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Abgas-Schummelei in den USA: Dicke Luft bei VW
Wirtschaft 2 Min. 21.09.2015

Abgas-Schummelei in den USA: Dicke Luft bei VW

Mit einem speziellen Programm soll VW die Abgaswerte geschönt haben.

Abgas-Schummelei in den USA: Dicke Luft bei VW

Mit einem speziellen Programm soll VW die Abgaswerte geschönt haben.
Foto: REUTERS
Wirtschaft 2 Min. 21.09.2015

Abgas-Schummelei in den USA: Dicke Luft bei VW

Der Abgas-Skandal in den USA erschüttert Autobauer Volkswagen in den Grundfesten: Den Wolfsburgern droht eine empfindliche Geldbuße von umgerechnet bis zu 16 Milliarden Euro.

(mid) - Der Abgas-Skandal in den USA erschüttert Autobauer Volkswagen in den Grundfesten: Den Wolfsburgern droht zum einen eine empfindliche Geldbuße von umgerechnet bis zu 16 Milliarden Euro.

Aber auch der Ruf nach personellen Konsequenzen wird bereits laut. Dabei steht vor allem der mächtige Vorstandschef Martin Winterkorn am Pranger. Nachdem er erst vor wenigen Wochen als strahlender Sieger aus dem internen Machtkampf mit VW-Patriarch Ferdinand Piech hervorgegangen ist, könnte er nun über die manipulierten Abgas-Tests stolpern.

Mögliche personelle Konsequenzen erwähnt der VW-Chef allerdings mit keinem Wort. Dabei scheint es nur schwer vorstellbar, dass keine VW-Manager von dieser Mogelei gewusst haben soll.

Laut der US-Umweltbehörde Epa soll VW bei 482.000 Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen haben. Und damit hat der deutsche Autobauer gegen die amerikanischen Umweltgesetze verstoßen. Wie genau funktionierte die Manipulation? "Diese Autos hatten ein Programm, das die Abgasbegrenzung beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet", erklärte dazu Cynthia Giles von der US-Umweltbehörde. Laut Epa erkennt eine "hochentwickelte Software" von Volkswagen, ob Autos behördlichen Tests unterzogen würden oder im Normalbetrieb unterwegs seien. Die Behörde nennt sie "Defeat Device", Abschalteinrichtung.

Diesel in Verruf

Für Experten wird durch den Skandal nicht nur das Image des Autobauers beschädigt, sondern die ganze deutsche Diesel-Technologie. "Man versucht seit Jahren, die Diesel-Technologie in den USA zu etablieren - und jetzt das", sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Nach Ansicht des Experten sind auch BMW und Daimler dadurch indirekt betroffen.

Inzwischen geht die Angst um, dass es möglicherweise erst die Spitze eines Eisberges ist und der Skandal noch weitere Kreise ziehen könnte. Denn: Wenn VW in der Lage ist, die Abgastests in den USA zu manipulieren, dann können das andere Hersteller mit Sicherheit auch.

Eine erste Reaktion ließ deshalb nicht lange auf sich warten. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, er gehe davon aus, dass sein Unternehmen die Gesetze "sowohl dem Buchstaben nach als auch dem Sinne nach" eingehalten habe. Gleichzeitig bedauert er, was Volkswagen in den USA gerade erlebt: "Ich habe eine grobe Vorstellung, worum es geht und dass das auf uns nicht zutrifft, nicht übertragbar ist."

Beben an der Börse

Und wie reagiert die Börse auf den Skandal, schließlich ist Volkswagen ja ein "Schwergewicht" im Deutschen Aktien-Index (DAX)? Da gab es am Montag ein wahres Börsen-Beben: Die VW-Aktie gab am Vormittag um beinahe 20 Prozent nach und stürzte auf rund 130 Euro pro Papier ab. Daimler und BMW, die ebenfalls zu den 30 Dax-notierten Unternehmen gehören, wurden gleich mit abgestraft: Für beide Autobauer ging es zum Börsenstart um jeweils fünf Prozent nach unten.

Also reichlich dicke Luft in der Autobranche. Und das während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main, wo jeder Hersteller nicht nur PS-Zahlen, sondern auch sein "grünes Gewissen" zur Schau stellt.

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