(fs) - Angesichts der Möglichkeit eines doppelten Doublés schien Petingen im Pokalfinale wie gehemmt und musste nach vier Saisonsiegen gegen Strassen lockerlassen. Während Strassen den sechsten Pokalgewinn nach 1986, 1996, 2005, 2007 und 2008 feierte, wahrte Petingen jedoch mit drei von vier Saisontiteln seinen Nimbus als Volleyballhochburg.
Im Vergleich zu den Meisterschaftsendspielen war Petingen nicht wiederzuerkennen. Der Kraftakt vom vergangenen Wochenende mit zwei entscheidenden Endspielen innerhalb von 24 Stunden hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Der scheidende Petinger Kapitän Laurent Kruchten hätte gerne seine Laufbahn mit einem doppelten Doublé abgeschlossen: „Ich gratuliere Strassen zum Pokalgewinn und scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Am Ende einer sehr erfolgreichen Saison fehlte uns lediglich die Kraft zum Pünktchen auf dem i. Schade, das ist Sport.“ Strassen hatte sich allerdings auch optimal eingestellt, wie Trainer Hermann Jenne gestand: „Nach dem Ausscheiden im Halbfinale haben wir uns gezielt auf dieses Finale vorbereitet. Waren wir zuvor stets an unseren eigenen Fehlern gescheitert, wollten wir so wenige Fehler machen wie möglich. Wir hatten nichts zu verlieren und fanden zu unserem Spiel.“
Im ersten Satz hatte es eigentlich nach einer souveränen Angelegenheit von Petingen ausgesehen. Nahezu fahrlässig wurde eine 12:8-Führung abgegeben. Der Umschwung erfolgte durch den Strassener Block, und zwar ein erstes Mal vom 10:13 zum 14:13 und ein zweites Mal beim 21:21. Bei Aufgaberecht für Kovalev gab es kein Halten mehr für Strassen. Unerbittlich parierte der Block zum 25:21. Petingen war geschockt und erholte sich von diesem Rückschlag nicht mehr.
Die Angreifer von Petingen kamen nicht wie gewohnt zur Geltung. Richtarik gestand nachher Leichtsinn ein: „Nach gutem Beginn dachten wir wohl an einen Selbstläufer und wurden auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.“ Durch eine überragende Annahme gewann Strassen bei 9:6 im zweiten Durchgang die Oberhand und konnte diesen Vorteil über 13:7 bis zu 16:7 ausbauen. Eine Reaktion gab es dann von Petingen zum 16:12, um schließlich überaus deutlich mit 25:14 lockerzulassen.
Der viel gescholtene Zuspieler Steinbrecher legte im dritten Satz mit dem 4:0 den Grundstein zum Erfolg. Auch wenn Richtarik für den Umschwung zum 9:8 für Petingen verantwortlich zeichnete, war die Mannschaft angeschlagen. 10:9 führte Petingen noch und geriet dann durch eine Summe von individuellen Fehlern mit 10:16 ins Hintertreffen. Bei Aufgaberecht Kruchten klammerte sich Petingen an den buchstäblich letzten Strohhalm und verkürzte auf 17:20.
Strassen war jedoch nicht mehr zu bremsen: Petingen verschlug, Strassen blockte und der unwiderstehliche und höchst spektakuläre Stutz vollstreckte zum 23:19. Der Rest war nur noch Formsache. Rodriguez verschlug nämlich ein ums andere Mal und Strassen durfte feiern. Strassens Juan Pablo Stutz freute sich: „Drei Monate bin ich in Luxemburg. Es ist wohl ein einmaliger Rekord, dass ich bereits Nationalspieler bin, im Halbfinale der Meisterschaft stand und Pokalsieger wurde.“