(dpa). - Ein Horror-Sturz von Jens Voigt hat die Lance-Armstrong-Show und die souveräne Vorstellung des Spitzenreiters Alberto Contador auf der 16. Etappe der 96. Tour de France überschattet. Der Routinier aus Berlin, der fast den ganzen Tag Schwerstarbeit für seinen Team-Kollegen Andy Schleck geleistet hatte, schlug bei der Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernhard 30 Kilometer vor dem Ziel mit der Schulter und dem Kopf auf den Asphalt und schlitterte hilflos einige Meter weiter.
Voigt wurde ins Krankenhaus gebracht. Er erlitt einen Jochbeinbruch sowie eine Gehirnerschütterung und musste die Nacht auf Mittwoch auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Grenoble verbringen, wie Teamsprecher Brian Nygard am Dienstagabend mitteilte. Es war seine 12. - und wahrscheinlich auch Voigts letzte Tour.
„Wenn man einen solchen Sturz sieht, ist alles nebensächlich. Da bekommt man eine Gänsehaut“, sagte Linus Gerdemann vom Milram-Team. „Er ist schwer verletzt, aber bei Bewusstsein. Er hat sich bewegt“, sagte Teamchef Bjarne Riis im Ziel in Bourg-Saint-Maurice. Laut Tour- Arzt Gerard Porte war Voigt nach dem Sturz kurz ohnmächtig. Ein direkt hinter dem fünffachen Familienvater fahrender Pressefotograf hatte Schlimmstes befürchtet: „Ich sah ihn im Gesicht bluten mit geschlossenen Augen. Ich hatte Angst.“ Columbia-Teamchef Rolf Aldag hatte den angriffslustigen Saxo-Bank-Profi im Vorbeifahren reglos auf der Straße liegend gesehen: „Das war schon Blut im Gesicht“.
Laut Angaben des Tour-Mediziners habe der Helm dem Berliner „das Leben gerettet“. Dies sagte der Arzt Xavier Roy, Mitglied des Medizinerstabs der 96. Tour de France, in der Internetausgabe der französischen Sportzeitung „L'Équipe“ am Mittwoch. Der Radprofi müsse „mindestens bis Donnerstag“, wohl aber noch länger, im Krankenhaus von Grenoble bleiben, sagte ein Sprecher von Voigts Saxo- Bank-Team. Ob Voigt operiert werden muss, sei noch nicht klar.