(dpa). - Alberto Contador war bei seinem zweiten Toursieg so sattelfest wie Lance Armstrong in seinen besten Zeiten und Mark Cavendish als sechsfacher Etappensieger unantastbar: Die 96. Tour de France, die am Sonntag nach 3549,5 Kilometern und - bis jetzt - dopingfrei zu Ende ging, hatte in dem Spanier, dem zweitplatzierten Andy Schleck und dem Briten die großen Protagonisten.
Gegen den überragenden Contador zog Andy Schleck trotz überragender Leistungen schlussendlich den Kürzeren. Schleck, bester Jungprofi, war mit 4:11 Minuten Rückstand der Kronprinz des nicht unumstrittenen Matadoren aus Pinto bei Madrid, der die Serie der spanischen Toursiege seit 2006 fortsetzte.
Auch der 37-jährige Armstrong konnte vier Jahre nach seinem letzten Triumphzug auf den Champs Elysées nicht mehr an alte Klasse anknüpfen und musste sich mit Platz drei 5:24 Minuten hinter Contador zufriedengeben. "Alberto war der Stärkste", zollte der texanische Radprofi seinem Astana-Teamkollegen Respekt, der weiter die Doping-Verdächtigungen von 2006 mit sich herumschleppt. "Als alter Sack hierherzukommen und das Podium zu erreichen, ist nicht so schlecht", umschrieb Armstrong seine eigene Leistung mit einer Prise Ironie.
Der 24 Jahre alte Mark Cavendish, der bei seiner dritten Teilnahme Paris zum ersten Mal erreichte, schrieb sein Kapitel im Rekordbuch der Tour weiter. Noch nie schaffte ein Profi in seinem Alter zehn Etappensiege in zwei Jahren. Der belgische Sprinter Freddy Maertens stellte 1976 den Rekord von acht Etappenerfolgen in einer Tour auf.
Auf der Prestige trächtigen Final-Etappe ließ Cavendish, der dem Norweger Thor Hushovd das Grüne Trikot nicht entreißen konnte, der Konkurrenz am Sonntag beim Schaulaufen über 164 Kilometer im Ziel des 21. und letzten Abschnitts abermals keine Chance. Gerald Ciolek vom einzig verbliebenen deutschen ProTour-Team Milram, das sich meist vergeblich mühte, wurde Vierter.
Auch bisher ohne aktuellen Dopingfall war das D-Wort am Sonntag der große Aufreger. Nachdem die französische Anti-Doping-Agentur AFLD via "L'Équipe" punktgenau zum Tour-Finale Nachkontrollen von 2008 angekündigt hatte, begann das große Zittern. Nach Informationen der Sportzeitung sind 15 der 20 Erstplatzierten der vergangenen Tour betroffen - die Frankreich-Rundfahrt steht einmal mehr vor der Sinnfrage.
Fragen nach der Doping-Vergangenheit Armstrongs wurden vom Veranstalter längst nicht mehr gestellt. Seine nachträglichen Positiv-Analysen der Tour 1999 waren vor vier Jahren aus formellen Gründen ohne Sanktionen geblieben. Der 37-Jährige wurde als gern gesehener Rückkehrer begrüßt und der Fortsetzung seines Comebacks 2010 mit neuem Team sehen die Organisatoren unter ökonomischen Gesichtspunkten bereits mit Ungeduld entgegen.
Sportlich hatte er gegen den elf Jahre jüngeren Contador, der anders als bei seinem ersten Sieg 2007 inzwischen auch im Zeitfahren eine Macht ist, keine Chance. Das große Ziel seines achten Toursieges lag nie in Reichweite. Nach seiner Tour-Ehrenrunde kündigte Armstrong an: "Meine Vorbereitung für 2010 beginnt im August."