Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Albert Frère: Ein Finanzjongleur, der Luxemburg prägte
Wirtschaft 5 Min. 07.02.2015

Albert Frère: Ein Finanzjongleur, der Luxemburg prägte

Für sein Engagement erhielt Albert Frère 1998 den Ordre grand-ducal de la Couronne de chêne.(FOTO: AFP)

Albert Frère: Ein Finanzjongleur, der Luxemburg prägte

Für sein Engagement erhielt Albert Frère 1998 den Ordre grand-ducal de la Couronne de chêne.(FOTO: AFP)
AFP
Wirtschaft 5 Min. 07.02.2015

Albert Frère: Ein Finanzjongleur, der Luxemburg prägte

Der reichste Mann Belgiens zieht sich nach 33 Jahren an der Spitze der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) zurück, wie er diese Woche verkündete. Auch im Großherzogtum hatte Albert Frère einst seine Hände bei großen Firmen mit im Spiel.

(lb) Pünktlich zu seinem 89. Geburtstag hat Albert Frère diese Woche seinen Rückzug aus den Geschäften erklärt: Er will sein Amt als Verwalter bei Groupe Bruxelles Lambert (GBL), dessen Börsenkapitalisierung im September 2014 auf 11,7 Milliarden Euro geschätzt wurde, nicht verlängern. Sein eigenes Vermögen wird von Forbes Magazine auf 4,1 Milliarden geschätzt. Seinen Reichtum verdankt er einem außergewöhnlichen Geschäftssinn, den er unter anderem in Luxemburg unter Beweis stellte.

Bevor er zu einem bedeutenden Financier wurde, startete die Karriere des heute reichsten Belgiers im Familienunternehmen, das Nägel und Ketten herstellte. Mit 28 Jahren, erwarb Frère Beteiligungen in der Stahlfirma „Le Laminoir du Ruau“ und schaffte es 1954 die Anteile der Arbed im belgischen Stahlkonzern aufzukaufen. Zu seiner großen Überraschung wurde er damals vom Generaldirektor Aloyse Meyer selbst empfangen, der einem Aufkauf von 800 Franken pro Aktie (umgerechnet 20 Euro) einwilligte. 25 Jahre später dominierte er die ganze wallonische Stahlindustrie. Auch gelang es ihm, den belgischen Staat als Aktionär zu gewinnen, sich selbst jedoch die Vermarktungsrechte zu sichern und so das Stahl mit großer Rendite international zu verkaufen. Kurz vor der Stahlkrise zog er sich aus der Industrie zurück und versilberte seine Unternehmen um sich dem Finanzsektor zuzuwenden.

Anfang der 80er-Jahre hob er die Schweizer Gesellschaft Pargesa aus der Taufe und übernahm die Kontrolle von GBL, der unter anderem damals der drittgrößte private Energiekonzern Tractebel angehörte.

Wichtige Beteiligungen in Luxemburg

Die Übernahme von GBL sicherte ihm wichtige Beteiligungen in Luxemburg: 15 Prozent der ganzen Aktiva der belgischen Firma entfielen 1982 auf das Großherzogtum, darunter die Banque internationale à Luxembourg (BIL) und die Compagnie luxembourgeoise de télédiffusion (CLT). Außerdem war Frère indirekt beim Satellitenbetreiber SES, der Coditel, der Cegedel und der Arbed beteiligt. Frères Strategie bestand darin, geringe Anteile in unterschiedliche Firmen zu kaufen oder Tochtergesellschaften zu gründen, in denen er seine Macht weiter ausbauen konnte. Er wusste es, die Firmen so ineinander zu verschachteln, dass er auf allen Ebenen das Sagen hatte. Demnach bestand er auf einen Sitz im Verwaltungsrat, um die Unternehmenspolitik zu beeinflussen.

In der BIL, die er seit 1982 kontrollierte, war er ein gewiefter Stratege. Im Verwaltungsrat waren die Luxemburger beispielsweise in einer höheren Anzahl vertreten, erinnert sich Gaston Schwertzer, Präsident von Luxempart, dessen professionelle Laufbahn die von Albert Frère sowohl bei der gemeinsam gegründeten BIL Participations als auch in der CLT kreuzte. „Um den Verwaltungsrat zu umgehen, hat er einen Verbindungsausschuss gegründet, an dessen Spitze er seinen eigenen Verwalter von Pargesa platzierte. Der Verwaltungsrat ratifizierte dann die Empfehlungen des Verbindungsausschusses“, so Schwertzer gegenüber dem Luxemburger Wort.

Zusammen mit Gaston Schwertzer gründete Frère 1988 BIL Participations, die später zur Luxempart wurde. Ziel des Belgiers war es, der Bank eine Schlankheitskur zu verordnen und die Rentabilität der luxemburgischen Bank zu steigern. So wurden die Beteiligungen der Bank an luxemburgischen Firmen wie CLT, SES, Cegedel, Cargolux und Luxair zusammengeschlossen. BIL Participations wurde dann an der Börse quotiert, die Kassen der Bank klingelten.

CLT ja, SES nein

1992 verkaufte die BIL ihre Anteile der BIL Participations an die Foyer-Gruppe. Albert Frère sicherte sich beim Verkauf die CLT-Aktien zu einem günstigen Preis. Die Wertschätzung anderer Firmen lag ihm hingegen weniger am Herzen: Für SES war er bereit den Preis auf umgerechnete 0,50 Euro pro Aktie festzulegen.

„Im Laufe der Jahre änderte seine Strategie, da er die Bankenbeteiligung seiner Gruppe reduzieren wollte“, erinnert sich Schwertzer. 1990 und 1992 verkaufte GBL seine 23,8 Prozent der BIL an den Crédit Communal de Belgique (CCB), welcher sich 1996 mit dem Crédit Local de France (CLF) zusammenschloss um die Dexia zu gründen.

Streit mit Luxemburgern

„Frère war kein kreativer Anleger, er war vor allem ein sehr geschickter Financier, der perfekt mit seinen Beteiligungen und den anderen Instrumenten in seinem Besitz zu jonglieren wusste“, betont Gaston Schwertzer. Dies beziehe sich ebenfalls auf seine Rolle in der Compagnie luxembourgeoise de télédiffusion (CLT), in der Albert Frère den Ton angab.

GBL war hier mit 29,9 Prozent mehrheitlich durch Audiofina (später RTL Group) vertreten, die er regelrecht zu seinem Kriegsross machte. Die luxemburgischen Minderheitsaktionäre, darunter Gaston Schwertzer, Jacques Santer, die BCEE und die SNCI, schlossen sich zu Audiolux zusammen. Gegen den Willen der luxemburgischen Teilhaber, setzte Frère sich durch und verhinderte eine direkte Börsennotierung der CLT. Wollte man in die CLT investieren, führte kein Weg an Audiofina vorbei, eine Tatsache die Frères Vormachtherrschaft sicherte. Dies führte mit einigen Luxemburgern, darunter Gaston Schwertzer zum Streit.

1997 verhandelte Frère die Fusion mit der Bertelsmann Filiale UFA. In die Kritik geriet er allerdings, als er seine 30-prozentige Beteiligung der neu gegründeten RTL Group 2001 an die Bertelsmann AG abgab. Für ihn war das Geschäft äußerst lukrativ: Er erhielt im Gegenzug 25 Prozent des deutschen Medienkonzerns und sicherte sich das Recht, das Paket an die Börse zu bringen. Insgesamt kassierte Albert Frère 4,5 Milliarden Euro als Bertelsmann ihm dieses Paket 2006 wieder abkaufte. Dieser Deal zählt zu einem der beeindruckendsten, den er je durchgeführt hat. Minderheitsaktionäre erhoben ihrerseits Klage: Sie sahen sich benachteiligt weil man ihnen die jeweiligen Aktien nicht zum Kauf angeboten hatte. „Frère hat die luxemburgischen Aktionäre im Regen stehen lassen“, beklagt Gaston Schwertzer. Obwohl es europäische Empfehlungen gab, die die Gleichstellung der Aktionäre unterstützen, gab es in Luxemburg keinen präzisen Gesetzestext dazu, woraufhin die luxemburgischen Minoritätsaktionäre den Prozess verloren.

Die positive Entwicklung der jeweiligen Firmen, sei Schwertzer zufolge nicht auf Albert Frères Entscheidungen zurückzuführen. „Frère hat sich nicht in das tagtägliche Geschäft der Firmen eingemischt, die Erfolge der Firmen sind dem Management zu verdanken. Die Rolle Frères beschränkte sich auf die eines Financiers. Für ihn war eine Firma immer nur eine Geldfabrik.“

Eine Ansicht, die die luxemburgische Regierung offenbar nicht teilte. 1998 wurde ihm der „Ordre grand-ducal de la couronne de chêne“ überreicht. Bei der Preisverleihung lobte ihn der damalige Premier Jean-Claude Juncker: „Albert Frère ist ein unabdingbarer Geschäftsmann. Er hatte stets seine Bewunderer und seine Kritiker. Ich fand es immer beeindruckend, wie er seine Niederlagen in bemerkenswerte Erfolge umwandeln konnte, die auch Luxemburg zu Gute kamen“.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Private Equity: Investieren in die Zukunft
In der vergangenen Woche hat „Spire“, ein Technologie-Unternehmen der Weltraum-Industrie mit Sitz in San Francisco, angekündigt, dass es an einer Fundraising-Runde in Höhe von 59 Millionen Euro arbeitet.
Photo F. Tesch
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.