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737-Max-Debakel: Boeing-Krise ohne Ende?
Wirtschaft 3 Min. 23.10.2019

737-Max-Debakel: Boeing-Krise ohne Ende?

Je länger die Boeing 737 MAX nicht fliegen dürfen, desto teurer wird das Debakel für den Konstrukteur.

737-Max-Debakel: Boeing-Krise ohne Ende?

Je länger die Boeing 737 MAX nicht fliegen dürfen, desto teurer wird das Debakel für den Konstrukteur.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 23.10.2019

737-Max-Debakel: Boeing-Krise ohne Ende?

Brisante Mitarbeiter-Chats, Streit mit der Flugaufsicht, Kursabsturz an der Börse: Boeing versinkt immer tiefer in der Krise um seinen einstigen Bestseller 737 Max.

(dpa) - Der Unglücksjet - seit März wegen zwei verheerenden Abstürzen mit Startverboten belegt - wird immer mehr zum Verhängnis für den bis vor kurzem noch größten Flugzeugbauer der Welt. Ausgerechnet jetzt muss der Airbus-Rivale Einblick in seine Bilanz gewähren - viel Grund für Optimismus gibt es nicht.

Am Mittwoch will Vorstandschef Dennis Muilenburg, dem gerade erst der Verwaltungsratsvorsitz aberkannt wurde, Aktionären die Zahlen für das jüngste Quartal vorlegen. Es ist ein unangenehmer Termin, denn die Rechnung für das 737-Max-Debakel geht bereits in die Milliarden und dürfte noch kräftig weiter steigen. Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Zuletzt gab es weitere Hiobsbotschaften.

Umstrittenes Steuerungsprogramm


(FILES) In this file photo taken on June 27, 2019, a Boeing 737 MAX airplane is stored on an employee parking lot adjacent to Boeing Field in Seattle, Washington. - Boeing could report its biggest loss ever on July 24, 2019, sagging under the weight of $5.6 billion in costs so far due to the crisis surrounding the 737 MAX aircraft. The top-selling plane has been grounded worldwide since March 13 following a second devastating crash. The Ethiopian Airlines catastrophe that killed 157 passengers and crew, came on the heels of a Lion Air crash last fall killing 189 people. (Photo by STEPHEN BRASHEAR / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP)
737-Max-Debakel vermasselt Boeing die Bilanz
Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten darf Boeings bestverkaufte Modellserie 737 Max vorerst nicht mehr abheben. Das hat dem Airbus-Erzrivalen nun einen enormen Verlust eingebrockt.

Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen mit insgesamt 346 Toten gespielt haben soll. Boeing hatte bereits nach dem ersten Unglück in Indonesien versprochen, die MCAS-Probleme per Software-Update zu beheben. Wenig später stürzte eine 737 Max in Äthiopien ab. Am Update tüftelt Boeing noch immer.

„Ungeheuerlich“ - Boeings technischer Chefpilot Mark Forkner fand bereits im November 2016, Monate vor der Zulassung der 737 Max, klare Worte für das MCAS-Programm. Im Flugsimulator gerate die Automatik geradezu außer Kontrolle, klagte Forkner gegenüber einem Boeing-Kollegen in Textnachrichten, die am Freitag in US-Medien veröffentlicht wurden. MCAS soll eigentlich in kritischen Situationen den Flugwinkel korrigieren. Doch laut Unfallberichten brachte das Programm die Unglücksmaschinen durch falsche Sensordaten zum Absturz.

Brisante Nachrichten


(FILES) In this file photo taken on January 14, 2019 Passenger planes bearing the Ryanair Irish low-cost airline livery, are pictured at Rome's Ciampino airport. - Ryanair said Tuesday, July 16, it will close some of its bases because of problems with Boeing's crisis-hit 737 MAX jet, which has been grounded after two fatal accidents. (Photo by Alberto PIZZOLI / AFP)
Ryanair streicht Pläne wegen verzögerter Auslieferung der 737 Max
Wegen der verzögerten Auslieferung des Problemjets Boeing 737 Max streicht der irische Billigflieger Ryanair seine Flugpläne zusammen.

Für den US-Konzern sind Forkners Nachrichten hochbrisant: Boeing steht ohnehin schon im Verdacht, der US-Flugaufsicht FAA bei der im Nachhinein äußerst kontroversen Zertifizierung der 737 Max wichtige Informationen unterschlagen zu haben. Die Veröffentlichung des Chatverkehrs kommt zur Unzeit. Zumal Forkner darin sogar einräumt, die FAA angelogen zu haben - wenngleich angeblich unwissentlich, da ihm selbst die Wirkung des MCAS-Programms zunächst nicht klar war.

Die FAA reagierte ausgesprochen ungehalten. Behördenchef Steve Dickson forderte in einem Brief an Muilenburg eine „sofortige Erklärung“. Besonders erzürnte Dickson, dass Boeing das „beunruhigende Dokument“ den Aufsehern angeblich erst mit Monaten Verspätung vorlegte. Das Unternehmen ging zunächst auf Tauchstation, veröffentlichte dann ein dürres Statement, wonach Muilenburg den FAA-Chef nun wie in dessen Brief gefordert angerufen habe.

Beschwichtigung


In this handout photo from Qantas taken on on October 18, 2019 shows Qantas pilots captain Sean Golding (L) and first officer Jeremy Sutherland in the cockpit of a Qantas Boeing 787 Dreamliner plane in New York before completing a non-stop test flight from New York to Sydney. - The Qantas Boeing 787 completed the flight, non-stop New York to Sydney in 19 hours and 15 minutes on October 20,  2019 (Photo by JAMES D. MORGAN / QANTAS / AFP) / --EDITORS NOTE -- RESTRICTED TO EDITORIAL USE MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO / QANTAS " NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS - NO ARCHIVES
16200 Kilometer-Nonstop-Flug
Australiens Fluggesellschaft Qantas hat mit einer Boeing 787-9 mit insgesamt 19 Stunden und 16 Minuten den bisher längsten Passagierflug absolviert.

Erst am Sonntag legte Boeing mit einer ausführlicheren Stellungnahme nach und bemühte sich, die Nachrichten in einen nicht ganz so peinlichen Kontext zu setzen. Zwar sind die Ausführungen recht verklausuliert - doch das Unternehmen zitiert Aussagen von Forkners Anwalt, die sich so deuten lassen könnten, dass der Flugsimulator technische Probleme hatte. Boeing bedauere die Textnachrichten und sei selbst noch dabei, ihre genaue Bedeutung zu erforschen.

Da war der Schaden allerdings ohnehin schon längst angerichtet. Boeings Aktien fielen am Freitag um fast sieben Prozent. Am Montag ging es um weitere fast vier Prozent abwärts, nachdem Analysten pessimistische Einschätzungen abgaben und einen Verfall des Börsenwerts um mehr als 50 Milliarden Dollar in Aussicht stellten. Damit ist die 737-Max-Krise nun endgültig auch an der Börse angekommen, wo Boeing bislang noch erstaunlich resistent wirkte.

Dass die Nachrichten von Pilot Forkner den Konzern so arg in die Bredouille bringen, hat auch noch einen weiteren Grund. Boeing gab in der Reaktion auf die Kritik von FAA-Chef Dickson an, den Chatverlauf tatsächlich schon früher in diesem Jahr vorgelegt zu haben, allerdings „Regierungsermittlern“. Nähere Angaben, um wen es sich dabei konkret handelt, wollte Boeing nicht machen. Doch angesichts des erbosten Briefs Dicksons kann es wohl nicht die FAA sein.

Behörde unter Druck


Video: Fuchs von Jumbojet unbeeindruckt
Ein Fuchs hat sich in Moskau von den Startvorbereitungen eines Jumbojets wenig einschüchtern lassen.

Da auch die US-Justizbehörden ermitteln sollen, ob bei der Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging, dürfte das brisante Dokument zuerst dort gelandet sein. Kein Wunder, dass der FAA das nicht passt: Die Behörde steht selbst massiv in der Kritik, sie soll sie wesentliche Teile der Zertifizierung Boeing selbst überlassen haben. Sollte Boeing sich nun auch noch mit der Aufsicht überwerfen, würde dies nichts Gutes verheißen und könnte die erhoffte 737-Max-Wiederzulassung womöglich noch weiter ausbremsen.

In jedem Fall sind die Vorwürfe der FAA für Boeing sehr heikel. Der Konzern ist wegen der Abstürze mit einer Klagewelle konfrontiert. Sollten bei der Zertifizierung der 737 Max falsche Angaben gemacht worden sein, könnte dies schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Zudem kosten die Flugverbote viel Geld und jede weitere Verzögerung verschlimmert die Lage. Mitte des Jahres betrugen die Sonderkosten wegen des 737-Max-Debakels bereits mehr als acht Milliarden Dollar - im dritten Quartal dürfte es kaum Entlastung gegeben haben.    


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Boeing meldet Korrekturen an 737 Max
Um gegen das noch immer bestehende Flugverbot seiner 737 Max anzukämpfen hat Hersteller Boeing die verhängnisvolle Flugsimulatorsoftware überarbeitet.
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