Vorjahressieger Alejandro Valverde (E/Caisse d'Epargne) kann seinen Titel wegen seiner Dopingsperre nicht verteidigen. Alberto Contador (E/Astana) hat seinerseits frühzeitig einen Strich unter die Saison 2010 gezogen und gönnt sich nun erst einmal ein paar erholsame Tage, bevor die Vorbereitung auf das Jahr 2011 in Angriff genommen wird.
Dennoch hoffen die spanischen Radsportfans insgeheim darauf, dass am 19. September in Madrid erneut ein Spanier ganz oben auf dem Podium stehen wird. Es wäre der dritte spanische Gesamtsieg in Serie. Joaquin Rodriguez (E/Katusha), Carlos Sastre (E/Cervélo), Luis Leon Sanchez (E/Caisse d'Epargne), Igor Anton (E/Euskaltel) und Ezequiel Mosquera (E/Xacoebo) verkörpern zweifelsohne die besten iberischen Chancen, doch der Favoritenkreis ist in diesem Jahr so groß wie lange nicht mehr. Nachdem wir gestern bereits die beiden Schleck-Brüder Andy und Fränk vorstellten, werfen wir heute einen Blick auf ihre größten Konkurrenten.
Ganz oben auf der Liste der Siegesanwärter figuriert ganz sicher der Russe Denis Menchov (Rabobank). Der 32-Jährige weiß, wie man die Spanien-Rundfahrt gewinnt. Gleich zwei Mal, 2005 und 2007, war der Rabobank-Kapitän bislang bereits bei der Vuelta erfolgreich. Ob in diesem Jahr der dritte Streich folgt? Vor allem bleibt abzuwarten, wie der zukünftige Geox-Fahrer die harte Tour, die er auf dem starken dritten Platz beendete, verkraftet hat.
Rodriguez war bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt mit dem achten Gesamtrang eine der positiven Überraschungen. Ihm werden bei der Vuelta die wenigen Zeitfahrkilometer entgegenkommen. Außerdem liebt der 31-jährige Klassikerspezialist die steilen Rampen.
In Spanien sind die Anstiege in der Regel nicht so lange wie bei der „Grande Boucle.“ Während Mosqueras Kontrahenten um eine Spitzenplatzierung bei der Spanien-Rundfahrt fast alle bei der Tour de France am Start standen, baute der 34-Jährige seine Form bei kleineren spanischen Rennen auf. Dass sich der Xacobeo-Kapitän in guter Verfassung befindet, unterstreicht sein zweiter Gesamtrang bei der anspruchsvollen Burgos-Rundfahrt Anfang August. In den drei vergangenen Jahren schnupperte der Routinier mit zwei fünften und einem vierten Gesamtrang bereits am Podium.
Auch Vincenzo Nibali (I/Liquigas) war nicht bei der Tour de France am Start. Nach dem Giro d'Italia, den er auf einem sehr guten dritten Platz abschloss, und seinem Gesamtsieg bei der Slowenien-Rundfahrt, ließ es der 25-jährige Liquigas-Kapitän in den letzten Wochen ruhiger angehen. Dass die Formkurve rechtzeitig zur Spanien-Rundfahrt nach oben zeigt, untermauerte er zuletzt mit seinem Sieg bei der Trofeo Melinda und dem dritten Gesamtrang bei der Burgos-Rundfahrt.
Bei Sastre lief in diesem Jahr noch nicht viel zusammen. Vielleicht schöpft der Tour-Sieger von 2008 durch seine Unterschrift beim Geox-Team neues Selbstvertrauen. Die Streckenführung kommt dem 35-Jährigen entgegen. Seit der Clasica San Sebastian, die er Ende Juli auf Platz drei beendete, ist der Cervélo-Kapitän aber keine Rennen mehr gefahren. Gemeinsam mit David Arroyo wird L-L Sanchez für Caisse d'Epargne als Kapitän in die Vuelta gehen. Der 26-Jährige verfügt über großes Potenzial. Dem spanischen Zeitfahrmeister kommen aber eher die einwöchigen Rundfahrten entgegen. Sein Teamkollege Arroyo war beim Giro d'Italia mit Rang zwei die große Überraschung. Bei der Vuelta will der 30-Jährige dieses Ergebnis bestätigen.
In Abwesenheit von Olympiasieger Samuel Sanchez übernimmt Anton bei Euskaltel die Kapitänsrolle. Der Kletterspezialist bringt alles mit, um bei der Vuelta eine Spitzenplatzierung herauszufahren. Der mittlerweile 27-Jährige wurde bei der Burgos-Rundfahrt, dem letzten Härtetest vor der Spanien-Rundfahrt, Neunter. Dass er auch über drei Wochen stark fahren kann, bewies der Euskaltel-Profi 2007, als er Achter der Vuelta wurde.
Hat Roman Kreuziger (CZE/Liquigas) die Tour de France gut verkraftet, dann ist er auf jeden Fall ein Anwärter für eine Toplatzierung und wird mit seinem Teamkollegen Nibali eine gefährliche Doppelspitze bilden. Da er in diesem Jahr auf die WM verzichtet, liegt sein Augenmerk im Vergleich zum Vorjahr ganz auf der Vuelta a Espana. Interessant lassen sich auch die Sprint-Ankünfte an, denn einige der schnellsten Spurter sind in Spanien am Start. Allen voran Mark Cavendish (GB/HTC-Columbia), Alessandro Petacchi (I/Lampre), Tyler Farrar (USA/Garmin-Transitions) oder Daniele Bennati (I/LIquigas).