Fünf oder mehr Gegentore hatte die Luxemburger Fußball-Nationalmannschaft in den letzten vier Jahren nur einmal einstecken müssen, nämlich im September des Vorjahres beim 0:7 im WM-Qualifikationsspiel in Israel. Die fünf Treffer am Mittwochabend in Llanelli schmerzten ebenso sehr wie die sieben in Tel Aviv.
Für Erklärungsversuche tat man sich auch am Donnerstag noch schwer bei der FLF-Auswahl. Fakt ist, dass eine ganze Reihe von Kleinigkeiten so viel Sand ins Getriebe der Luxemburger Organisation wehte, dass auch gar nichts mehr rund lief. Selbst Interimstrainer Luc Holtz tat sich unmittelbar nach Spielschluss schwer mit einer Analyse.
„Ich war mir im Vorfeld der Begegnung bewusst, dass die Partie schwieriger würde, je länger sie dauern würde. Ab der 60.' wurden die Beine der Spieler immer schwerer. Den jungen Akteuren wurde deutlich aufgezeigt, welch weiter Weg noch vor ihnen liegt.“ Mit Jonathan Joubert, Eric Hoffmann und René Peters standen zwar nur drei Spieler in der Anfangsformation, die älter als 25 waren, gleichzeitig waren es deren auch nur drei, die 21 oder jünger sind (Lars Gerson, Mathias Jänisch und Gilles Bettmer).
Holtz wollte nicht so weit gehen, den Foulelfmeter, der zum 2:1 für die Gastgeber führte, als Knackpunkt zu bezeichnen. „Es scheint mir schwierig, alles auf diesen einen Schiedsrichterpfiff zurückzuführen. Allerdings muss sich der Spieler in dieser Szene einfach cleverer anlegen und weniger ungestüm vorgehen.“ Ein Schwachpunkt bleibt auch unter Holtz bestehen: die Standardsituationen, die auch am Mittwochabend wieder für Gefahr vor dem Tor von Joubert sorgten. „Zweifelsohne hätten uns Spieler wie Jeff Strasser oder auch Ante Bukvic durch ihre Körpergröße in diesen Augenblicken helfen können, da wir doch sehr litten.“
Einer, der ebenfalls viel leiden musste, war Kim Kintziger, der sich auf seiner Seite so manches aufreibende Duell mit dem wohl besten Spieler des Abends, dem walisischen Kapitän Craig Bellamy, lieferte. „Global betrachtet bin ich der Meinung, dass ich ihn gut im Griff hatte. Er hat so manches Psychospielchen versucht, mit beständigem Reden mich beispielsweise aus dem Konzept zu bringen. Dies störte mich allerdings nicht, ich tat es ihm nämlich gleich.“
Der Differdinger Verteidiger wusste jedoch auch keine Erklärung für den Luxemburger Leistungsabfall nach der Pause. „Auch Bellamy ließ sich in der zweiten Halbzeit weiter zurückfallen und stieß dann aus dem Mittelfeld nach vorne. Da war es natürlich schwieriger, ihn zu verteidigen. Aus unserer Sicht begannen die zweiten 45' denkbar schlecht. Und in der Folge gingen dann Disziplin und geordnetes Stellungsspiel verloren. Aber wieso? Das ist schwierig zu beantworten.“
Mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Joël Kitenge kurz vor der Pause waren die Bemühungen der FLF-Auswahl in der ersten Hälfte belohnt worden. Auch wenn sich der Fola-Spieler über sein Tor freute, so hatte auch ihm die zweite Halbzeit auf den Magen geschlagen. „Da ist unser gesamtes taktisches Gerüst in einen Haufen gefallen. Ich habe keine Ahnung wieso. In der Spitze habe ich kaum noch Bälle erhalten, sodass auch ich ziemlich in der Luft hing.“
Beim 1:1 hatte er gleich drei walisischen Verteidigern das Nachsehen gegeben. „Als ich zum Tor zog, sah ich gleich meine Gegner, die mich abdrängen bzw. mich noch vor dem Strafraum foulen wollten. Körperlich hätte ich mich kaum gegen die drei durchsetzen können. Deshalb verschleppte ich das Tempo, brach dann ab, um mein Glück mit einem Schuss von der Strafraumgrenze zu versuchen. Auch wenn mein Versuch noch leicht abgefälscht wurde, bin ich mir sicher, dass der Ball auch so seinen Weg in die Maschen gefunden hätte, da dem Torwart die Sicht versperrt war und ich eh die Ecke angepeilt hatte, wo er im Nachhinein auch einschlug.“
Eine gute Nachricht gab es trotzdem noch für die FLF-Auswahl. Der Platzverweis von Mario Mutsch in der 77.' (nach zwei Gelben Karten) wird ohne Folge bleiben. Wie der Pressesprecher des Luxemburger Fußballverbandes, Marc Diederich, gestern auf Nachfrage hin mitteilen konnte, spricht der europäische Fußballverband Uefa keine Sperren für eine in einem Testspiel erhaltene „Ampelkarte“ aus.
Für die Luxemburger Nationalmannschaft bleiben nun drei Wochen, um die (moralischen) Wunden zu pflegen. Zum Auftakt der Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine werden weder Bosnien-Herzegowina (am 3. September um 20.15 Uhr im Stade Josy Barthel) noch Albanien vier Tage später in Tirana Geschenke machen.