Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Vodafone zahlt weniger Steuern in Luxemburg
Wirtschaft 20.02.2017 Aus unserem online-Archiv
7 Millionen Euro für den Staat

Vodafone zahlt weniger Steuern in Luxemburg

Vodafone hat 315 Mitarbeiter in Luxemburg.
7 Millionen Euro für den Staat

Vodafone zahlt weniger Steuern in Luxemburg

Vodafone hat 315 Mitarbeiter in Luxemburg.
Photo: AFP
Wirtschaft 20.02.2017 Aus unserem online-Archiv
7 Millionen Euro für den Staat

Vodafone zahlt weniger Steuern in Luxemburg

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Der britische Telekomkonzern veröffentlicht jedes Jahr einen ausführlichen Bericht über seine Steuerpraxis. In der weltweiten Struktur des Unternehmens spielt Luxemburg eine große aber schwindende Rolle.

(las) - Der britische Telekomkonzern zahlte vergangenes Jahr sieben Millionen Euro Steuern hierzulande, im Jahr zuvor waren es noch 22,3 Millionen Euro. Doch Vodafone verbuchte 86 Prozent seines weltweiten Gewinn vor Steuern in Luxemburg - sprich 1,6 Milliarden Euro (1,37 Milliarden Pfund).

Seit fünf Jahren veröffentlicht Vodafone, wie viel Steuern das Unternehmen in welchen Ländern zahlt. Grund für die Transparenzoffensive ist die öffentlich breit diskutierte Steuerstrafe von 1,25 Milliarden Pfund, die britische Behörden gegen Vodafone verhängten. Der Grund damals: Steuervermeidung via Luxemburg.

"Keine Briefkastenfirma" in Luxemburg

Diese Zeiten sind allerdings vorbei, glaubt man Vodafone. Die Präsenz in Luxemburg sei keine Briefkastenfirma, sondern die weltweite Zentrale für die Beschaffung von Gütern im Wert von 18 Milliarden Euro, die der Konzern benötigt. Außerdem werden 650 Roamingverträge sowie die Finanzen des Konzern in Luxemburg verwaltet. 2015/16 arbeiteten 315 Personen für Vodafone in Luxemburg.

Dass Vodafone dennoch nur 0,4 Prozent Steuern in Luxemburg zahlt, liegt am eigentlichen Grund für die Existenz der 11 Luxemburger Gesellschaften. 2000 übernahm Vodafone den deutschen Mannesmann-Konzern, dessen Wert in Folge der Dotcom-Blase massiv sank. Diesen Wertverlust ("good will") kann der Konzern in Luxemburg abschreiben, wie im Transparenzbericht zu lesen ist. 2014 lag der Verlustbetrag bei 26,5 Milliarden Euro (22,6 Milliarden Pfund) laut Vodafone.

Doch seit der diesjährigen Steuerreform ist die Möglichkeit vergangene Verluste vom Gewinn abzuhalten nun zeitlich begrenzt, betont Vodafone im Bericht. Zusätzlich fordern die britischen Behörden aufgrund von neuen Regeln Steuern auf die Kredite ein, die von Luxemburg vergeben werden. Laut Vodafone waren die Steuerausgaben in Luxemburg 2014/15 besonders hoch, weil die Steuerverwaltung eine Überprüfung durchgeführt habe.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Der Onlineriese hat nicht immer den besten Ruf, umso besser passen da positive Nachrichten: Amazon schafft Tausende neue Jobs, vor allem in den Versandzentren. Wie sich dies in Luxemburg auswirkt, bleibt jedoch unklar
Trotz Brexit schafft Amazon in Großbritannien 5.000 neue Jobs
Folgen der Steuerreform
Wir wissen, dass wir nichts wissen: Das ist die Antwort des Finanz- und des Justizministers auf die Frage, wie sich die Zahl der Holdinggesellschaften entwickelt. Doch die offiziell verfügbaren Daten sprechen eine deutliche Sprache.
Das Unternehmen hatte laut Finanzamt Trier wissentlich falsche Lohnbescheinigungen für deutsche Grenzgänger ausgestellt, sodass zuviel Steuer in Luxemburg und zu wenig Steuer in Deutschland abgeführt wurde.
Bei dem luxemburgischen Unternehmen handelte es sich laut Finanzamt um eine Spedition, die europaweit Warentransporte durchführt.
Die Reform des Steuerrechts gehört 2016 zu den Herkulesaufgaben der Regierung. Finden Sie alle aktuellen Berichte, aber auch Hintergründe und Erklärstücke in unserem Dossier.