Frankfurter Buchmesse
13.10.2008 08:41 Uhr

Von Gorbatschow bis Günter Grass

7 000 Verleger und Aussteller präsentieren ab Mittwoch 390 000 Titel auf der Frankfurter Buchmesse



Foto: AP
Die 60. Frankfurter Buchmesse wird erneut eine literarische Weltreise in fünf Tagen bieten.

Von Rainer Holbe

Am Mittwoch startet mit der 60. Frankfurter Buchmesse wie in jedem Jahr eine literarische Weltreise in fünf Tagen. Verleger, Autoren, Kritiker und nicht zuletzt auch die Leser kommen aus fast allen Ländern der Erde zur größten Büchershow der Welt. Autoren mit Kultstatus wie Paulo Coelho und die Nobelpreisträger Günter Grass und Orhan Pamuk werden ebenso dabei sein wie der türkische Staatspräsident Abdullah Gül und sein deutscher Kollege Horst Köhler. Die Türkei präsentiert sich als Gastland „faszinierend farbig“ als eine Nation mit schriftstellerischen Traditionen.

Wie stets zu Beginn der Büchershow stehen monumentale Zahlen: 300 000 Besucher werden erwartet, dazu gehören die 7 000 Aussteller aus 101 Ländern. 390 000 Titel warten auf ihre Leser, wovon allenfalls 42 Prozent davon in der gewohnten Buchausgabe vorliegen. Die Buchmesse hat sich zu einem Medienschauplatz verwandelt: E-Books, DVDs und Hörbücher konkurrieren längst mit ihren Vettern aus Papier und Druckerschwärze.

Nebenbei wird Frankfurt auch zum größten Lizenzhandelsplatz der Welt. Übersetzer treffen sich mit Agenten, gefeilscht wird über Hörbücher, Datenbanken, Software, Grafiken und antiquarische Raritäten. Comics und Zeitschriften haben ebenfalls ihren eigenen Bereich und im Forum Film & TV wird mit Drehbüchern gehandelt. Micky Maus feiert in den Messehallen ihren 80. Geburtstag.

Sachbücher des Herbstes sind in Form von Biografien zeitgenössischer Politiker

Etwa 2 700 Veranstaltungen auf dem Gelände machen die Büchershow zum Panoptikum: Prominente TV-Moderatoren plaudern mit Stars wie Michail Gorbatschow ebenso wie mit den Schauspielern Mario Adorf, Katja Riemann und Andrea Sawatzki. Amerikanische Thriller-Autoren wie Karin Slaughter präsentieren sich neben dem libanesischen Autor Amin Maalout und dem russischen Krimi-Star Polina Daschkowa. Bestseller-Lieferanten wie Sven Regner, Ingrid Noll und Peter Härtling werden aus ihren Werken lesen.

Viele Sachbücher des Herbstes sind als Biografien zeitgenössischen Politikern gewidmet wie Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier und Barack Obama. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt – der im Dezember 90 Jahre alt wird – ist mit zwei Titeln bereits auf der Bestsellerliste vertreten.

„Das Spiel des Engels“

Zeitlich nicht bis zur Buchmesse geschafft hat es der Roman „Das Spiel des Engels“ von Carlos Ruiz Zafón, den Experten bereits zum literarischen Höhepunkt des Winters gekürt haben. Vom S. Fischer Verlag handverlesene nummerierte Leseexemplare für Kritiker und Buchhändler mit der Signatur des Autors werden in entsprechenden Foren bereits zu Fantasiepreisen gehandelt. Nach seinem Weltbestseller „Der Schatten des Windes“ entführt Zafón seine Leser erneut in ein Labyrinth voller fantastischer Geheimnisse. Schauplatz ist wieder das gotische, unheimliche Barcelona. Das Buch soll am 10. November erscheinen. In Spanien führt es bereits die Bestsellerlisten an.

Die Frankfurter Buchmesse kann nicht nur auf eine 60-jährige Tradition zurückblicken, sondern bereits auf eine über 500-jährige Geschichte. Die erste „Messe für Bücher“ in Frankfurt am Main fand bereits 1370 statt. Bis ins späte 17. Jahrhundert galt die Freie Reichsstadt als die Buchmesse-Stadt in Europa. Erst 200 Jahre später, 1949, gelang es zwei Frankfurter Buchhändlern, die Tradition wiederzubeleben. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht abzusehen.

Info: Fachbesucher haben vom 15. bis 19. Oktober Zugang; für Privatbesucher ist die Buchmesse am 18. und 19. Oktober von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet. Es findet kein Buchverkauf statt. Eintrittskarten und Veranstaltungskalender sind im Internet erhältlich.