(jg) - Die erste Etappe des Rennens Paris -Nice zwischen St-Arnoult-en-Yvelines hatte es am Montag in sich. Wer sich auf einen ruhigen Verlauf eingestellt und im Zielort auf einen Massensprint spekuliert hatte, sah sich getäuscht. Die letzten 20 km waren nämlich reich an interessanten Renn-Fakten.
17 Profis konnten sich auf dem letzten Kilometer noch realistische Hoffnungen auf den Tagessieg machen. Letztendlich hatte der Neuseeländer Greg Henderson (Team Sky) die Nase vorne. Ganz knapp sprintete der 33-Jährige noch am Slowenen Grega Bole (Lampre) vorbei und durfte die rechte Faust als Zeichen des Triumphes in den Himmel ragen. Hinter Bola fuhren Jérémy Galland (F/Saur-Sojasun), Alexandr Kolobnev (RUS/Katusha) und Alejandro Valverde (E/Caisse d'Epargne) zeitgleich auf die weiteren Plätze.
Es waren die Teamkollegen des sichtlich angriffslustigen Valverde, welche die rennentscheidende Phase mit Hilfe des starken Windes 16 km vor dem Ziel lancierten: Eine hochkarätig besetzte Gruppe bildete sich, als das spanische ProTour-Team das Tempo verschärfte. Luis-Leon Sanchez, Vicente Garcia-Acosta, Ivan Gutierrez, Valverde (alle E/Caisse d'Epargne), Tony Martin (D/Columbia-HTC), Roman Kreuziger (CZE/Liquigas), Lars Boom (NL/Rabobank), Nicolas Roche (IRL/Ag2r-La Mondiale), David Millar (GB/Garmin-Transitions), Bole, Serguei Ivanov (RUS/Katusha), Kolobnev, Henderson, Marco Marcato (I/Vacansoleil), Jérémy Galland, Cyril Lemoine (beide F/Saur-Sojasun) und Jens Voigt (D/Saxo Bank) fanden sich vorne zusammen und sollten bis ins Ziel nicht mehr vom Peloton gestellt werden. Einen Vorsprung von 17" retteten sie über den Zielstrich.
Zu den geschlagenen Profis zählten auch die beiden Luxemburger Fränk Schleck und Laurent Didier (beide Saxo Bank). Vor allem für den 29-jährigen Mondorfer schmerzt der eingehandelte Rückstand. Denn bereits beim Prolog am Sonntag fing er sich 48" ein, gestern kamen demnach auf Valverde, Kreuziger, L.-L. Sanchez und Co. weitere 17" hinzu. Nach zwei Tagen liegt F. Schleck nun 1'07" hinter dem Prolog-Sieger Lars Boom (NL/Rabobank) zurück. Vor allem drohen sich auch die Verhältnisse im dänischen ProTour-Team Saxo Bank nun zu verschieben. Denn Voigt liegt in der Gesamtwertung auf Position zwei und untermauerte auch gestern erneut seine aktuell hervorragende Verfassung. Muss F. Schleck also nun in die Rolle des Edelhelfers schlüpfen?
Noch ist es hierfür zu früh. Erst am Donnerstag in Mende mit der Ankunft oberhalb der „Montée Laurent Jalabert“ wird man wohl Klarheit über die definitive Rollen-Verteilung erhalten. Zu den geschlagenen Mitfavoriten auf den Gesamtsieg des „Rennens zur Sonne“ zählten gestern u. a. auch Alberto Contador (E/Astana), Levi Leipheimer (USA/RadioShack) und Samuel Sanchez (E/Euskaltel). Leipheimer und Sanchez wurden ebenso in einen Sturz verwickelt, wie auch der im entscheidenden Moment unaufmerksame zweifache TdF-Sieger.
Dabei hatte Contador noch Glück im Unglück. Rund 3 km vor dem Ziel musste er, zusammen mit Heinrich Haussler (D/Cervélo), zu Boden, konnte den Anschluss zum Peloton aber wieder herstellen. Boom baute seine Spitzenposition dank zweier erkämpfter Bonifikationssekunden aus. Voigt folgt mit einem Rückstand von 5" als Zweiter, Millar rückte auf Rang drei nach vorne (13"). F. Schleck ist nun 63. (auf 1'07") und Didier folgt auf Rang 105 (1'32"). Das zweite Teilstück führt das Peloton heute von Contres nach Limoges (201 km).