wort.lu | Sport | „Besser sein als die Konkurrenz“
 
Radprofi Kim Kirchen
26.01.2010 08:13 Uhr

„Besser sein als die Konkurrenz“

Teilnahme am WM-Einzelzeitfahren ins Auge gefasst



Foto: Tim De Waele
Neues Team, neues Fahrrad, neue Motivation: Kim Kirchen kann es kaum erwarten, in die neue Saison zu starten.



Foto: Tim De Waele
Formaufbau an der spanischen Mittelmeerküste: Kim Kirchen (l.) mit seinen Katusha-Teamkollegen.

(jg) - Die aus Kim Kirchens Sicht verkorkste Radsport-Saison 2009 ist definitiv abgehakt. Der 31-Jährige hat den Blick nach vorne gerichtet. 2010 ist er bereit, erneut voll anzugreifen: Ein neues Team und ein neues Umfeld haben bereits jetzt – der erste Saisonstart (Mallorca-Challenge ab dem 7. Februar) steht erst noch aus – für einen riesigen Motivationsschub beim aktuellen Luxemburger Zeitfahrmeister gesorgt.

Am Rande der Generalversammlung seines Fanclubs am vergangenen Samstag machte Kirchen einige Geständnisse. „Ich brenne förmlich auf die neue Saison und kann es kaum erwarten, endlich die ersten Rennen zu absolvieren. In den kommenden Monaten will ich es meinen Kritikern beweisen“, so seine unmissverständliche Kampfansage. Das Kapitel Columbia-HTC ist für den Luxemburger abgeschlossen. Beim russischen ProTour-Team Katusha hat Kirchen Unterschlupf gefunden.

„Es war ganz einfach Zeit für einen Tapetenwechsel. Ich fühlte mich nicht mehr hundertprozentig wohl bei meinem alten Arbeitgeber und habe nach Alternativen Ausschau gehalten. Unter mehreren Kandidaten bot mir Katusha die besten Möglichkeiten. Die sportlichen Perspektiven sind ausgezeichnet. Auch die finanzielle Absicherung spielte eine entscheidende Rolle“, so Kirchen.

„Ich passe optimal ins Team“

Ein Teamtreffen am Gardasee sowie zwei Trainingslager im spanische Calpe hat Kirchen nun bereits mit seiner neuen Truppe absolviert. Mit einem vielsagenden Funkeln in den Augen berichtet der Flèche-Wallonne-Gewinner von 2008 von der Atmosphäre in der Mannschaft: „Ich fühle mich rundum wohl. In dieses Team passe ich optimal hinein. Die Mentalität erinnert an meine frühere Zeit bei Fassa Bortolo. Die Fahrer sind bereits zu einer echten Einheit zusammengewachsen.

Mit solch einer Stimmung und dem richtigen Umfeld sollten positive Resultate eigentlich nur eine Frage der Zeit sein.“ Der Konkurrenzkampf bei Katusha ist zweifelsohne groß. Vor allem die Klassiker-Fraktion mit Alexandr Kolobnev, Filippo Pozzato, Joaquin Rodriguez und Serguei Ivanov macht einen bärenstarken Eindruck. „Ich gehe mit hohen Ambitionen ins neue Jahr. Zunächst einmal muss ich mich als Neuling im Team behaupten und mir meinen Platz erkämpfen. Ich muss jedem zeigen, dass man auf mich setzen und mir vertrauen kann.

Ich will ganz einfach besser sein als die Konkurrenz.“ Zu einer klaren Aussage, was die Saisonziele angeht, wollte er sich aber nicht hinreißen lassen: „Ich gehe bei sämtlichen Rennen an den Start, um zu gewinnen. Mein Rennprogramm gefällt mir sehr gut. Vor allem die Tatsache, dass ich im Frühling, im Vergleich zu den vergangenen Jahren, erneut einige Eintagesrennen in Belgien bestreiten werde, lässt mein Herz bereits jetzt höher schlagen. Ich liebe diese Halbklassiker. Die Renncharakteristik, die Atmosphäre, das Wetter.

Die Bedingungen kommen mir entgegen und ich bin überzeugt davon, hier brillieren zu können. Diese Rennen erinnern mich an meine Anfangsjahre an der Seite von Michele Bartoli. Und es ist kein Geheimnis, dass der Italiener stets ein Vorbild für mich war“, gab Kirchen zu verstehen.

„Ich weiß, wozu ich fähig bin“

„Die Ardennen-Klassiker stehen natürlich auch ganz oben auf meiner Wunschliste, doch ich denke, man sollte sich nicht zu sehr auf diese drei Rennen fokussieren. Auch deshalb werde ich bereits vorher bei den Einsätzen in Belgien versuchen, mich zu profilieren. Tour de France und WM in Melbourne (AUS) sind selbstverständlich auch Highlights des Jahres. Die Frankreich-Rundfahrt kommt mir aufgrund des Parcours nicht entgegen. Es wird kein langes Einzelzeitfahren geben und auch Bonifikationen vermisse ich schmerzlich.

Stattdessen stehen viele Anstiege im Hochgebirge auf dem Programm. Demnach werden die Kletterer klar bevorzugt. Dennoch glaube ich, dass ein Platz unter den Top fünf realistisch ist. Ich weiß, wozu ich fähig bin. Was die Welttitelkämpfe angeht, so ziehe ich einen Start im Einzelzeitfahren in Erwägung. Ich denke, ich kann hier für positive Schlagzeilen sorgen“, wagt der Katusha-Profi einen Blick nach vorne. Auf die SkodaTour de Luxembourg angesprochen, erklärte er: „Ich denke schon dass ich starten werde. Das Team war ja bereits 2009 vor Ort und ich möchte mich natürlich liebend gerne vor meinen eigenen Fans zeigen.“

Körperlich in guter Verfassung präsentierte sich Kirchen, der am Donnerstag vom Lehrgang an der spanischen Mittelmeerküste zurückgekehrt ist, am Samstag in Niederanven. „Das Trainingslager war kraftraubend. Wir haben ungemein viele Kilometer abgespult und ich befinde mich in guter Verfassung Mit meinem neuen Fahrrad komme ich bestens zurecht. Ich kann mich eigentlich über nichts beklagen. Die Saison kann beginnen“, so der 31-Jährige abschließend. Doch bevor in Mallorca zum ersten Mal das Katusha-Trikot bei einem Rennen übergestreift wird, steht am kommenden Samstag zunächst noch die offizielle Team-Präsentation in Italien auf dem Programm.

Ihre Meinung zum Thema

( 0 )