Reaktionen nach dem Einzelzeitfahren
24.07.2009 07:43 Uhr

„Der dritte Rang ist nun das Ziel“



Foto: Serge Waldbillig
Kim Kirchen (r.) peilt eher einen Etappensieg an.



Foto: Serge Waldbillig
Fränk Schleck hofft in den kommenden Tagen auf eine Verbesserung in der Gesamtwertung.



Foto: afp
Andy Schleck kann mit seiner Leistung zufrieden sein.

von Joe Geimer aus Annecy

Stehen am Sonntag zum Tour-Abschluss in der französischen Hauptstadt auf den Champy-Elyées zwei Luxemburger, genauer gesagt zwei Brüder auf dem Podium? Die Chancen dazu besitzen Fränk und Andy Schleck (beide Saxo Bank) auch nach dem kniffligen Einzeilzeitfahren am gestrigen Donnerstag weiterhin.

In der speziellen Disziplin zählen die beiden nicht zur „Crème de la crème“, dennoch schlugen sie sich gestern tapfer. Beide überzeugten auf dem 40,5 km langen Parcours und strahlten dann im Nachhinein auch bis über beide Ohren. „Dies ist ein gutes Ergebnis. Ich fühlte mich von Beginn an recht gut und war mir bewusst, dass ich ein gutes Ergebnis erzielen konnte. Ich kann weiterhin vom Podest träumen.

Ich kann es schaffen und glaube auch fest daran. Armstrong, Klöden und Wiggins liegen in Reichweite, zusammen mit der Unterstützung meines Bruders ist alles möglich. Der finale Aufstieg am Samstag zum Mont Ventoux wird sicher interessant. Wir werden alles versuchen. Das heutige Resultat verschafft mir zusätzliche Motivation. Der dritte Rang ist sicherlich nun das Ziel“, bekennt F. Schleck bereits für den morgigen Tag Farbe.

„Für uns beide war dies ein sehr guter Tag. Am Morgen war ich nervös, hatte allerdings keine Angst vor dem Kampf gegen die Uhr. Ich konnte meinen zweiten Platz in der Gesamtwertung erfolgreich verteidigen und bin also dementsprechend zufrieden. Glücklicher macht mich allerdings noch die Vorstellung meines Bruder Fränk. Er war noch viel aufgeregter als ich. Er wusste im Vorfeld, dass er Zeit auf seine direkten Verfolger verlieren würde, letztendlich hat er sich sehr gut aus der Affäre gezogen.

Der Ventoux steht ja noch aus und hier kann er den dritten Rang erneut zurückerobern. Wir sind bis in die Haarspitzen motiviert und ich denke, wir können ein ähnliches Szenario erleben wie am Mittwoch auf dem Weg nach Le Grand-Bornand. Wir werden angreifen und alles riskieren. Dabei werde ich mich voll in den Dienst meines Bruder stellen, da ich nichts zu verlieren habe. Mein Vorsprung auf die Verfolger sollte groß genug sein und vorne ist Alberto (Contador) einfach zu weit weg. Er müsste schon vollkommen einbrechen und daran glaube ich eher nicht. Wir werden uns auf die Eroberung des dritten Platzes für Fränk konzentrieren.

Blick auf Samstag

Am Mittwoch hat er hart für mich gearbeitet, am Samstag werde ich ihm dies zurückzahlen. In einem Rennen habe ich den Mont Ventoux noch nie bewältigt, doch ich kenne den Berg. Für Samstag hoffe ich, dass es etwas regnet, denn ansonsten sind die Temperaturen im Sommer in der Provence fast immer unerträglich heiß. Meine Vorstellung heute (gestern) stimmt mich zuversichtlich. Ich zähle zwar noch längst nicht zu den Spezialisten, doch die Fortschritte hier und auch beim Auftakt in Monaco sind unverkennbar.

Ich bin auf dem richtigen Weg“, gestand A. Schleck den wartenden Journalisten nach der Siegeszeremonie und der Dopingkontrolle. Als erster Luxemburger musste gestern Kim Kirchen (Columbia-HTC) um 15.12 Uhr auf die Strecke. Nach seinem Einbruch am Vortag fand der geschwächte 31-Jährige gestern zumindest teilweise zu seiner gewohnten Stärke, vor allem im Einzelzeitfahren zurück: „Die Strecke war bis fast zum Schluss trocken, lediglich in den letzten paar Kurven war es nass und ich musste es etwas gemächlicher angehen. Vor allem am Anstieg musste man aufpassen, nicht zu schnell hinein zu fahren.

Ich war nicht nervös, bin recht gemächlich gestartet, habe dann aber schnell den richtigen Rhythmus gefunden. Fast fühlte ich mich so wie im Vorjahr bei der Tour de France. Insgesamt war die Fahrt ok. Mit der alten Zeitfahr-Maschine fühlte ich mich sofort besser und ich bin nun auch zuversichtlich, was die weiteren Aufgaben in Zukunft im Kampf gegen die Uhr angeht. Am Vortag ging wirklich gar nichts. Ich stürzte, hatte Atem- und Magenprobleme, letztendlich war ich froh, im Gruppetto das Ziel erreicht zu haben. Der Magen ist zwar noch nicht ganz in Ordnung, doch für die nächsten Tage sollte es besser gehen.

Vielleicht kann ich hier den Sprung in eine Ausreißergruppe schaffen, da ich ja nun in der Gesamtwertung weit zurückliege. Man muss aber auch realistisch sein und zugeben, dass ein Top-10-Resultat nur schwer realisierbar war. Das Niveau war extrem hoch. Nun habe ich keinen Druck mehr und noch habe ich den Glauben an einen Etappensieg nicht aufgegeben.“

Ihre Meinung zum Thema

( 0 )