07.07.2010 07:44 Uhr, aktualisiert 07.07.2010 07:57 Uhr




Andy Schleck nimmt Stellung
Andy Schleck: „Das Gelbe Trikot ist für Fränk“
Der 25-Jährige ist froh, dass sein Bruder nicht schwerer verletzt ist

Foto: Serge Waldbillig
Andy Schleck im Ziel der Etappe.

Interview von Joe Geimer (Arenberg)

Zusammen mit Cadel Evans (AUS/BMC Racing) war Andy Schleck (Saxo Bank) am Dienstag auf der dritten Etappe der große Gewinner unter den Tour-Favoriten. Als Tagesfünfter machte er auf die restlichen Rivalen einige Sekunden, auf manche gar Minuten gut, und katapultierte sich in der Gesamtwertung bis unter die Top 10 (Sechster).

Grund zum ausgelassenen Feiern hatte der 25-Jährige aber dennoch nicht. Denn sein Bruder Fränk musste die Tour de France nach einem Sturz und dem gebrochenen linken Schlüsselbein – die Fraktur benötigt einen operativen Eingriff – gestern beenden. Unmittelbar nach dem Ende des kraftraubenden Eingriffs schilderte er seine Eindrücke.

Andy, wissen Sie schon Genaueres über den Gesundheitszustand Ihres Bruders?

Er hat sich das linke Schlüsselbein gebrochen und befindet sich aktuell in Valenciennes im Krankenhaus. Relativ schnell wurden wir per Funk informiert, dass seine Tour zu Ende war. Was soll ich bloß zu seinem Sturz sagen? Leider gehört das auch zu unserer Sportart dazu. Eigentlich bin ich noch relativ froh. Natürlich nicht, dass er zu Boden musste und verletzt ist, sondern dass er keine schlimmeren Blessuren davongetragen hat. Das Schlüsselbein ist bei uns Radfahrern eine anfällige Stelle (Andy brach sich dieses im Jahr 2005 auch bereits, die Red.), diesen Bruch zieht sich eigentlich jeder früher oder später zu. Er hätte beispielsweise auch auf den Kopf fallen und sich eine Gehirnerschütterung zuziehen können. An andere Verletzungen möchte ich gar nicht erst denken. Radfahren ist halt auch nicht alles im Leben.

Sie haben in der Gesamtwertung eine gute Affäre gemacht. Wie sehen Sie den Verlauf der Etappe?

Der Abschnitt verlief sehr zufriedenstellend. Die Kopfsteinpflaster machten den Abschnitt sehr schwierig und ich bin froh, diese Passagen so gut überstanden zu haben. Vor allem freue ich mich aber darüber, dass die ersten gefährlichen Etappen nun hinter uns liegen. Jetzt beginnt die Tour erst so richtig. Dass ich mich derart an das Hinterrad von Fabian (Cancellara) hängen würde, war nicht unbedingt so abgemacht. Ich muss sagen, zu Beginn der Etappe hatte ich unglaubliche Probleme. Ich konnte kaum normal in die Pedale treten, derartige Schmerzen hatte ich noch von meinen beiden Stürzen am Vortag. Dann auf den „Pavés“ konnte ich eindrucksvoll belegen, dass meine Form aktuell passt. Auf dem Kopfsteinpflaster fühle ich mich zudem recht wohl. Dass ich ein Kletterer bin, heißt ja nicht unbedingt, dass ich mich auf diesem Untergrund nicht auch ordentlich aus der Affäre ziehen kann. Bei der Besichtigung der Abschnitte hatte ich dies auch bereits bemerkt. Letztendlich konnte ich mich zusammen mit Fabian und Thor (Hushovd) absetzen, dann kam Cadel (Evans) auch noch hinzu und wir konnten einige Zeit in der Gesamtwertung herausfahren.

In den kommenden Tagen sollte es bis zu den Alpen etwas ruhiger zur Sache gehen. Wie sehen Sie den nächsten Teilstücken entgegen?

Wir haben heute schon auf den letzten Kilometern gesagt, dass wir für Fränk fahren würden. Das Gelbe Trikot von Fabian ist demnach dann auch für meinen Bruder. Mit genau dieser Motivation gehe ich in den kommenden Tagen an den Start. Ich bin nun sehr froh, mich wahrscheinlich auf den kommenden Etappen etwas ausruhen und erholen zu können. Denn mein Körper wurde bisher doch schon recht übel in Mitleidenschaft gezogen. Die Alpen rücken immer näher, hier müssen dann die Favoriten zeigen, wozu sie tatsächlich in der Lage sind.

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