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Anzeige gegen Cargolux-Manager
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012

Anzeige gegen Cargolux-Manager

Cargolux sitzt nicht allein auf der Anklagebank wegen illegaler Preisabsprachen.

Anzeige gegen Cargolux-Manager

Cargolux sitzt nicht allein auf der Anklagebank wegen illegaler Preisabsprachen.
Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012

Anzeige gegen Cargolux-Manager

Der Generaldirektor der Cargolux, Ulrich Ogiermann, und ein zweiter Manager sind in den USA wegen illegaler Preisabsprachen mit anderen Airlines angeklagt worden. Die beiden Führungskräfte sollen Gebühren für Treibstoff, Sicherheit und anderes abgesprochen und somit gegen die Wettbewerbsregeln verstoßen haben.

(aho) - Erneut schlechte Nachrichten für die Cargolux. Am Donnerstag hat das US-Justizministerium im Rahmen des Kartellverfahrens über Absprachen für Treibstoff- und Sicherheitszuschläge für Luftfrachtsendungen gegen CEO Ulrich Ogiermann und Robert Van de Weg, „senior vice-president“ für Verkauf und Marketing, Anklage erhoben. In Kanada hat die Wettbewerbsbehörde am Donnerstag zudem ein Bußgeld wegen unerlaubter Preisabsprachen in Höhe von 2,5 Millionen Dollar gegen Cargolux verhängt, wie in Ottawa mittgeteilt wurde.

Das US-Justizministerium in Washington informierte über die Anklageerhebung in Form einer Pressemitteilung. Weder den betroffenen Personen oder ihren Anwälten, noch dem Verwaltungsrat oder dem Transportministerium wurden zusätzliche Unterlagen zugestellt. Die Cargolux reagierte daher entsprechend vorsichtig auf die Nachricht. Man habe die Anklage zur Kenntnis genommen und werde die weiteren Schritte der amerikanischen Justiz abwarten, hieß es bei dem Unternehmen.

Klage kommt nicht ganz überraschend

Etwas konkreter äußerte sich auf LW-Anfrage der Präsident des Cargolux-Verwaltungsrats, Marc Hoffmann: Eine Entscheidung des US-Justizapparates gegen einzelne Personen der Gesellschaft habe man erwartet. Im April vergangenen Jahres hatte sich die Cargolux mit dem zuständigen Ministerium auf die Zahlung einer Strafe in Höhe von 119 Millionen Dollar über fünf Jahre geeinigt. Der Luxemburger Fluggesellschaft und weiteren internationalen Airlines wird vorgeworfen, seit mehreren Jahren in aller Welt die Frachtpreise durch abgesprochene Treibstoffzuschläge und Sicherheitsmaßnahmen künstlich nach oben getrieben zu haben.

Bei der Einigung auf die Bußgeldzahlung wurde 2009 Immunität für die Mitarbeiter der Cargolux vereinbart. Die US-Justiz behielt sich allerdings weitergehende Untersuchungen gegen vier Beschäftigte vor. Davon seien zwei jetzt angeklagt worden. Man werde die Vorwürfe prüfen und die entsprechenden Instanzen der Gesellschaft mit dem Fall betrauen, erklärte Hoffmann.

Transportminister Claude Wiseler nannte die Nachricht, die er am Freitagmorgen erhalten hat, wegen der laufenden Untersuchung gegen vier Mitarbeiter keine Überraschung. Die Entscheidung fiel in Washington offenbar jedoch in letzter Minute. Im November wäre nämlich die Frist für die Klageerhebung abgelaufen.

Für eine Bewertung der Anklage sei es zu früh, so der Minister gegenüber dem LW weiter. Es sei Aufgabe des Verwaltungsrats, nach einer genauen Analyse des Falls, Entscheidungen zu treffen. Einen Termin für die nächste Verwaltungsratssitzung gibt es noch nicht.

Der genaue Inhalt der Klageschrift ist noch unbekannt, weil noch keine Zustellung erfolgt ist. Das Bundesgericht in Miami, das sich auf den „Sherman Antitrust Act“ – die Rechtsquelle für das US-amerikanische Wettbewerbsrecht – beruft, wirft Ogiermann laut einer Mitteilung vor, er habe von Oktober 2001 bis Februar 2006 an Preisabsprachen teilgenommen. Van de Weg soll über drei Jahre von Dezember 2003 bis Februar 2006 an der „Verschwörung“ beteiligt gewesen sein. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte den zwei Cargolux-Führungskräften eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren sowie eine Geldstrafe von bis zu einer Million Dollar drohen.

USA belangten bisher 18 Airlines und 14 Führungskräfte

Die Klage gegen zwei verantwortliche Manager der Cargolux bildet die bisherige Spitze einer ganzen Reihe von Kartellprozessen, mit denen die Luxemburger Fracht-Airline konfrontiert ist. In den USA bezahlt die Airline wie gesagt 119 Millionen Dollar. Bereits geeinigt hatte sich Cargolux auch mit der australischen Wettbewerbsbehörde über die Zahlung einer Kartellstrafe von 2,6 Millionen Euro. In Kanada muss die Airline 2,5 Millionen Dollar berappen, wie am Donnerstag bekanntgegeben wurde. Entscheidungen stehen noch aus in der Schweiz und Neuseeland sowie in der EU. Die drohende Kartellstrafe in Europa kann bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes betragen.

Cargolux sitzt allerdings nicht allein auf der Anklagebank in verschiedenen Ländern. Die Preisabsprachen waren in der Industrie viele Jahre gängige Praxis und im Grunde ist die gesamte Branche darin involviert. Kronzeuge der Anklage ist übrigens die Deutsche Lufthansa, die durch ihre Mithilfe Straffreiheit erhielt.

Allein das US-Justizministerium hat bisher insgesamt 18 Fluggesellschaften und 14 Führungskräfte in diesem Fall belangt. Die verhängten Strafgelder summieren sich auf 1,6 Milliarden Dollar. Vier Manager wurden zu einer Haftstrafe verurteilt. Dabei handelt es sich um Guillermo Cabeza, ehemaliger Präsident einer Fracht-Airline aus Miami, George Gonzales, Vertriebschef einer peruanischen Fluggesellschaft, Rodrigo Hernan Hidalgo und Juan Soto, Vertriebs- und Marketingchef bzw. Präsident einer weiteren Airline aus Miami. Gegen zehn weitere Führungskräfte – einschließlich Ogiermann und Van de Weg – sind Klagen anhängig. Das Verfahren gegen die Luxemburger Manager könnte bis zu 18 Monate dauern.