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Klage gegen Clearstream eingereicht
Wirtschaft 2 Min. 26.06.2021
Air Berlin

Klage gegen Clearstream eingereicht

Luxemburg ist der Hauptsitz von Clearstream, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Gruppe Deutsche Börse.
Air Berlin

Klage gegen Clearstream eingereicht

Luxemburg ist der Hauptsitz von Clearstream, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Gruppe Deutsche Börse.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 2 Min. 26.06.2021
Air Berlin

Klage gegen Clearstream eingereicht

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Der Insolvenzverwalter von Air Berlin will die in Luxemburg ansässige Clearstream auf Zahlung von 497,8 Millionen Euro verklagen.

Der Insolvenzverwalter von Air Berlin will die Deutsche Börse-Tochter Clearstream auf Zahlung von 497,8 Millionen Euro verklagen. Die Klage sollte noch am Freitag beim Landgericht Frankfurt eingereicht werden, teilte die insolvente Fluggesellschaft am Freitag mit.

In einer Mitteilung des Insolvenzverwalters heißt es, die Clearstream Banking AG mit Sitz in Frankfurt sei „als Aktionärin der Stammaktien der Air Berlin PLC im Aktionärsregister der Air Berlin PLC in Großbritannien eingetragen“. Die Clearstream halte diese Aktien „für die Anleger, die Berechtigungen an den Aktien der Air Berlin PLC erworben haben und in Wertpapierdepots“.

Die Fluggesellschaft Air Berlin hatte 2017 einen Insolvenzantrag gestellt.
Die Fluggesellschaft Air Berlin hatte 2017 einen Insolvenzantrag gestellt.
Foto: AFP

Nach Ansicht des Insolvenzverwalters ist Air Berlin PLC nach dem Brexit wegen ihres fortbestehenden Verwaltungssitzes in Deutschland nicht mehr als eine Auslandsgesellschaft in Form einer englischen Public Limited Company anerkannt, sondern ist in eine deutsche Gesellschaft bürgerlichen Rechts umzuqualifizieren. Daher sei Clearstream nun „persönlich haftende Gesellschafterin dieser Gesellschaft bürgerlichen Rechts“.


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Mit der Klage beim Landgericht Frankfurt beabsichtigt der Insolvenzverwalter, die Zahlung der bereits zur Insolvenztabelle festgestellten Beträge geltend zu machen. Das Gericht sollte auch die Frage regeln, ob die Deutsche-Börse-Tochter zu weiteren Zahlungen an die Insolvenzgläubiger verpflichtet ist. Nach Schätzung des Insolvenzverwalters könnten sich diese weiteren Beträge auf eine Milliarde Euro belaufen.

Die Fluggesellschaft Air Berlin hatte 2017 einen Insolvenzantrag gestellt. Mit ihren rund 8.600 Beschäftigten schrieb sie seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft.  

Clearstream hält Ansprüche für „unbegründet“

Clearstream Banking AG in Frankfurt ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutsche Börse AG. Für das Luxemburger Geschäft ist die Clearstream Banking S.A. zuständig. Luxemburg ist zudem Hauptsitz von Clearstream International, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Gruppe Deutsche Börse. Im Luxemburger Business- und Finanzzentrum Kirchberg arbeiten eigenen Angaben zufolge rund 1.000 Mitarbeiter, hauptsächlich im Bereich Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren. Desweiteren ist in Luxemburg die Clearstream Services angesiedelt, die zusammen mit den Kollegen in anderen Lokationen die IT-Systeme der Gruppe entwickelt und betreibt.   

Clearstream schickte dem Luxemburger Wort am Samstag folgende Stellungnahme:„Clearstream Banking AG erfuhr am 25. Juni 2021 aufgrund einer Ad hoc-Meldung der Air Berlin PLC i.L., dass der Insolvenzverwalter über das Vermögen der Air Berlin PLC i.L. vor dem Hintergrund des Brexit Klage gegen Clearstream auf Zahlung von rund EUR 497,8 Millionen sowie auf Feststellung weitergehender Haftung als Gesellschafterin der Air Berlin, die auf mindestens EUR 1 Milliard beziffert wird, erheben will.“

Weiter heißt es: "Clearstream hat vorsorglich die Folgen des Brexit für die Rechtsverhältnisse der Air Berlin PLC i.L. unter Einbeziehung externen Rechtsrats  eingehend geprüft und hält jegliche Ansprüche in diesem Zusammenhang für unbegründet. Clearstream wird alle notwendigen und geeigneten Maßnahmen ergreifen, um sich gegen eine Inanspruchnahme zu verteidigen."

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