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30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Arbeit statt Schule
Wirtschaft 3 Min. 20.11.2019 Aus unserem online-Archiv

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Arbeit statt Schule

In Neu-Delhi, der Hauptstadt Indiens, werden Kinder in Textilfabriken beschäftigt.

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Arbeit statt Schule

In Neu-Delhi, der Hauptstadt Indiens, werden Kinder in Textilfabriken beschäftigt.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 20.11.2019 Aus unserem online-Archiv

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Arbeit statt Schule

Mara BILO
Mara BILO
Weltweit müssen mehr als 150 Millionen Kinder unter gefährlichen Bedingungen arbeiten.

Sie arbeiten in Fabriken, Minen und Plantagen und sind nicht einmal 18 Jahre alt: Insgesamt müssen Angaben der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge 152 Millionen Kinder weltweit arbeiten (Stand: 2016).

Die Ursachen dafür sind vielfältig, wie Paul Heber, Leiter Kommunikationsabteilung der Luxemburger Branche des UN-Kinderhilfswerks Unicef, erklärt. „Oft müssen von Kinderarbeit betroffene Minderjährige Geld verdienen, damit abends überhaupt etwas auf dem Tisch steht“, sagt er. „Da sehen Eltern die Notwendigkeit nicht, dass ihre Kinder eine Schule besuchen.“


Kinderarbeit im indischen Ahmedabad. Weltweit arbeiten nach Schätzungen rund 215 Millionen Kinder - zum Teil unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen.
Mehr als 150 Millionen Kinder in illegaler Kinderarbeit
Obwohl die Zahlen sich verbessert haben, ist Kinderarbeit immer noch ein Problem. Die Internationale Arbeitsorganisation fordert, die Situation der Familien nachhaltig zu verbessern.

Darüber hinaus kann die schiere Not – wie etwa der mangelnde Zugang zu sauberem Wasser – ins Spiel kommen. „Kinderarbeit ist eng mit Armut verbunden“, stellt Heber fest. „Manche Kinder müssen fünf Kilometer, also zwei Stunden hin und zurück, bis zur nächsten Wasserquelle laufen“, berichtet der Unicef-Experte aus Erfahrung. „Das sind zwei Stunden, die die Kinder nicht in der Schule verbringen können.“

Kinderarbeit bezeichnet laut ILO die Arbeit von Minderjährigen, die ihre geistige, körperliche, soziale oder moralische Entwicklung gefährdet und ihr Recht auf Schuldbildung verletzt – beispielsweise wenn Kinder die Schule vorzeitig verlassen müssen oder sie dazu gezwungen sind, den Schulbesuch mit langer und schwieriger Arbeit zu verbinden. „Kinderarbeit betrifft Minderjährige, die keine Kinder sein können, weil sie arbeiten müssen“, stellt Heber fest. „Die Eltern beim Haushalt oder in einem Familienunternehmen zu unterstützen, wie es in Luxemburg der Fall sein kann, ist natürlich keine Kinderarbeit“, fügt er hinzu.


Insgesamt ist die Lage für Kinder weltweit besser geworden. In Syrien verschlechtert sie sich allerdings weiter.
Weniger Kindern wird heute die Kindheit "geraubt"
Die Hilfsorganisation Save the Children vermeldet Positives. In vielen Staaten geht es Kindern heute besser als noch vor 20 Jahren - in drei Ländern allerdings hat sich die Situation verschlechtert.

Im Übereinkommen über die Rechte des Kindes, das am 20. November 1989 – vor genau 30 Jahren – von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde, wird festgehalten, dass „die Vertragsstaaten das Recht des Kindes auf Bildung anerkennen. Um die Verwirklichung dieses Rechts auf der Grundlage der Chancengleichheit fortschreitend zu erreichen, werden sie insbesondere den Besuch der Grundschule für alle zur Pflicht und unentgeltlich machen [...].“ Alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben diese UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben – mit Ausnahme der USA.

Theorie und Praxis

Dennoch ist die Situation in vielen Ländern weiterhin schwierig, wie Paul Heber erklärt. „Die UN-Kinderrechtskonvention hat dazu geführt, dass viele Staaten Kinderrechte in ihrer nationalen Gesetzgebung festgelegt haben. Doch die Umsetzung bleibt schwierig.“


32 Euro pro Jahr für fair gehandelte Produkte
In Luxemburg sind fair gehandelte Produkte weiterhin beliebt: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr hierzulande 19,3 Millionen Euro dafür ausgegeben.

Als Kinderhilfswerk ist Unicef in 190 Ländern und Territorien vertreten. Die Organisation arbeitet daran, die Eltern dort von der Notwendigkeit der Schule zu überzeugen. „Wir zeigen ihnen, inwiefern sich der Schulbesuch langfristig lohnen kann“, sagt Heber. Weiter beschäftigt sich Unicef mit dem Aufbau von Grundinfrastrukturen in Schulen. Beispiele dafür sind getrennte Toiletten für Mädchen und Jungen oder Kochnischen, um den Kindern mindestens ein Essen pro Tag anbieten zu können.

Bewusstes Einkaufen

Produkte, die von Kindern hergestellt werden, überfluten schon seit Jahren den Markt. Immer wieder wird Kinderarbeit mit Batterien für Elektroautos oder Schokolade verbunden, denn: Für die Produktion von Batterien werden Metalle wie Lithium oder Kobalt benötigt, die öfters von Kindern in zentralafrikanischen Minen abgebaut werden. Dasselbe gilt für Schokolade; viele Minderjährige sind weltweit auf Kakaoplantagen beschäftigt, um die wertvollen Bohnen zu pflücken.

Um sicherzustellen, dass man als Luxemburger Verbraucher keine von Kindern hergestellten Produkte kauft, gilt es, auf Labels wie „Fairtrade“ zu achten, so Unicef-Experte Paul Heber. „Diese Labels werden durch unabhängige Organismen vergeben.“ Dennoch besteht keine hundertprozentige Garantie: „Verbraucher müssen sich bei den jeweiligen Unternehmen informieren.“ Besonders gilt es auf die Firmenpolitik zum Thema soziale Verantwortung (CSR – vom Englischen „Corporate Social Responsability“) zu achten; dort wird festgelegt, inwiefern ein Unternehmen Nachhaltigkeitskonzepte in ihrem Handeln umsetzt.

Luis, Jugendbotschafter bei Unicef Luxemburg.
Luis, Jugendbotschafter bei Unicef Luxemburg.
Foto: Unicef Luxemburg

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