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Antrag auf Teilzeitarbeit: Das kategorische "Nein"

Antrag auf Teilzeitarbeit: Das kategorische "Nein"

(Foto: Shutterstock)
Wirtschaft 4 Min. 27.01.2016

Antrag auf Teilzeitarbeit: Das kategorische "Nein"

Laurence BERVARD
Laurence BERVARD
Jeder kennt sie, jeder weiß wer sie sind: Jene Firmenchefs, die die Teilzeitarbeit in ihrem Betrieb „kategorisch“ ablehnen. Doch als „kategorisch“ würden es die Führungskräfte selbst nicht bezeichnen.

Von Laurence Bervard

Jeder kennt sie, jeder weiß wer sie sind: Jene Firmenchefs, die die Teilzeitarbeit in ihrem Betrieb „kategorisch“ ablehnen. Doch als „kategorisch“ würden es die Führungskräfte selbst nicht beschreiben. Immerhin führen sie das Argument an, dass die reduzierte Arbeitszeit in ihrem Betrieb (wegen der Größe) oder in ihrer Branche (Arbeitsaufwand, Art des Geschäfts oder Unregelmäßigkeit der Arbeitszeiten) schlicht unmöglich ist.

Dass solche Einwände auch in Luxemburg zum Alltag gehören, bestätigt der beigeordnete Generalsekretär vom LCGB Christophe Knebeler. „Man hört leider immer wieder von Unternehmen, die solche Anträge abweisen, ohne sich eingiebig mit Lösungen zu befassen“, so Knebeler.

Fehlt es an umsetzbaren Alternativen?

Knebelers Ansicht nach scheitert es oft am Versuch, den Arbeitnehmern umsetzbare Alternativen zu einer Vollzeitbeschäftigung anzubieten, die sie aus persönlichen oder familiären Gründen für eine vorübergehende und beschränkte Zeit beantragen. So ist die Wunschvorstellung von einem freien Dienstag- und Donnerstagnachmittag nicht immer realistisch. Einige Aufgaben kann man nun einmal nicht einfach in einem halben Tag abhacken. Doch könne der Chef beispielsweise Entgegenkommen zeigen, indem er dem Antragsteller anbieten würde, den ganzen Dienstag beziehungsweise den ganzen Donnerstag frei zu nehmen. Ein Tag mit den Kindern ist nun einmal besser als keiner. Diese Meinung teilt die Präsidentin der „Fédération des Femmes Cheffes d'Entreprises“, Christiane Wickler, die zudem die Geschäftsführerin des Pallcenter ist.

Seine Pflicht als Mutter oder Vater sollte man auf keinen Fall vernachlässigen.

Als vierfache Mutter sei sie selbst „von der Entbindungsstation mit dem Maxicosy zum Büro gegangen.“ Mutterschaftsurlaub kam für sie damals nicht in Frage – „das waren noch andere Zeiten und mein Unternehmen wäre ansonsten heute nicht das was es jetzt ist“, betont Wickler. Dass sie sich diese Auszeit als Frau nicht gönnte, bereut sie heute nicht. Dennoch unterstützt sie - trotz der ihr bekannten organisationellen Schwierigkeiten für Unternehmer -, dass ihre Schwägerin sich für den Congé de maternité entschieden hat.

Der Zeitplan der Kinder

Denn, so Wickler, „man hat das Glück, eine Arbeit haben zu 'dürfen'. Aber wenn man Kinder hat, dann ist man dazu 'verpflichtet', seine Rolle als Mutter oder Vater wahrzunehmen. Dies ist nicht verhandelbar und diese Pflicht sollte man auf keinen Fall vernachlässigen.“ Dass sie selbst keine Zeit hatte, ihren Kindern immer bei den Hausaufgaben zu helfen verantwortet sie damit, dass sie „das Glück hatte, dass mein Ehemann regelmäßige und mit dem Zeitplan der Kinder vereinbare Arbeitszeiten hatte.“

Oft handelt es sich schlicht um eine mathematische Rechnung bei der die Gehälter der beiden Partner verglichen werden.

Denn sowohl die Erziehung als auch das Wohlbefinden der Kinder müsse stets im Vordergrund stehen. Immerhin handele es sich dabei um die zukünftigen Arbeitskräfte und Arbeitgeber unseres Landes. "Es ist wichtig, seinen Kindern ein positives Gefühl gegenüber der Arbeit zu vermitteln", meint die Präsidentin der „Fédération des Femmes Cheffes d'Entreprises.“ Durch den Stolz, den man gegenüber einem erfüllten Arbeitsleben empfinde, könne man als Vorbild dienen und den Ehrgeiz seiner Sprosse fördern, so die Idee.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Als Geschäftsführerin sieht Wickler selbst mehr Vor- als Nachteile in dem Wunsch ihrer Angestellten, ihre Arbeitszeiten flexibler und geregelter zu gestalten. “Die Leute sind dann einfach produktiver. Im Endeffekt ist das Hauptziel einer Firma die Zufriedenheit seiner Kunden. Und dazu gehört nun einmal auch ein guter Service und eine freundliche und motivierte Arbeitskraft“, so Wickler. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Zudem hat die Pallcenterchefin in ihrem eigenem Betrieb gemerkt, inwiefern die Teilzeitarbeit die Angestellte aneinander schweißen kann. "Notwendigerweise gibt es einige Mitarbeiter, die die anderen nach ihrem halben Arbeitstag ablösen, so dass sie sich über die bereits erledigte Arbeit absprechen müssen, was zu einer ganz anderen Bindung zwischen den Arbeitskräften führt."

Teilzeit ist vor allem Frauensache

Wickler verwirft das immer noch geltende Stereotyp, dass prioritär Frauen eine Teilzeitarbeit gewährt werden sollte.  Fakt ist: Der Anteil der Männer, die sich entscheiden, zum Teil auf ihre Kinder aufzupassen, liegt hierzulande lediglich bei 4,3 Prozent – der EU-Durchschnitt dagegen bei 8,2 Prozent. Luxemburg landet damit im Ranking auf Platz 22 der 28 EU-Länder.

Als Erklärung dieser Ziffern gilt die Tatsache, dass Männer auch in Luxemburg immer noch mehr verdienen als Frauen und eine Halbtagsarbeit obligatorischerweise mit einem reduzierten Gehalt einhergeht, das oft proportional zum 40-Stundengehalt berechnet wird. „Oft handelt es sich schlicht um eine mathematische Rechnung bei der die Gehälter der beiden Partner verglichen werden. Oft wollen besonders junge Familien nicht auf mögliche höhere Einnahmen verzichten“, weiß Sylvain Hoffmann, beigeordneter Direktor der Arbeitnehmerkammer.

Dass Männer, besonders im Finanzsektor, zudem nicht immer auf das Verständnis ihrer selbst oft männlichen Vorgesetzten stoßen, sei ein weiterer Grund für ihre Resilienz. Zudem kennt nicht jeder die rechtlichen Regelungen, was zu weiteren Verunsicherungen führen mag.


Was denken Sie über die Teilzeitarbeit? Verstehen Sie die Arbeitgeber? Sollte jeder ein Recht auf Teilzeitarbeit haben? Sagen Sie uns gerne Ihre Meinung in den Kommentaren!




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