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Aktien-Hype um Gamestop und Co.
Wirtschaft 3 Min. 28.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Aktien-Hype um Gamestop und Co.

Die seit Tagen schon massiv schwankenden Gamestop-Papiere verloren zum Handelsstart am Donnerstag 25 Prozent.

Aktien-Hype um Gamestop und Co.

Die seit Tagen schon massiv schwankenden Gamestop-Papiere verloren zum Handelsstart am Donnerstag 25 Prozent.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 28.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Aktien-Hype um Gamestop und Co.

An den Finanzmärkten geht es häufiger mal turbulent zu, doch was sich derzeit an den US-Börsen abspielt, sucht seinesgleichen. Die Kurskapriolen rufen sogar die Börsenaufsicht und das Weiße Haus auf den Plan.

(dpa) - Der Ausnahmezustand am US-Finanzmarkt hält an: Auch am Donnerstag gingen die außergewöhnlichen Kurskapriolen bei den Aktien des Videospiel-Händlers Gamestop und anderer Unternehmen weiter. Börsenaufsicht und Finanzministerium sind aufgeschreckt, die Rufe nach strikterer Regulierung werden wegen der hohen Verlustrisiken lauter. Derweil wurden noch mehr Aktien von kriselnden Unternehmen, gegen die professionelle Investoren wie Hedgefonds wetten, zu Spekulationsobjekten kleinerer Anleger, die sich im Internet organisieren. Was steckt hinter dem Hype?

Niedrige Handelsgebühren, Absprachen in Online-Foren und YouTube-Tutorials haben in der Pandemie einen Börsenboom ausgelöst, bei dem eine neue Generation von Kleinanlegern Aktien angeschlagener Firmen in ungeahnte Höhen katapultiert. Dieses Phänomen war in der Vergangenheit bereits bei Unternehmen wie dem Autovermieter Hertz zu beobachten, doch erst durch das Extrembeispiel Gamestop erhält es nun die ganz große Aufmerksamkeit. Die seit Tagen schon massiv schwankenden Gamestop-Papiere verloren zum Handelsstart am Donnerstag 25 Prozent, nachdem sie am Mittwoch um 135 Prozent zugelegt hatten.


The Fearless Girl statue stands in front of the New York Stock Exchange near Wall Street on March 23, 2020 in New York City. - Wall Street fell early March 23, 2020 as Congress wrangled over a massive stimulus package while the Federal Reserve unveiled new emergency programs to boost the economy including with unlimited bond buying. About 45 minutes into trading, the Dow Jones Industrial Average was down 0.6 percent at 19,053.17, and the broad-based S&P 500 also fell 0.6 percent to 2,290.31 after regaining some ground lost just after the open. (Photo by Angela Weiss / AFP)
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Die USA wollen wegen der Corona-Krise ein Konjunkturpaket schnüren. Die Aktienmärkte bringt das in positive Aufruhr – die jüngsten Verluste wurden teilweise wieder wett gemacht. Doch die Besorgnis regiert weiter.

Der Computerspielhändler ist nicht das einzige Unternehmen, um das derzeit in extremer Weise an der Börse gezockt wird. Die Aktien der weltgrößten Kinokette AMC etwa, die kürzlich noch als Pleitekandidat galt, eröffneten 30 Prozent schwächer. Sie hatten am Vortag allerdings um mehr als 300 Prozent zugelegt. Als wichtiger Grund für die Gegenbewegung am Donnerstag gilt, dass einige Handelsplattformen, wie die bei Kleinanlegern beliebte Robinhood-App, die Firmen wegen der Kurskapriolen vorübergehend ausschlossen. Dies betraf auch andere Unternehmen wie den Kopfhörerhersteller Koss oder den strauchelnden Smartphone-Pionier Blackberry, die ebenfalls mit starken Kursschwankungen in den Spekulationsstrudel gerieten.

Besonders am Rummel um Gamestop lässt sich gut erkennen, welche Dimension der Hype angenommen hat. Aus Sorge vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren die Aktien des Unternehmens noch 2020 bei einem Rekordtief von 2,57 Dollar zu haben gewesen. Doch seit Mitte Januar kannten die Papiere trotz teils starker Schwankungen bis zuletzt eigentlich nur noch eine Richtung - steil nach oben. Als maßgeblicher Faktor hinter der Kursrally gilt ein relativ neues Phänomen am US-Aktienmarkt, bei dem sich massenhaft Kleinanleger in Foren etwa auf den Chat-Plattformen Reddit oder Discord im Stil von Flashmobs zusammentun, um gezielt bestimmte Aktien zu kaufen.

Dank eines nicht zuletzt von der Wertpapierhandels-App Robinhood ausgelösten Preiskriegs zwischen Online-Brokern, der die Gebühren massiv hat sinken lassen, hat sich der Aktienhandel in den USA gerade bei vielen Jüngeren während der Corona-Krise zu einer Art Volkssport entwickelt. Hinzu kommt, dass auch riskantere Transaktionen etwa mit Optionen, bei denen beispielsweise nur Bruchteile des Werts eines Anteilsscheins gehandelt werden, inzwischen viel stärker der breiten Bevölkerung und nicht mehr nur Finanzprofis zugänglich sind.

Ein regelrechter „Krieg“ ausgebrochen

So gehört etwa Gamestop zu den Aktien, die jüngst stark auf der Online-Plattform Reddit diskutiert wurden. Ein Hobby der Community ist es zudem, durch konzertierte Aktionen professionelle Investoren aus dem Markt zu drängen, die auf fallende Kurse spekuliert haben. Bei Gamestop kam es zuletzt zu einem regelrechten Kräftemessen mit Hedgefonds, bei dem sich die Kleinanleger zumindest vorerst durchsetzen konnten. Ganz neu ist das Phänomen indes nicht. Bereits seit Jahren gibt es Social-Trading-Plattformen, auf denen sich Nutzer austauschen, um gemeinsam Kaufideen zu entwickeln.


NEW YORK - NOVEMBER 18:  (FILE PHOTO) Amazon.com CEO Jeff Bezos (R) stands on a Segway with Segway inventor Dean Kamen (L) and NASDAQ Vice Chairman David Weild (C) after opening the NASDAQ Stock Market November 18, 2002 in New York City. The Consumer Product Safety Commission announced September 26, 2003 that Segway LLC has recalled all 6000 Segways sold since March 2002 because of dangers associated with low batteries that may cause the human transporter to fall.  (Photo by Mario Tama/Getty Images)
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Die Kursturbulenzen sorgten in der Finanzwelt zur Wochenmitte für große Aufregung, das „Wall Street Journal“ schrieb gar von einem „Krieg“, der zwischen Hedgefonds und Amateurhändlern ausgebrochen sei. Viele Online-Broker hatten angesichts des regen Betriebs am Markt technische Probleme. Forderungen nach einem Handelsstopp wurden laut, um die Lage zu beruhigen. Die Börsenaufsicht SEC teilte mit, die Situation genau im Blick zu haben und kündigte eine Untersuchung an. Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte beim Presse-Briefing, dass auch ein Team des Finanzministeriums die Lage beobachte.

Zuletzt soll auch der auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sehr präsente Tesla-Chef Elon Musk mit einem Tweet zu Gamestop und einem Link zu den Reddit-Nutzern die jüngste Rally angefacht haben. Analysten warnen derweil, dass der massive Kursanstieg nichts mit der Realität zu tun habe. Experte Jens Rabe etwa meint, der Höhenflug der Gamestop-Aktien schade dem Ansehen der Börse, da der Vorgang als „Zockerei“ wahrgenommen werde. Er fordert ein Durchgreifen der Aufsichtsbehörden, da Aktien kleiner Firmen als Spielball missbraucht werden könnten.  

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