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75 Mitarbeiter betroffen: Imprimerie Faber ist insolvent
Wirtschaft 3 Min. 30.10.2015 Aus unserem online-Archiv

75 Mitarbeiter betroffen: Imprimerie Faber ist insolvent

Das Unternehmen befindet sich seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten.

75 Mitarbeiter betroffen: Imprimerie Faber ist insolvent

Das Unternehmen befindet sich seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 30.10.2015 Aus unserem online-Archiv

75 Mitarbeiter betroffen: Imprimerie Faber ist insolvent

Weil die Mehrheit der Mitarbeiter Lohnkürzungen ablehnte, hat der Verwaltungsrat der Imprimerie Faber seine Drohung wahr gemacht. Das Unternehmen hat Konkurs angemeldet.

(las/ks) - Die Imprimerie Faber in Mersch geht in die Insolvenz. Dies teilte das Unternehmen am Freitag mit. Das Handelsgericht habe den Konkursantrag am Freitag genehmigt.

Vorausgegangen waren diesem Schritt Diskussionen mit den Gewerkschaften und der Personaldelegation. Das Unternehmen erklärte, dass die Mitarbeiter mehrheitlich einer Reduzierung der Lohnausgaben nicht zugestimmt hätten. Konkret ging es um Lohneinbußen von bis zu 20 Prozent sowie verschiedener Prämien.

Bis diesen Montag hatte die Belegschaft Zeit, um sich zu entscheiden. 34 der 75 Beschäftigten waren bereit, im Durchschnitt auf 13 Prozent Lohn zu verzichten, sagt Yves Jeanbaptiste, der Direktor der Imprimerie Faber. Das letzte Ziel war eine Einsparung von 49 000 Euro pro Monat in der Lohnmasse, das aber weit verfehlt wurde.

Am Dienstag legte die Direktion dann ein „Plan de maintien dans l'emploi“ vor und verlangte eine Entscheidung der Gewerkschaften noch am gleichen Tag. Die Verhandlungen scheiterten letztlich am Zeitdruck, sagen beide Seiten. Auch in diesem Plan stellte die Direktion laut den Gewerkschaften einen Lohnverzicht als Bedingung.

Laut OGBL und LCGB wären die Lohneinbußen für viele Beschäftigten existenzbedrohend gewesen und hätte das Überleben des Unternehmens auch nicht garantiert. „Der Umstrukturierungsplan sah kaum neue Investitionen vor und auch keine Perspektiven, das Unternehmen neu auszurichten“, sagt Pierre Schreiner vom OGBL.

„Der Verwaltungsrat hatte nach der Ablehnung der Lohnsenkung keine andere Wahl als Insolvenz zu beantragen. Ansonsten hätte der Vorwurf der Verschleppung im Raum gestanden“, betont der Anwalt François Prum. Er vertritt die Aktionärinnen und Verwaltungsratsmitglieder Myriam und Eliane Faber. Eine Weiterführung der Aktivität hätte lediglich zu mehr Schulden geführt, so Prum.

Volle Auftragsbücher

Die Schuld an der Insolvenz wollen sich die Gewerkschaften nicht geben lassen. „Das Kind liegt bereits seit langem und sehr tief im Brunnen“, sagt LCGB-Gewerkschaftssekretär Carlo Wagener.

Der Direktor Yves Jeanbaptiste sagte vor zwei Wochen, dass die zunehmende Digitalisierung und die Konkurrenz aus dem Internet und Osteuropa das Unternehmen unter Druck setzten. Ein Problem der Wettbewerbsfähigkeit sieht die Belegschaft jedoch nicht – die Auftragsbücher seien voll. Allerdings sei in den letzten Jahren nicht in neue Maschinen investiert worden, beklagen die Gewerkschaften.

Das Unternehmen stand unter großem finanziellen Druck: Die letzten Jahre brachten durchgehend Verluste: 2014 war es eine Million Euro, 2013 waren es 1,2 Millionen und 2012 700.000 Euro. Damit ist bereits über die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht. Die Mietrückstände in Höhe von fast einer Million Euro stellen die Hauptschulden dar.

Das Pikante daran: Eigentümer der Gebäude und Grundstücke ist eine Gesellschaft, die ebenfalls der Familie Faber gehört. Seit langem schwelt ein Streit zwischen François Faber und seinen Schwestern Myriam und Eliane. Ersterer trat Ende 2014 aus dem Verwaltungsrat aus.

„Die Meinungsverschiedenheiten waren nicht der Grund für die Insolvenz“, betonte jedoch Prum. Eine Lösung für die Mietrückstände habe bestanden.

Die attraktive Tochter

So richtig glaubt keiner der Beteiligten, dass es noch eine Zukunft für die Druckerei gibt. Anders sieht es für die 100-prozentige Tochtergesellschaft „Faber Digital Solutions“ aus. Der Dienstleister für den Finanzplatz (PSF) machte 2014 einen Gewinn von knapp 100.000 Euro. Allerdings sei zwischen den Aktivitäten von Mutter und Tochter nicht immer klar getrennt worden, sagt Pierre Schreiner.

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