düdelingen gehört dazu, konzentriert sich jedoch auf den nordeuropäischen Markt.

Insgesamt sei das Werk laut Avello Martinez in der Lage, bis zu zwei Millionen Tonnen Stahl jährlich herzustellen. Für den Automobilmarkt kann dieses Produkt anschließend die Form einer Tür, eines Daches oder eines speziellen Sicherheitskonstrukts annehmen. Dabei spielt die „Tailored Blanks“-Abteilung (AMTB) von Philippe Baudon eine wichtige Zwischenrolle. AMTB ist dafür zuständig, spezielle Formen auszustanzen und verschiedene Stahltypen gegebenenfalls zusammenzuschweißen, die anschließend von den Autoherstellern in die passende Form gepresst werden. Dabei konzentriert sich die Tailored-Banks-Abteilung bei der Entwicklung dieser Lösungen vor allem auf zwei Schlüsselfaktoren: die Reduzierung des Gewichts ohne Verlust von Stabilität und die Erhöhung der Sicherheitsfaktoren bei einem Unfall.

ArcelorMittal verkauft jedoch nicht nur Produkte, sondern ist auch ein Dienstleister und somit Teil des Entwicklungsprozesses eines Fahrzeuges. Dabei gilt es, die Sicherheit des Fahrers zu erhöhen, beispielsweise durch die Verbesserung des Türrings. Durch die neue Konstruktion kann bei einem Unfall der Druck auf diese Konstruktion aufgeteilt werden und beschädigt nicht mehr den Fahrersitz. Derzeit findet man diese Entwicklung im Honda Acura MDX.

Seat setzt auf ArcelorMittal

Ein Autohersteller, der Stahl von ArcelorMittal nutzt, ist Seat. Auch Seat lud zum Besuch ein. In Martorell in der Nähe von Barcelona findet man den Sitz des spanischen Herstellers sowie die Fertigungsanlage, in der die Seat-Modelle „Altea“, „Ibiza“ und „Leon“ sowie der Audi Q3 hergestellt werden.

7.430 Leute arbeiten in Martorell für Seat und waren 2014 an der Herstellung von 440.000 Autos beteiligt. 2014 konnte die Seat-Gruppe, die seit 1986 Teil der „VW Group“ ist, einen Nettoumsatz von rund 7,5 Milliarden Euro erzielen. Wiederum 457 Millionen Euro wurden in Forschung und Entwicklung investiert. Außerdem besitzt Seat in Martorell mit 53.000 Solarmodulen nach eigenen Angaben die weltweit größte Solaranlage im Automobilbereich. Trotz eines Wachstums von zehn Prozent wird der Automobilmarkt für Hersteller wie Seat herausfordernder. Dies sorgt dafür, dass die Erwartungen an Lieferanten wie ArcelorMittal steigen.

260 Millionen Dollar für Forschung

Hier kommt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Greg Ludkovsky ins Spiel. Über 1.300 Forscher arbeiten für ArcelorMittal und sind bereits ab der Konzeptionsphase eines neuen Fahrzeugmodells involviert, um das bestmögliche Resultat zu erreichen und neue Lösungen zu entwickeln. 2014 erreichten die Ausgaben von ArcelorMittal für den Forschungs- und Entwicklungsbereich 260 Millionen Dollar. Sechs der zwölf Forschungslabore – und ein Drittel der Ausgaben – sind für den Automobilsektor vorgesehen.

In den sechs Labors arbeiten die Forscher unter anderem an der Entwicklung von neuen Stahltypen, an der Verbesserung der bereits existierenden Stahltypen und an der Erfindung neuer Produkte. „Wir arbeiten an der, wie wir es nennen, dritten Generation Stahl,“ erklärt Ludkovsky. Der Stahl werde dünner und leichter, gleichzeitig jedoch stabiler. Dies helfe auf der einen Seite, die Sicherheit während der Fahrt zu verbessern, jedoch auch, das Gewicht eines Fahrzeugs zu verringern. Dadurch sinke der Benzinverbrauch und somit auch der CO2-Ausstoß.

Zwei dieser Produkte nennen sich „Usibor“ und „Ductibor“. „Wir haben diese Produkte entwickelt und dadurch die Art und Weise geändert, wie Autos hergestellt werden.“ Insbesondere was die Zukunft der Fahrzeuge angeht, ist ArcelorMittal sich sicher, weiterhin ein wichtiger Partner zu bleiben. So profitieren insbesondere Elektroautos – welche laut Greg Ludkovsky immer wichtiger werden – von den Gewichtsreduzierungen. Hier zähle jedes Kilogramm, um die Laufzeit des integrierten Akkus zu verlängern. Die erhöhte Stabilität des Stahls helfe auch, die empfindlichen Akkus der Elektrofahrzeuge zu schützen.

Stahl bleibt Material der Wahl

Laut ArcelorMittal sehe es auch nicht so aus, als ob die Fahrzeughersteller in naher Zukunft auf andere Materialen umsteigen würden. Wie Philippe Aubron, Leiter der Marketingabteilung für den Automobilmarkt, erklärt, sei Kohlenstofffaser bis 2030 irrelevant und Aluminium weiterhin zu teuer.

Und da ArcelorMittal weiter an neuen Stahltypen arbeitet und immer stärker an der Konzeption von neuen Automodellen involviert ist, werde sich auch nichts an der Marktführung des Unternehmens ändern: „Egal, welches Auto man sich heute kauft“, versichert Ludkovsky, „ich bin sicher, dass ein Produkt von ArcelorMittal verbaut wurde.“ 


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