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ABBL-Chef warnt vor zu hohen Löhnen im Staatsdienst
ABBL-Präsident Guy Hoffmann.

ABBL-Chef warnt vor zu hohen Löhnen im Staatsdienst

Foto: Matic Zorman
ABBL-Präsident Guy Hoffmann.
Wirtschaft 2 Min. 10.01.2019

ABBL-Chef warnt vor zu hohen Löhnen im Staatsdienst

Der Vorsitzende der Bankenvereinigung Guy Hoffmann äußert sich im Interview kritisch zur Lohn- und Hochschulpolitik der Regierung.

(mth) - Der Vorsitzende der Bankenvereinigung ABBL hat sich am Mittwochmorgen auf Radio RTL kritisch zur Gehälterpolitik beim Staat geäußert. Hoffmann sagte, die Tatsache, dass der Staat der größte Arbeitgeber in Luxemburg geworden sei, bringe Probleme für die Privatwirtschaft im Allgemeinen und den Finanzsektor im Besonderen mit sich: "Das ist eine große Herausforderung, weil es die Privatunternehmen sind, die die Leute ausbilden, diese aber nach kurzer Zeit wieder verlieren, da es eine derart große Diskrepanz bei den Anfangsgehältern im Vergleich zum öffentlichen Dienst gibt. Wir haben eine Situation geschaffen, in der das Risiko der Unternehmer nicht belohnt wird, da der Verdienst im Privatsektor systematisch niedriger ist".

Einerseits wäre klar, dass Privatunternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit als Arbeitgeber auch durch attraktive Gehälter steigern sollen und müssen. Wenn das Lohngefälle gegenüber dem Staatsdienst aber zu groß werde, gebe es eine ungesunde Situation: "Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, müssen jedoch den Finger in die Wunde legen, da diese Problematik in unseren Augen der luxemburgischen Wirtschaft Schaden zufügt".

  Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, müssen jedoch den Finger in die Wunde legen, da diese Problematik in unseren Augen der luxemburgischen Wirtschaft Schaden zufügt. 

In Gesprächen mit ausländischen Unternehmen falle immer wieder die Aussage auf, dass Luxemburg einerseits ein interessanter Standort wäre, es jedoch immer schwieriger werde, qualifiziertes Personal zu finden und auch zu halten. Diese Unternehmen würden irgendwann Luxemburg den Rücken zudrehen, weil sie sich verständlicherweise weigerten, ihren Personalbestand alle drei bis vier Jahre zu erneuern, weil ihre Mitarbeiter zum Staat wechseln.


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Auch im Bereich der Ausbildung und Hochschulbildung gebe es viel Nachholbedarf: "Wir haben in letzter Zeit sehr interessante Gespräche mit der Uni Luxemburg geführt. Es ist schon bemerkenswert, dass wir seit mittlerweile 15 Jahren eine Universität im Land haben, die bisher kaum bis gar keinen Kontakt zum Finanzsektor hatte, obschon dieser hierzulande der wichtigste Wirtschaftzweig ist. Wir verschenken damit wertvolle Ressourcen, da das Know-how nicht zurück in die Wirtschaft fließt. Wir wollen der Uni nicht diktieren, worüber sie zu forschen hat, wünschen uns aber eine stärkere Kooperation. Hier sollte die Politik unterstützend eingreifen".

Zur Frage, ob die zunehmende Digitalisierung zu Stellenabbau im Finanzsektor führen werde, sagte Hoffmann: "Es wäre unrealistisch, vom Gegenteil auszugehen". Denn zum einen würden obsolete Prozesse in den Banken selber wegfallen, aber auch das Verhalten der Kunden ändere sich: "Eine der größten Herausforderungen für die Banken wird in den kommenden Jahren sein, wie wir die rund 50.000 Arbeitsplätze im Sektor auch für die Zukunft sichern können, beispielsweise durch Umschulung und Weiterbildung".


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