(jg) - Alles hat ein Ende, auch die Radsport-Saison. Traditionell bildet der Giro di Lombardia den Abschluss eines jeden Jahres. Kim Kirchen, der einzige Luxemburger Teilnehmer am letzten großen Klassiker, bestreitet am heutigen Samstag sein letztes Rennen für seinen Noch-Arbeitgeber Columbia-HTC und hofft, dass es zu einem krönenden Abschied kommt.
242 anspruchsvolle Kilometer müssen die Profis aus insgesamt 24 Teams heute von Varese nach Como bei der 103. Ausgabe eines der ältesten Eintagesrennen der Welt absolvieren. Auf dem Kurs durch Norditalien werden die Luxemburger Radsportfans an den Fernsehbildschirmen (Eurosport überträgt ab 15.30 Uhr) das Abschneiden des 31-jährigen Luxemburger Zeitfahr-Meisters ganz genau verfolgen.
Und dass sie das gelb-weiß-grüne Trikot mit der Startnummer 182 in der rennentscheidenden Phase ganz vorne erblicken werden, ist alles andere als unrealistisch. Seit der WM vor drei Wochen befindet sich Kirchen nämlich in einer ansprechenden Form. Bei seinen letzten Renneinsätzen konnte er durchaus überzeugen. Am Sonntag fuhr er so beim GP Beghelli als 16. ins Ziel, vorgestern fehlte ihm beim Giro del Piemonte auf den letzten Hektometern die nötige Spritzigkeit, um den Angriff von Philippe Gilbet (B/Silence-Lotto) zu kontern. Letztendlich sprang der 26. Platz heraus, nur 4" hinter dem belgischen Triumphator.
Mit einer Extraportion Motivation will Kirchen heute brillieren: „Ich möchte mich mit einem guten Resultat bei meiner Mannschaft verabschieden. Ich habe die Zeit hier genossen und viele Freunde gefunden. Nun ist es allerdings an der Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen. Ich denke, Katusha war die richtige Wahl und ich freue mich auf die neuen Aufgaben und das neue Umfeld. Es ist fast so etwas wie ein Neuanfang.“ Offiziell wird Kirchen ab dem 1. Januar 2010 bei dem russischen ProTour-Team unter Vertrag sein.
Der Start bei dem Klassiker, die Lombardei-Rundfahrt zählt zu den fünf sogenannten Radsport-Monumenten, erfolgt traditionell in Varese. Der Kurs führt im Uhrzeigersinn rund um den Lago di Como. Erste Schwierigkeit wird der 779 m hohe Intelvi (km 56) sein. Auch der Colle di Balisio (723 m/km 156) und der Anstieg zur Madonna del Ghisallo (km 198) mit einer 14-prozentigen Steigung stellen das Fahrerfeld vor große Herausforderungen. Die Entscheidung fällt aber traditionell erst am Civigoio (615 m/km 226) und dem finalen Anstieg in San Fremo della Battaglia (3 km lang, durchschnittlich 6,5 Prozent steil), nur sechs Kilometer vor dem Ziel.
Die Liste der Sieganwärter wird von zwei Namen dominiert: Damiano Cunego (I/Lampre) und Philippe Gilbert (B/Silence-Lotto). Der Italiener reist als Titelverteidiger und dreifacher Sieger (2004, 2007, 2008) an den Comer See und Gilbert belegte zuletzt mit drei Siegen binnen einer Woche (Coppa Sabatini, Paris-Tours, Giro del Piemonte), dass er aktuell nur schwer zu bezwingen ist. Auch Samuel Sanchez (E/Euskaltel), Giovanni Visconti (I/ISD), Ivan Basso (I/Liquigas), Robert Gesink (NL/Rabobank), Cadel Evans (AUS/Silence-Lotto), Filippo Pozzato (I/Katusha), Alexandr Kolobnev (RUS/Saxo Bank), Alexandre Vinokourov (KAZ/Astana), Alessandro Ballan (I/Lampre) und Joaquin Rodriguez (E/Caisse d'Epargne) rechnen sich heute etwas aus.
Die beiden Schleck-Brüder sind nicht am Start, da sie ihre Saison bekanntlich vorzeitig beendeten. F. Schleck unterzog sich vor fünf Wochen einer Operation am linken Knie. Hundertprozentig ausgeheilt ist das Gelenk nach dem chirurgischen Eingriff zwar noch nicht, doch der Genesungsprozess verläuft optimal. „Ich vespüre keine Schmerzen mehr, kann mich ganz normal bewegen und ich fange nun langsam, aber sicher wieder an, erste Einheiten auf dem Fahrrad abzuspulen“, weiß der Mondorfer zu berichten. Sein jünger Bruder Andy dagegen war nach den Welttitelkämpfen in Mendrisio (CH) mit seinen Kräften am Ende und erholt sich aktuell von den vielen Renneinsätzen.