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Deutsche Fußballnationalmannschaft
05.02.2010 17:28 Uhr

Nach Eklat: Löw trifft Zwanziger in Polen

Gescheiterte Vertragsverlängerung belastet Atmosphäre


Ergebnislos
Foto: dpa
Der deutsche Bundestrainer Löw wird in Polen an der Auslosung für die EM-Qualifikation teilnehmen.

(dpa) - Der Präsident genoss den "Enkel-Tag", der deutsche Bundestrainer fühlte sich am Nerv getroffen - doch ab sofort müssen Theo Zwanziger und Joachim Löw wieder an gemeinsame Ziele denken.

Nach den deutlich wie noch nie zutage getretenen Diskrepanzen rund um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft scheint eine schnelle Annäherung allerdings fast ausgeschlossen. "Aktuell ist sicher die Atmosphäre ein Stück belastet", räumte selbst DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach ein und forderte alle Beteiligten zu Professionalität und Loyalität auf. "Es sind alle aufgerufen, mit der Situation jetzt souverän umzugehen", erklärte der starke Mann aus der Verbandszentrale. Die DFB-Spitze weiß natürlich um die Riesen-Gefahr, die aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Trainer- und Funktionärs-Lager in Richtung WM in Südafrika erwachsen könnte.

Gestörtes Innenleben

Der Poker um die neuen Verträge für Löw, dessen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Oliver Bierhoff hat eine Menge verbrannte Erde hinterlassen. Als Gewinner darf sich niemand sehen - im Gegenteil. Die gescheiterten internen Verhandlungen offenbaren ein gestörtes Innenleben.

Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes fühlte sich nach dem von Chef Zwanziger bereits verkündeten "Handschlag-Vertrag" mit Löw von Verhandlungsführer Bierhoff überrumpelt. Die sportliche Leitung ist vier Monate vor dem ersten WM-Spiel beschädigt worden, auch weil Verhandlungs-Inhalte in die Öffentlichkeit gelangten. Und Löw muss das ohnehin äußerst schwierige Unternehmen "Titelgewinn 2010" in Südafrika ohne Garantie auf Weiterbeschäftigung angehen. "Wir werden das für uns jetzt in der Arbeit ausblenden", versprach Bierhoff dennoch.

Schon in Warschau, wo 51 Länder in neun Gruppen für die Qualifikation zur EM 2012 gelost werden, steht dieses Versprechen erstmals auf dem Prüfstand. Der kompromisslose Präsident Zwanziger, der sich am 5. Februar einen freien Tag mit seinen Enkeln gönnte, reist wie Löw, Bierhoff und Niersbach am folgenden Tag zur Auslosung der nächsten EM-Qualifikation in die polnische Hauptstadt.

Dass die Differenzen, die offenbar weiter reichen als in normalen Vertrags-Gesprächen, dort ohne atmosphärische Wirkungen bleiben, ist kaum anzunehmen. "Aber wir sind total überzeugt, dass Richtung WM alles professionell und loyal abläuft. Dazu kenne ich die handelnden Personen zu gut. Ich schätze sie fachlich und menschlich sehr", bemerkte Niersbach, der noch immer bedauert, "dass wir nicht zu klaren Verhältnissen vor der WM gekommen sind."

Klinsmann entschied sich für das persönliche Aus

Allerdings verwies der Generalsekretär auch auf ganz unterschiedliche Vertrags-Verhältnisse schon in der Vergangenheit, die bei Turnieren zu genauso unterschiedlichen Reaktionen der ehemaligen Bundestrainer geführt hatten. So trat Rudi Völler bei der EURO 2004 in Portugal nach der katastrophalen Vorrunde und dem Aus gegen Tschechien zurück, obwohl er einen Kontrakt bis 2006 besessen und auch bei den Fans noch einen Rückhalt hatte. Das Gegenbeispiel war Klinsmann, der seine Mission beim "Sommermärchen" 2006 ohne Anschluss-Vertrag angegangen war, sich aber trotz einer tollen WM und eines respektablen dritten Platzes für das persönliche Aus entschied.

Auch Klinsmanns Verhältnis zur DFB-Spitze war damals im WM-Vorfeld enorm gestört; die praktisch auf dem Präsentierteller geführten Verhandlungen mit Löw und das schroffe Ende durch den DFB haben jetzt aber noch eine neue Qualität. Niersbach verteidigte nochmals die harte Linie: "Entscheidend war aus meiner Sicht, dass wir von einer unkomplizierten Verlängerung schon gut ausformulierter Verträge ausgegangen sind, stattdessen aber Entwürfe mit bisher nicht gekannten Elementen vorgelegt wurden."

Die sportliche Führung dagegen fühlte sich von einem kurzfristigen Gegenangebot zu sehr unter Druck gesetzt. So kommt es jetzt am 7. Februar im altehrwürdigen Kulturpalast in Warschau zu der pikanten Situation, dass sich Löw und Bierhoff nach der Auslosung zu EM-Qualifikationsgegnern äußern sollen, die sie selbst ab September gar nicht mehr als Verantwortliche erleben könnten. Doch auch hier setzt Niersbach auf Normalität: "Wir werden dann unsere Gruppen-Gegner schnell nach Frankfurt einladen. Das läuft natürlich alles mit dem Manager und dem Bundestrainer. Niemand käme auf die Idee zu sagen, sie haben für diese Zeit dann gar keinen Vertrag mehr. Ganz klar: Auch die Planung über die WM 2010 hinaus bleibt ihr Job."

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