Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Annuaire de la Compétitivité 2015: Licht und Schatten in Luxemburg
Während Luxemburg im vergangenen Jahr ein Beschäftigungswachstum von 2,4% vermelden durfte und damit unter die TOP5 in der EU kam, blieb die Arbeitslosenquote mit 5,9% stabil.

Annuaire de la Compétitivité 2015: Licht und Schatten in Luxemburg

Foto: Shutterstock
Während Luxemburg im vergangenen Jahr ein Beschäftigungswachstum von 2,4% vermelden durfte und damit unter die TOP5 in der EU kam, blieb die Arbeitslosenquote mit 5,9% stabil.
Wirtschaft 5 Min. 07.10.2015

Annuaire de la Compétitivité 2015: Licht und Schatten in Luxemburg

Die Unternehmervereinigung UEL nimmt in ihrem Almanach erneut die Wettbewerbsfähigkeit des Großherzogtums kritisch unter die Lupe. Zu den Verbesserungsvorschlägen gehört auch in diesem Jahr wieder die Abschaffung des Indexes.

(aa) - Die Unternehmervereinigung UEL nimmt in ihrem neuen Almanach anhand von 23 ausgesuchten Kriterien die Wettbewerbsfähigkeit des Großherzogtums kritisch unter die Lupe. Neun Indikatoren befassen sich mit preislichen Parametern wie der Inflationsrate, den Lohnstückkosten oder den Energiekosten. Nicht-preisliche Indikatoren betreffen z. B. den Grad der Schulbildung, Bildungsausgaben sowie Forschung- und Entwicklung. Zudem befasst sich die UEL in ihrer Studie auch mit dem Lebensstandard und der sozialen Kohäsion in Luxemburg.

Kein Einheitsrezept für die Gehälterfrage

Administrateur Délégué Jean-Jacques Rommes präsentierte am Mittwochmorgen die Ausgabe 2015 des UEL-Almanachs zur Wettbewerbsfähigkeit der luxemburgischen Wirtschaft.
Administrateur Délégué Jean-Jacques Rommes präsentierte am Mittwochmorgen die Ausgabe 2015 des UEL-Almanachs zur Wettbewerbsfähigkeit der luxemburgischen Wirtschaft.
Foto: Guy Jallay

Bereits im Vorwort der neuesten Ausgabe geht Administrateur Délégué Jean-Jacques Rommes auf die zentralen Herausforderungen für die Zukunft ein. Dazu zählt er die Steigerung der Produktivität. Seit der Wirtschaftskrise gehe sie in praktisch allen wirtschaftlichen Bereichen Luxemburgs zurück oder stagniere, während die Lohnkosten weiter anstiegen. Aufgrund der unterschiedlichen Produktivitätsniveaus und disparaten Entwicklungen von einem Sektor zum anderen könne es aber kein Einheitsrezept für die Gehälterpolitik geben, so Rommes.

Entwicklung der Lohnkosten an Produktivität knüpfen

„Die nominalen Lohnstückkosten entwickeln sich seit 2007 in katastrophaler Art und Weise, während der öffentliche Diskurs sich scheinbar mehr und mehr hin zu einem Ende der Austerität und der Lohnzurückhaltung orientiert“, schreibt der UEL-Geschäftsführer.

Auch der Vorschlag zur Abschaffung des Indexes durfte in der neuesten Ausgabe des Annuaire de la Compétitivité  nicht fehlen.
Auch der Vorschlag zur Abschaffung des Indexes durfte in der neuesten Ausgabe des Annuaire de la Compétitivité nicht fehlen.
Foto: Marc Wilwert

Es sei höchste Zeit in eine objektive Debatte einzusteigen, so Rommes im Vorwort des Annuaire de la Compétitivité 2015, um sogleich einen konfliktträchtigen Halbsatz hinterherzuschieben: „...warum nicht, durch eine allgemeine Aufhebung der Indexierung in der Wirtschaft und durch einen Mechanismus, der die Entwicklung der Lohnkosten an die Produktivität knüpft?“ Hinzu komme noch das Problem des Inflationsgefälles gegenüber den ausländischen Wirtschaftspartnern, so Rommes. „Für die Regierung und alle politischen Akteure ist dies ein ärgerliches Thema und deswegen wurde es während der Tripartite-Treffen seit dem Regierungswechsel auch niemals ersthaft diskutiert.“

Preisliche Parameter belasten Attraktivität

Im ersten Kapitel des Annuaire de la Compétitivité 2015 über die preislichen Parameter der Wettbewerbsfähigkeit steht denn auch als fettgedruckter Untertitel: „Ein Element, das schwer auf der Attraktivität Luxemburgs lastet“. Bei der Inflation als erstem Indikator, heben die Autoren der Studie hervor, dass nicht der absolute Wert allein, sondern das Gefälle gegenüber den direkten Nachbarländern betrachtet werden müsse, wobei Luxemburg sich über Jahre hinweg schwer getan habe. Derzeit werde die Entwicklung erheblich von den gesunkenen Rohölpreisen dominiert. Wie in anderen Unionsländern, habe die Inflation in Luxemburg 2014 Werte unter einem Prozent erreicht.

Die nominalen Lohnstückkosten, d. h. die absoluten Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität, sind laut UEL im vergangenen Jahr weiter angestiegen (+1,6%). Wenn das Ausmaß der Steigerung auch begrenzt gewesen sei, so liege Luxemburg dennoch über den Nachbarn Frankreich (+1,0%) und Belgien (+0,1%). In Deutschland lag der Anstieg mit +1,8% hingegen höher als in Luxemburg. Die Unternehmervereinigung weist jedoch darauf hin, dass Luxemburg im langfristigen Vergleich deutlich schlechter abschneide. Die nominalen Lohnstückkosten hätten seit 2005 in Luxemburg um 35,8% zugelegt, gegenüber lediglich 13,6% in Deutschland, 16,7% in Frankreich und 22,3% in Belgien. Der kumulierte Wert Luxemburgs falle somit um 22,2 Prozentpunkte schlechter aus als der des Haupthandelspartners Deutschland.

Bei den Energiepreisen kritisiert die UEL die relativ hohen Kosten für Elektrizität und Gas.
Bei den Energiepreisen kritisiert die UEL die relativ hohen Kosten für Elektrizität und Gas.
Foto: Anouk Antony

Beim dritten Indikator, der totalen Faktorproduktivität, hat Luxemburg im vergangenen Jahr um 0,6% zugelegt. Ähnlich sah es bei den Nachbarn aus, abgesehen von Frankreich (-0,2%). Längerfristig bescheinigt die UEL dem Großherzogtum jedoch eine negative Entwicklung. Seit 2005 sei die totale Faktorproduktivität um 7,5% zurückgegangen, während sie in den Nachbarländern mehr oder weniger konstant geblieben sei.

Günstigere Unternehmenssteuer als die Nachbarn

Als wichtigen Indikator hebt die UEL die Unternehmensbesteuerung hervor. Mit 29,22% für Körperschaftssteuer inklusive Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer liege Luxemburg über dem europäischen Durchschnitt von 22,7%, gleichzeitig aber unter den Sätzen der Nachbarländer Deutschland (29,65%), Frankreich (33,33%) und Belgien (33,99%). In diesem Zusammenhang erwähnt der Jahresbericht zur Wettbewerbsfähigkeit die Bereitschaft der Regierung soweit möglich in dieser Legislaturperiode jegliche allgemeine Anhebung der Unternehmensbesteuerung zu vermeiden.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 15 auf17% scheine eher geringe Auswirkungen auf die Preise für alltägliche Konsumgüter gehabt zu haben, so die UEL. Daraus lasse sich ableiten, dass ein substanzieller Anteil der Erhöhung von den Unternehmen und nicht von den Verbrauchern getragen wird. Somit sei aus einer Verbrauchersteuer eine Produktionssteuer geworden.

Bei den Energiepreisen kritisiert die UEL die relativ hohen Kosten für Elektrizität und Gas.

Hohe Bildungsausgaben, viele Schulabbrecher

Im zweiten Kapitel des Annuaire de la Compétitivité 2015 geht die UEL auf die nicht-preislichen Parameter der Wettbewerbsfähigkeit wie z. B. Bildung und Innovation ein. In diesem Zusammenhang wird auf den relativ hohen Anteil an Erwachsenen mit höherem Sekundarabschluss verwiesen. Kritisiert wird jedoch, dass in Luxemburg vergleichsweise viele Schülerinnen und Schüler Schuljahre wiederholen müssten, um zum Erfolg zu gelangen. Zudem gebe es im Großherzogtum eine hohe Quote an Schulabbrechern. Sie sei von 9.2% im Schuljahr 2011-2012 auf 11,6% im Schuljahr 2012-2013 gestiegen. 2012-2013 hätten 1643 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Auf diese Weise, so die UEL werde die Jugendarbeitslosigkeit in Luxemburg durch die Schulabbrecher ohne Qualifikation gefördert.

In Luxemburg müssen vergleichsweise viele Schülerinnen und Schüler Schuljahre wiederholen, um zum Erfolg zu gelangen.
In Luxemburg müssen vergleichsweise viele Schülerinnen und Schüler Schuljahre wiederholen, um zum Erfolg zu gelangen.
Foto: Shutterstock

Die Anzahl an Schülerinnen und Schülern, die Klassen wiederholen oder die Schule abbrechen, steht laut Annuaire de la Compétitivité 2015 in einem krassen Gegensatz zu den Bildungsausgaben der öffentlichen Hand. In keinem anderen Land der Europäischen Union werde pro Kind mehr investiert als in Luxemburg.

Höchster Anteil an Hochschulabsolventen

Was den Anteil der Hochschulabschlüsse angeht, so sei dieser bei den 25- bis 64-Jährigen in Luxemburg von 27,7% im Jahr 2008 auf 45,9% im Jahr 2014 gestiegen. Das ist der höhste Wert in der Europäischen Union.

Im Bereich Forschung und Entwicklung stellt die Unternehmervereinigung Luxemburg kein gutes Zeugnis aus. Die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung lagen 2012 bei 1,16% des Bruttoinlandsproduktes und damit unter dem EU-Durchschnittswert von 2,01% - dies trotz der Entwicklung der Uni Luxemburg und aller staatlicher Unterstützung. In Deutschland wurden im gleichen Jahr für Forschung und Entwicklung 2,88% des BIP ausgegeben, in Frankreich 2,23% und in Belgien 2,24%.

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nehmen zu

Im dritten Kapitel des Annuaire de la Compétitivité 2015 befasst sich die UEL unter anderem mit dem Beschäftigungswachstum und der Arbeitslosenquote. Während Luxemburg im vergangenen Jahr ein Beschäftigungswachstum von 2,4% vermelden durfte und damit unter die TOP5 in der EU kam, blieb die Arbeitslosenquote mit 5,9% stabil.

Lesen Sie hier das ganze Dokument:






Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Gleiche Arbeit, weniger Geld
Das Statistische Amt der Europäischen Union (EU), kurz Eurostat, hat am Montag eine neue Studie veröffentlicht, in der die Arbeitskosten in den 28 Mitgliedstaaten verglichen werden. Luxemburg nimmt nach Dänemark und Belgien darin den dritten Platz ein.
Studie: Arbeitskosten: Luxemburg auf Rang vier
Arbeitgeber in der luxemburgischen Privatwirtschaft bezahlten im Jahr 2014 durchschnittlich 35,70 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Luxemburg liegt somit im EU-weiten Vergleich auf Rang vier. Dänemark hat mit 42 Euro die höchsten Arbeitskosten je geleistete Stunde, Bulgarien mit 3,80 Euro die niedrigsten. 
Luxemburg liegt mit 35,70 Euro auf Platz vier.