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25 Jahre Amazon: Bezos' Werk und Luxemburgs Beitrag
Wirtschaft 3 1 5 Min. 05.07.2019

25 Jahre Amazon: Bezos' Werk und Luxemburgs Beitrag

Die Amazon-Büros im Hauptstadtviertel Clausen. Seit 2005 steuert der Internetkonzern sein Europageschäft von Luxemburg aus.

25 Jahre Amazon: Bezos' Werk und Luxemburgs Beitrag

Die Amazon-Büros im Hauptstadtviertel Clausen. Seit 2005 steuert der Internetkonzern sein Europageschäft von Luxemburg aus.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 3 1 5 Min. 05.07.2019

25 Jahre Amazon: Bezos' Werk und Luxemburgs Beitrag

Die Geschichte des Online-Händlers begann vor 25 Jahren in einer Garage in Seattle. Heute ist Amazon einer der wertvollsten Konzerne der Welt – auch in Luxemburg wurde ein Kapitel der Erfolgsstory geschrieben.

(jt/dpa) - Mit 30 Jahren hat Jeff Bezos bereits eine steile Karriere an der Wall Street gemacht, aber das reicht ihm nicht. Bezos ist fasziniert vom Internet und er hat eine große Vision. Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau MacKenzie trifft er eine gewagte Entscheidung und tauscht sein Büro in einem New Yorker Wolkenkratzer gegen eine Garage in Seattle. Hier beginnt die Geschichte von Amazon, dem größten Online-Händler der Welt.  

„Unsere Vision ist es, das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein, wo Menschen alles finden können, was sie im Internet kaufen wollen“, lautet Bezos' Leitbild für Amazon. Davon ist er anfangs aber noch weit entfernt: Am 5. Juli 1994 gründen Jeff und MacKenzie Bezos einen Online-Buchhandel. Das Unternehmen heißt zunächst Cadabra, wird jedoch rasch in Amazon umbenannt – laut der Bezos-Biografie von 2013 klang Cadabra zu sehr nach Kadaver

Jeff Bezos spricht über die erste Bestellung bei Amazon:

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Nach rund einem Jahr Anlaufzeit wurde am 16. Juli 1995 das erste Buch an einen externen Kunden verkauft, ein mehr als 500 Seiten dicker Wälzer über das Denken. Heute ist ein Exemplar davon am Eingang des Amazon-Hauptgebäudes in Seattle ausgestellt. Was mit Büchern begann, entwickelte sich über die Jahre zum größten Internetkaufhaus der Welt. Heute ist Amazon noch viel mehr als das (siehe Kasten unten).   

An der Börse hatte der rasant expandierende Bezos-Konzern wegen chronisch roter Zahlen indes lange Zeit einen schweren Stand. Doch seit Bezos zuverlässig Gewinne liefert, ist er zum Liebling der Wall Street geworden. Im September gelang es Amazon als zweite Aktiengesellschaft nach Apple, zeitweise die magische Marke von einer Billion Dollar beim Börsenwert zu knacken.   

Amazon-Gründer Jeff Bezos gilt als reichster Mensch der Welt.
Amazon-Gründer Jeff Bezos gilt als reichster Mensch der Welt.
Foto: Michael Reynolds/EPA FILE/dpa

Für Amazon-Gründer Bezos zahlt sich der Ansturm der Anleger auf sein Unternehmen auch persönlich aus, da er der größte Aktionär ist. Seit Jahren dominiert der 55-Jährige deshalb die Reichenlisten. Dem „Bloomberg Billionaires Index“ zufolge beträgt sein Vermögen derzeit rund 120 Milliarden Dollar. Damit blieb er trotz einer teuren Scheidung von MacKenzie, durch die diese Aktien im Wert von aktuell knapp 40 Milliarden Dollar erhielt, der reichste Mensch der Welt.  

Amazon und Luxemburg 

Die Luxemburger Geschäftswelt betritt Amazon erstmals im Jahr 2003. Die „Amazon Services Europe S.a.r.l.“ lässt sich damals in einem Büro auf dem Boulevard Royal in der Hauptstadt nieder. Den weltweiten E-Commerce-Markt hatte das Unternehmen aus Seattle zu diesem Zeitpunkt schon fest im Griff. Konsumenten in Europa nutzten den Online-Shop anfangs vor allem für den Kauf von Büchern, Videofilmen und Musik-CDs. Heute haben Kunden Zugriff auf mehr als 100 Millionen Produkte aus 35 Kategorien. 

Von der Präsenz der Amerikaner in Luxemburg bekam die Öffentlichkeit, bis auf einen diskreten Briefkasten auf dem Boulevard Royal und später in der Rue Plaetis, kaum etwas mit. Gerade einmal zwei Beschäftigte zählte die erste luxemburgische Amazon-Filiale im ersten Jahr ihres Bestehens. Für die damalige CSV-LSAP-Koalition unter Führung von Jean-Claude Juncker war die Ankunft des Schwergewichts aus den USA ein „verspätetes Weihnachtsgeschenk“, wie das „Luxemburger Wort“ Ende Dezember 2004 schrieb. Im Regierungsviertel liefen die Amazon-Manager offene Türen ein: Premier Juncker höchstpersönlich traf sich im September 2003 mit vier Verantwortlichen, die damals bei Amazon für Steuerfragen zuständig waren.  

Gut versteckt: Der frühere Amazon-Geschäftssitz in der Rue Plaetis in Luxemburg-Grund. Das US-Unternehmen hat seine Präsenz in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Die Zentrale liegt heute in der Avenue Kennedy.
Gut versteckt: Der frühere Amazon-Geschäftssitz in der Rue Plaetis in Luxemburg-Grund. Das US-Unternehmen hat seine Präsenz in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Die Zentrale liegt heute in der Avenue Kennedy.
Foto: Anouk Antony

Die Manager dürften nicht nur von der malerischen Festungsstadt angetan gewesen sein: Weil das Land beim elektronischen Handel mit 15 Prozent den niedrigsten Mehrwertsteuersatz in der EU anwendete, wurden in diesen Jahren neben Amazon auch andere Branchenschwergewichte wie iTunes oder Ebay in Luxemburg sesshaft. Amazon zieht in der Folge sein gesamtes Europa-Geschäft unter dem Bockfelsen zusammen und holt zahlreiche Fachkräfte ins Land. 2012 erfolgt die Eröffnung der neuen Büros in Clausen. Drei Jahre später lässt der „TVA-Geldregen“ allerdings nach Inkrafttreten von EU-Vorschriften sukzessive nach – dem Fiskus entgehen dadurch Milliardeneinnahmen. 


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Die Deals mit Großkonzernen sollten Luxemburg und dem späteren EU-Kommissionschef Juncker später noch einholen. Im Zuge des „Luxleaks“-Skandals wurden die heimischen Steuerpraktiken vor aller Welt offengelegt. 2017 kam die EU-Kommission zu dem Schluss, dass das Großherzogtum Amazon illegale Steuervergünstigungen in Höhe von rund 250 Millionen Euro gewährt hatte. Luxemburg wies den Vorwurf einer steuerlichen Sonderbehandlung für Amazon zurück und legte Anfang 2018 Einspruch gegen die Entscheidung aus Brüssel ein. Wann die Klage Luxemburgs vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt wird, ist noch ungewiss. Solche Verfahren dauern in der Regel drei Jahre. 

Die Viertelmilliarde Euro, die Amazon zurückzahlen müsste, liegt derweil auf Eis. Das steuerliche Umfeld mag sich geändert haben – Amazon setzt trotzdem weiter auf das Großherzogtum. Man sei nicht nur wegen der Steuern hier, bekräftigte schon 2012 der Amazon-Manager Greg Greeley. Auch Infrastruktur, die zentrale Lage sowie die Internationalität seien vorteilhaft. Heute zählt die amerikanische Internetfirma mit 2.300 Mitarbeitern zu den 15 größten Arbeitgebern des Landes.