(FeMo) - Er lebt in Mondorf, er ist Vorsitzender des Escher Fußballvereins Fola, er hat in den vergangenen Jahren dem Vernehmen nach sehr viel Geld gemacht, er war zwischendurch an der Übernahme des Autoherstellers Saab interessiert, er besitzt seit Ende vergangenen Jahres einen Formel-1-Rennstall - und er macht sich rar.
Wenn am kommenden Sonntag in Bahrain die neue Formel-1-Saison beginnt, wird die halbe Welt auf den Formel-1-Rückkehrer Michael Schumacher blicken. Luxemburger Motorsportfans jedoch werden auch Gérard Lopez im Auge haben. Zum ersten Mal spielt in der Formel 1 schließlich ein Luxemburger ganz oben mit.
Der bekennende Autosport-Fan Lopez landete im vergangenen Dezember nicht seinen größten, auf jeden Fall aber seinen spektakulärsten Coup. Er rettete mit seiner Investment-Firma Genii Capital den Formel-1-Rennstall von Renault vor dem Untergang und katapultierte sich selbst gleichzeitig in die Schlagzeilen.
Danach jedoch wurde es schnell wieder ruhig um Lopez. Er bleibt vornehm im Hintergrund und er gibt kaum Interviews. Die Aufregung um die zusammen mit Bernie Ecclestone beabsichtigte Übernahme von Saab legte sich rasch und selbst die Teilnahme von Lopez im Januar an den 24 Stunden von Dubai (gemeinsam mit Eric Lux saß er am Steuer eines Mosler MT 900 GT3) blieb weitgehend unbeachtet.
In den vergangenen Wochen ließ Gérard Lopez allerdings durchblicken, dass es ihm – dem Autosport-Verliebten - nicht nur um das Wohlergehen des Formel-1-Zirkus und der Formel-1-Hauptdarsteller geht. Der Luxemburger wird die Formel 1 in erster Linie dazu benutzen, um neue Business-Modelle anzukurbeln und Geld zu verdienen.
Seit drei Jahren betreibt Lopez die Firma Nimbuzz; sie wurde für mobile Endgeräte aufgebaut und hat weltweit rund 15 Millionen Kunden. In einem Gespräch mit motorsport.com schilderte Lopez, wie er sich die Hochzeit von Formel 1 und Business vorstellt: "Wir bringen die Firma und einen Hersteller von Mobiltelefonen in der Formel 1 zusammen. (...) Durch diese Deals werden wird Geld verdienen - hoffentlich viel davon."
Vom Geldverdienen hat der Luxemburger viel Ahnung. Mit Skype zum Beispiel machte er ein ganz großes Geschäft. Mit dem Internet-Telefondienstleister wird der Name Lopez verbunden bleiben. In Luxemburg hat Gérard Lopez nicht nur die Investmentfirma Genii, sondern auch Gesellschaften wie Mangrove Capital Partners und Gravity.
Es bestehen enge Verbindungen zum Motorsport und in allen Gesellschaften tauchen wohl klingende Namen aus der Luxemburger Wirtschaft auf. An der Rennstrecke im belgischen Spa-Francorchamps beispielsweise entsteht zurzeit ein Hotel, das von dem Luxemburger Geschäftsmann Flavio Becca mitfinanziert wird. Becca wiederum sitzt zusammen mit Gérard Lopez im Verwaltungsrat der im März 2008 gegründeten Gravity Sport Management SA.
Verbindungen und Netzwerke sind wichtig. Gérard Lopez verfügt über sie. In der Formel 1 besitzt er einen besonders guten Draht zu Bernie Ecclestone, dem Mister Formel 1 schlechthin. Wenige Tage vor dem Beginn der neuen Saison steht für viele Beobachter und Insider fest, dass Gérard Lopez mit der Verpflichtung des Russen Vitaly Petrov als Fahrer für seinen neuen Rennstall auch und vor allem Ecclestone einen großen Gefallen getan hat: Endlich könnte die Formel 1 in dem Riesenland Fuß fassen – und noch mehr Geld umsetzen.