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32 Euro pro Jahr für fair gehandelte Produkte
Wirtschaft 3 Min. 26.07.2019 Aus unserem online-Archiv

32 Euro pro Jahr für fair gehandelte Produkte

In Luxemburg werden rund 2 330 „Fairtrade“-Produkte zum Verkauf angeboten.

32 Euro pro Jahr für fair gehandelte Produkte

In Luxemburg werden rund 2 330 „Fairtrade“-Produkte zum Verkauf angeboten.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 26.07.2019 Aus unserem online-Archiv

32 Euro pro Jahr für fair gehandelte Produkte

Mara BILO
Mara BILO
In Luxemburg sind fair gehandelte Produkte weiterhin beliebt: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr hierzulande 19,3 Millionen Euro dafür ausgegeben.

Ob Rosen, Bananen oder Kaffee – wer sich noch vor dem Kauf im Supermarkt über die Produktionsbedingungen und Herkunft der Waren informiert, wird das mittlerweile bekannte Label „Fairtrade“ kaum übersehen haben. „Fairtrade“ – also der „Handel mit Produkten der Dritten Welt zu Bedingungen, die auch aus Sicht der Produzenten fair und angemessen sind“, so der Duden – steht für kontrollierten Handel: Wer mit dem entsprechendem Siegel auf seinen Produkten werben möchte, muss sich an strikte, weltweit gültige wirtschaftliche, soziale und ökologische Standards halten. Das reicht von der Zahlung eines menschenwürdigen Mindestlohns an die Arbeiter in den Produktionsländern bis hin zum Verbot von Kinderarbeit und dem Streben nach einer Gleichstellung der Geschlechter.


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Fair gehandelte Produkte werden in der ganzen Welt verkauft; Angaben des internationalen Dachverbands „Fairtrade international“ zufolge stellte der „Fairtrade“-Markt im Jahr 2017 knapp 8,5 Milliarden Euro dar. Auch in Luxemburg sind fair gehandelte Produkte weiterhin beliebt: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr hierzulande 19,3 Millionen Euro dafür ausgegeben – im Vorjahr waren es auch etwas mehr als 19 Millionen. Auf die Einwohnerzahl in Luxemburg umgerechnet entspricht das etwa 32 Euro pro Kopf, wie Jean-Louis Zeien, Mitgründer und Präsident der Asbl „Fairtrade Lëtzebuerg“, erklärt. „Damit nimmt Luxemburg weltweit den Platz sechs ein.“


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Dennoch ist „noch viel Luft nach oben“, so Zeien. Beispiel Schweiz: Dort geben die Bürger umgerechnet rund 80 Euro pro Kopf für fair gehandelte Produkte aus. Und im Vergleich ist das Bio-Label beliebter: Laut Zeien geben Luxemburger Einwohner etwa 200 Euro pro Jahr für ökologisch nachhaltig erzeugte Produkte aus.

Es liegt noch ein langer Weg vor uns.

Knapp eine Million Rosen

„Fairtrade Lëtzebuerg“ ist Mitglied des weltweit aktiven Dachverbands „Fairtrade international“ – die Interessengemeinschaft bringt Organisationen aus 30 Ländern zusammen, die „fairen Handel mit Produkten aus Entwicklungs- und Schwellenländern fördern, organisieren und mit einem gemeinsamen Siegel auszeichnen“, wie es heißt. Die luxemburgische Branche wurde 1992 gegründet und beschäftigt sich mit der Schärfung des Bewusstseins der Öffentlichkeit für fairen Handel und die Förderung von fair gehandelten Produkten auf dem luxemburgischen Markt. Eigenen Angaben zufolge trägt „Fairtrade Lëtzebuerg“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen von mehr als 1,66 Millionen Produzenten und Arbeitnehmern in 73 Ländern bei.


30.11. Wortex / ITV Jean Louis Zeien , Transfair foto: Guy Jallay
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In Luxemburg werden rund 2 330 „Fairtrade“-Produkte zum Verkauf angeboten – davon sind 186 von Luxemburger Firmen. „Das entspricht einer Steigerung von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, stellt Zeien fest. Fair gehandelt ist ein Fertigprodukt dann, wenn alle seine Komponenten unter den festgelegten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Standards angefertigt wurden. Das in Luxemburg beliebteste „Fairtrade“-Produkt ist die Rose: Knapp eine Million wurden im vergangenen Jahr verkauft – 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Anders gesagt: „Etwa vier von zehn Rosen stammen hierzulande aus dem fairen Handel!“, freut sich der Präsident von „Fairtrade Lëtzebuerg“, Jean-Louis Zeien. Eine gute Sache, denn: „Die meisten weltweit verkauften ,Fairtrade‘-Rosen kommen aus Ostafrika, wo es keinen nationalen Mindestlohn für Landarbeiter gibt.“ So wurde dank der „Fairtrade“-Bewegung ein Mindestlohn für landwirtschaftliche Betriebe in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda eingeführt.

Nach Rosen werden in Luxemburg am meisten „Fairtrade“-Bananen (mit einem Marktanteil von 30 Prozent), -Baumwolle, -Kaffee (zehn Prozent) und -Kakao (2,7 Prozent) gehandelt. „Es liegt noch ein langer Weg vor uns“, sagt die Direktorin von „Fairtrade Lëtzebuerg“, Geneviève Krol. Bis 2020 hofft die Asbl, dass der „Fairtrade“-Markt in Luxemburg auf 20 Millionen Euro wachsen wird. Die Organisation will auch weiterhin ihre Sensibilisierungs- und Informationskampagnen durchführen: Im vergangenen Jahr wurden rund 115 Veranstaltungen mit etwa 9 000 Teilnehmern organisiert; in Schulen hat „Fairtrade Lëtzebuerg“ 86 Workshops veranstaltet.


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