(jg) - Zwei Profis nahmen die zehnte Etappe der 65. Vuelta a Espana am Dienstag – einen Tag nach dem ersten Ruhetag – nicht mehr in Angriff. Es handelte sich dabei um das Saxo-Bank-Duo Andy Schleck und Stuart O'Grady (AUS). Grund des Nicht-Starts ist aber nicht etwa mangelnde Form, eine unausreichende körperliche Verfassung, eine Erkrankung oder die Folgen eines Sturzes. Die beiden wurden von ihrem Team ausgeschlossen!
Andy Schleck und auch der Australier haben am Ruhetag nämlich gegen teaminterne Regeln verstoßen. Nach dem Abendessen haben die beiden das Teamhotel verlassen und sich einen Drink in einer naheliegenden Bar gegönnt. „Ich bin mir bewusst, dass ich eine mir bekannte Team-Regel nicht respektiert habe. Daraufhin hat sich Bjarne in der Verantwortung gesehen und uns nach Hause geschickt. Ich muss die Verantwortung für meine Aktion übernehmen, auch wenn ich denke, dass Bjarnes Reaktion etwas zu heftig ist. Er ist allerdings der Boss und tut, was er für das Beste hält“, erklärte der Mondorfer am gestrigen Nachmittag und ergänzte: „Ich wäre gerne noch in Spanien geblieben. Langsam steigt meine Formkurve nämlich an und ich hätte Fränk und die anderen Teamkollegen sicherlich noch tatkräftig unterstützen können.“
Andy Schleck und O'Grady fahren aktuell ihre letzten Rennen für das Saxo-Bank-Team des Dänen. 2011 werden die gut befreundeten Andy Schleck und O'Grady gemeinsam für das neu gegründete „Team Luxemburg“ an den Start gehen. Sofort nachdem sich die Nachricht des gestrigen Ausschlusses verbreitet hatte, keimten auch die ersten unbegründeten Gerüchte von einem möglichen Doping-Vergehen auf. Riis kommentierte die leicht verwirrende Situation am Abend: „Egal ob es ein Glas ist oder zehn sind, bis fünf Uhr in der Nacht auszugehen, ist nicht zu entschuldigen. Ich habe getan, was ich tun musste. Die Team-Regeln sind für jeden die gleichen.“ Der Ausschluss betreffe aber nur die Vuelta, betonte Riis weiter.
Auch bereits vor zwölf Monaten hatte Andy Schleck die Vuelta a Espana bei seiner Premiere frühzeitig verlassen müssen. Damals stieg er erkrankt während der achten Etappe aus. Bereits vor zwei Wochen hatte der Luxemburger Zeitfahr-Meister mitgeteilt, dass er auf die Weltmeisterschaft in Melbourne (AUS/29. September - 3. Oktober) verzichten würde, sodass er sich nun voll und ganz auf die letzten Rennen der Saison konzentrieren kann. Vor allem bei der Lombardei-Rundfahrt am 16. Oktober möchte er zum Saison-Abschluss noch einmal brillieren und so einen würdigen Abschied von Saxo Bank feiern.
Bei den diesjährigen Vuelta-a- Espana-Abschnitten war der 25-Jährige seiner Bestform weit hinterher gefahren, doch dies war auch nicht weiter verwunderlich. Nach seinem zweiten Platz bei der Tour de France hatte er sich erstmal erholt und ausgeruht. Eine echte Vuelta-Vorbereitung hatte er nicht absolviert. Er wollte sich bis nach Madrid in den Dienst seines Bruders Fränk stellen, persönliche Ambitionen hatte er nicht. Bereits auf der dritten Etappe hatte Andy Schleck 14' eingebüßt und war somit in der Gesamtwertung weit abgerutscht. Bis vor seinem Ausstieg am gestrigen Morgen – einen Tag nach dem ersten Ruhetag – wurde er in der Gesamtwertung an Position 77 (auf 37'16") geführt.