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Aperam will weltweiten Champion schmieden
Wirtschaft 1 3 Min. 11.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Aperam will weltweiten Champion schmieden

2015 wollte der Edelstahlhersteller aus Luxemburg vergeblich die VDM Metals übernehmen. Nun wird offenbar doch noch etwas daraus.

Aperam will weltweiten Champion schmieden

2015 wollte der Edelstahlhersteller aus Luxemburg vergeblich die VDM Metals übernehmen. Nun wird offenbar doch noch etwas daraus.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 1 3 Min. 11.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Aperam will weltweiten Champion schmieden

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Der in Luxemburg ansässige Edelstahlproduzent Aperam plant die frühere Thyssen-Krupp-Tochter VDM Metals vom Finanzinvestor Lindsay Goldberg zu übernehmen.

Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass der Industriekonzern Thyssen Krupp einen Käufer für seine Edelstahltochter VDM Metals fand. Die Essener wurden damals mit dem Finanzinvestor Lindsay Goldberg handelseinig. Der Kaufpreis soll bei rund 500 Millionen Euro gelegen haben, meldete damals die deutsche Wirtschaftszeitung "Handelsblatt".  Anderen Quellen zufolge soll der Kaufpreis tatsächlich deutlich niedriger gewesen sein, der Unternehmenswert aber in etwa jenen 500 Millionen Euro entsprochen haben.

Lindsay Goldberg stach damals ein Konsortium um den Unternehmer Benedikt Niemeyer und auch die luxemburgische Aperam aus, die sich ebenfalls für die Firma mit ihren seinerzeit rund 2.000 Beschäftigten interessiert hatten.

Bei Aperam handelt es sich um die Edelstahlsparte von ArcelorMittal. Sie war 2011 ausgegliedert worden.
Bei Aperam handelt es sich um die Edelstahlsparte von ArcelorMittal. Sie war 2011 ausgegliedert worden.
Foto: Guy Jallay

Übernahme im zweiten Anlauf

Nun kommt Aperam wohl letztlich doch noch zum Zuge, wie aus einer Unternehmensmeldung vom Mittwoch hervorgeht. Demnach haben die Luxemburger einen entsprechenden Vertrag mit Falcon Metals und Lindsay Goldberg unterzeichnet. Falcon Metals (heißt inzwischen VDM-Holding) war 2015 das Akquisitionsvehikel für VDM Metals und diente der weiteren Strukturierung der durch Lindsay Goldberg erworbenen VDM-Gruppe. 


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Aperam will nun mit der Übernahme der besagten VDM-Holding und somit von 100 Prozent der Anteile an VDM Metals einen weltweiten Champion im Bereich Speziallegierungen schmieden, wie es hieß. Das Produktportfolio von VDM Metals ergänze jenes der Aperam-Abteilung Legierungen und Sonderstähle in idealer Weise. Der Kaufpreis für  VDM Metals wird mit 438 Millionen Euro beziffert, der Unternehmenswert mit derzeit 596 Millionen Euro.

Der kombinierte Unternehmensbereich Legierungen und Sonderstähle soll auf Basis der jüngsten geprüften Jahresabschlusszahlen beider Unternehmen einen Pro-forma-Umsatz von rund 1,15 Mrd Euro und ein Pro-forma-Ebitda von 122 Mio Euro erwirtschaften und insgesamt über 3.000 Mitarbeiter in 20 Ländern beschäftigen. Die Akquisition soll ab 2020 Synergien in der Größenordnung von 20 Millionen Euro generieren, die Wettbewerbsfähigkeit der Produktion verbessern und eine starke Plattform für die weitere Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen für Legierungen und Spezialwerkstoffe schaffen, teilte Aperam mit.

Erfolgreiches Investment für Lindsay Goldberg

Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, konnte unter Lindsay Goldberg der Unternehmenswert um etwa 100 Millionen Euro gesteigert werden. Es gab einen Schuldenabbau, eine Refinanzierung sowie eine Ausschüttung an die Eigentümer. Die Investition habe sich für Lindsay Goldberg auf jeden Fall rentiert. Lindsay Goldberg wollte sich darauf angesprochen allerdings nicht selbst äußern.

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Die geplante Übernahme der VDM Metals durch Aperam wird den Personalvertretern beider Parteien vorgestellt. Der Kaufvertrag steht unter dem üblichen Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Die Transaktion soll dann in der zweiten Jahreshälfte 2018 über die Bühne gehen.

Mehrere Interessenten für VDM Metals

Wie ein Aperam-Sprecher am Mittwoch dem "Luxemburger Wort" erklärte, befinde sich das Unternehmen Aperam inzwischen in einer besseren finanziellen Ausgangslage als noch vor einigen Jahren. Während man 2010 noch rund eine Milliarde Euro an Schulden gehabt habe, sei Aperam seit Ende 2017 cash-positiv. Lindsay Goldberg habe VDM Metals restrukturiert und das Management neu geordnet. Die Übernahme erscheine Aperam nun sehr attraktiv.

2017 hätten mehrere Akteure Interesse an einer Übernahme der VDM Metals gezeigt, hieß es am Mittwoch auf Anfrage des "Luxemburger Wort" bei Lindsay Goldberg. Man habe dann mit Unterstützung der Bank Morgan Stanley einen strukturierten Verkaufsprozess eingeleitet. Aperam wurde bei der Transaktion übrigens von der Bank HSBC in Luxemburg beraten.

An der Börse wurde die geplante Übernahme am Mittwoch zunächst positiv aufgenommen. Der zum LuxX-Index gehörende Wert Aperam legte bis zum Nachmittag um über drei Prozent zu.



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