Nein, sie heißen nicht Josef und Maria. Ihr Name ist auch unwichtig, denn in den meisten Fällen verkümmert ihre Identität zu einer beliebigen Aktennummer mit Herkunftsland und Völkerabstammung: Sinti, Roma, Kurde...
Sie kommen nicht aus Galiläa, suchen dafür aber das gelobte Land: Sicherheit, Frieden und Glück! Sie wollen der Armut entfliehen, wünschen sich eine echte Gesundheitsvorsorge und eine gute Ausbildung für ihre Kinder, all das, was uns normal erscheint und gegeben ist, das wir uns aber jedesmal an der Schwelle zu einem neuen Jahr neu wünschen: Gesundheit, Zufriedenheit, Glück!
Dass andere nicht über Frieden, Sicherheit und eine echte Zukunft verfügen, berührt uns – manchmal mehr, manchmal auch weniger! Und dennoch: Es gibt ihn, den Flüchtling, das unbekannte und verschmähte Wesen, den Asylbewerber auf der Suche nach einer besseren Zukunft, auf der Flucht vor einer schlechten Welt, der Mann, die Frau, das Kind, die gemeinsam oder alleine plötzlich an unserer Tür klopfen, wie einst auch Josef und Maria! Am vergangenen Freitag, dem heiligen Dreikönigsfest, hat der Ministerrat die Entscheidung getroffen, den Asylbewerbern die Geschenke zu kürzen! Das Taschengeld soll gestutzt werden, dafür soll aber der Asylsuchende mit dem Unterhalt seiner Unterkunft betraut werden und sich einige Euro hinzuverdienen.
Sind es Sparmaßnahmen, Budgetkürzungen oder vielleicht auch ganz andere Ursachen, die zu diesem plötzlichen Wandel geführt haben? Man wolle die Finanzspritze für die Asylbewerber an jene der Nachbarländer anpassen, um den Strom der Hilfesuchenden einzudämmen, lautet eine offizielle Begründung. Da fragt man sich: Ist Migrationspolitik wirklich so einfach? Einen Groschen weniger in die Tasche, und schon fließt der Flüchtlingsstrom wieder ins Nachbarland?
225 Euro Taschengeld soll der Asylbewerber fortan monatlich bekommen, muss sich dabei aber sein Essen selbst beschaffen. Das sind 7,5 Euro am Tag! Einige Hygieneartikel, ab und zu auch noch ein Paar Zigaretten und täglich ein warmes Essen – dieses Almosen ist schnell aufgebraucht. Der zuständige Minister Nicolas Schmit hat im vergangenen Jahr das Wort „Asyltourismus“ in den Mund genommen.
Für viele eine Frechheit, so als ob man aus Spaß seine sieben Sachen packe und seiner Heimat den Rücken drehe. Ganz gewiss, viele Asylsuchende werden nicht in ihrem Land verfolgt, ihr Leben ist auch nicht in Gefahr. Vielmehr sind es Armut und Not, die diese Menschen nach neuen Ufern ausschauen lassen. Und warum auch nicht?
Das stört aber einige in Luxemburg. Die traurige Episode vor den leerstehenden Container-Wohnungen in Petingen im November 2011 hat es uns vorgeführt. Ein hilfloser Bürgermeister vor aufgeregten Müttern, die Gefahr im Nacken, Hilfe, Hilfe, der Fremde ist im Anmarsch!
Sind wir Luxemburger wirklich gefühllose Menschen? Wollen wir nicht teilen? 225 Euro und basta! Soll das wirklich unser letztes Wort sein?