25.08.2010 10:27 Uhr




 Leitartikel
Erklärung eines Scheiterns
Laurent Schüssler

Seit rund einer Woche herrscht wieder Ruhe im Verbandssitz des Luxemburger Fußball-Verbandes FLF in Monnerich. Zuvor hatte es zwei turbulente Wochen gegeben. Nicht etwa wegen der 1:5-Klatsche der Nationalelf im Auswärtsspiel gegen Wales. Diese Niederlage ging im allgemeinen Tohuwabohu fast unbemerkt unter. Nein, wegen des Rücktritts des Nationaltrainers nach Beendigung seines Sommerurlaubs.

Die Nachricht, dass Guy Hellers von seinem Amt zurückgetreten war, schlug in der kleinen Luxemburger Sportwelt ein wie eine Bombe. Polarisierte Hellers doch wie sonst kaum ein Zweiter. Starrköpfig nannten ihn seine Kritiker, geradlinig seine Befürworter. Seine Fachkompetenz zweifelte die Öffentlichkeit allerdings niemals an – anders als dies innerhalb des Verbandes geschah. Der, für Luxemburger Sportverhältnisse, große mediale Aufwand, als die FLF seinen Nachfolger vorstellte, unterstreicht auch, wie sensibel die Öffentlichkeit auf den Rücktritt von Hellers reagierte. Und war nicht etwa eine Folge der Saure-Gurken-Zeit.

Dabei war der Rücktritt von Hellers nur eine Frage der Zeit. Doch wieso war seine Mission von vornherein zum Scheitern verurteilt? Seine offene Art und Weise, Probleme direkt anzusprechen und nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg zu halten – ganz gleich wer sein Gegenüber war – entsprach so überhaupt nicht den Luxemburger Gepflogenheiten, wo man sich zwar seinen Teil denkt, nicht aber offen ausspricht. Nicht umsonst wurde ihm vorgeworfen, es fehle ihm an diplomatischem Takt. Ein Vorwurf, der in Kreisen der Politik durchaus seine Berechtigung hätte, der an die Adresse eines Fußballtrainers gerichtet jedoch eher absurd klingt. Und der ihm trotzdem das Genick brach. Die FLF hatte ihren Nationaltrainer – und darüber hinaus Verantwortlichen der Fußballschule – schon seit längerem fallen gelassen. Er passte nicht in ihr Bild der Außendarstellung. Und die ist den Verbandsoberen, die jeweils für vier Jahre vom Fußballvolk gewählt werden, eben wichtig.

Womit sie praktisch konträr zu Hellers lagen, der ausschließlich sportliche Ziele verfolgte. Und auf die Gefühlswelt eines Einzelnen keine Rücksicht nahm. Die Leistung und das Kollektiv zählte. Hellers scheiterte schlussendlich auch am Luxemburger Kleinbürgertum.

Tragisch kann man diese Erfahrung sicherlich nennen. Denn Hellers verkörpert fachlich wahrscheinlich den perfekten Typus, um den Luxemburger Fußball dauerhaft weiterzubringen. Die Luxemburger Verhältnisse, die oftmals mehr Schein als Sein widerspiegeln, waren ihm geläufig. Und aus dem Ausland brachte er jene Portion Professionalismus mit, ohne die es nicht geht.

Nicht umsonst beneidete die französischsprachige Grenzregion die FLF um diesen Fachmann. Seine Arbeit stieß außerhalb der Landesgrenzen auf mehr Anerkennung als hierzulande. Paradoxum oder Normalität? Dem einheimischen Fußballverband fehlte es am nötigen Mut, um die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Man begnügt sich mit dem Durchschnitt. Typisch luxemburgisch? Im Sport definitiv.

Ihre Meinung zum Thema

( 0 )