02.09.2010 11:29 Uhr




 Leitartikel
Der Überzeugungstäter
Laurent Zeimet
Laurent Zeimet

Jedes Sommerloch braucht einen Sturm im Wasserglas. Robert Goebbels fühlt sich berufen, der „Politikklasse“ die Leviten zu lesen. Zu sehr lassen sich die Politiker jeder Couleur von Greenpeace und anderen Umwelverbänden vorschreiben, was sie zur grünen Biotechnologie zu denken haben, schreibt er und und wünscht sich ein OGM-freundlicheres Klima.

Sein provokanter Beitrag in den Leserbriefspalten war so ausgelegt, dass er den zu erwartenden Widerspruch erzwingen musste. So konnte sich Goebbels in einer zweiten Phase als ein Meinungsopfer hinstellen, ein Freigeist, dem nicht einmal eine abweichende Sicht der Dinge zugestanden wird. Am Ende fühlte sich die LSAP-Fraktion genötigt, eine Klarstellung zu verbreiten, um sich von ihrem Europaabgeordneten zu distanzieren. Die Sozialisten halten es weiter mit dem Vorsorgeprinzip und unterstützen die eigenen Minister bei ihrer kritischen Haltung zur grünen Biotechnologie.

So konnte sich Goebbels wieder bestätigt sehen. Nur er traut sich gegen den Strom zu schwimmen. Eine Quelle des Lichts im Tal der Ahnungslosen. Wer nämlich gegen OGM ist, hat nichts verstanden, so das Goebbels-Urteil. Die Debatte erschöpft sich also in der Zustimmung. Die Möglichkeit, dass er vielleicht falsch liegt, kommt Goebbels ohnehin nicht in den Sinn. Ist die grüne Biotechnologie des Teufels? Muss die Verbesserung von Nutzpflanzen in Grund und Boden verdammt werden? Mit Sicherheit nicht.

Der Evolution sind keine Grenzen gesetzt, aber der Forschung müssen Grenzen gesetzt werden. Die Zerstörung von Forschungseinrichtungen ist zu verurteilen. Aber der reine Fortschrittsglauben der OGM-Befürworter ist nicht viel besser als die Angstmacherei der Gegner. Man kann nicht so tun, als würde die Biotechnologie keine Fragen aufwerfen und deren Nutzung keine Probleme bereiten. Robert Goebbels argumentiert aber genau so: Es gibt keine Alternative, man muss sich damit abfinden.

Die Europäische Union importiere ohnehin bis zu 80 Prozent des Futtermittels, das wiederum bis zu 80 Prozent an genmanipulierten Organismen enthalte, stellt Goebbels fest. So mächtig kann die OGM-Opposition in Brüssel also doch nicht sein, sonst könnte dies ja nicht der Fall sein.

Robert Goebbels vermag zwar zu beschreiben, wieso es keinen Sinn mache, sich gegen die grüne Biotechnologie zu wehren. Er bleibt aber schuldig zu belegen, warum ein großangelegter Einsatz im Großherzogtum nun absolut notwendig ist. Im Gespräch mit dem „Quotidien“ lässt er durchblicken, dass er sich vielleicht darum sorgt, Labors wollten sich nicht in Luxemburg ansiedeln, wenn hier eine hinterwäldlerische Stimmung vorherrscht. Der Finanzplatz brauchte allerdings keine besondere Liebesbekundung, um zu gedeihen. Die verbreitete Skepsis gegenüber manchen Finanzgeschäften steht schließlich in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung der Banken. Andere Argumente dürften dem Wirtschaftsminister bei der Ansiedlung der Biotechnologie hilfreicher sein.

Der Europaabgeordnete mag kein bezahlter Lobbyist sein, aber von einem Politiker dürfte man eine kritische Distanz erwarten. Er nennt sich einen Überzeugungstäter. Überzeugt scheint Robert Goebbels vor allem von sich selbst.

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