Wenn immer Flaggen und Bücher verbrannt werden sollen, müssen die Alarmglocken läuten. Man muss gar nicht erst den deutschen Dichter Heinrich Heine und seinen Ausspruch bemühen: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
Die Ankündigung eines evangelikalen US-Pastors, am kommenden neunten Jahrestag der Anschläge vom 11. September ein Koran-Exemplar zu verbrennen, ist eine bewusste Provokation – in erster Linie gegenüber Muslimen, aber auch gegenüber allen gesitteten Menschen. Mit der freien Ausübung von Meinungsfreiheit hat dieser symbolische Akt wenig zu tun. Freiheit hat dort Grenzen, wo sie die Freiheit anderer verletzt – auch jene der freien Religionsausübung, schon in Form einer Verletzung der religiösen Gefühle – nicht nur von radikalen, sondern auch von „normalen“ Muslimen.
Letztlich handelt es sich bei dem Pastor um einen Zeloten vom gleichen Schlag, wie jene Fanatiker, gegen die er vorgibt zu protestieren. Selbst wenn sich diese Aktion nicht direkt gegen Menschen richtet, dürften die gewaltsamen Reaktionen nicht ausbleiben. Insofern sollte die Staatsgewalt diesen vermeintlichen „Akt der Freiheit“ mit allen zur Verfügung stehenden legalen Mitteln verhindern. Darüber hinaus ist es im übergeordneten nationalen Interesse der Regierung Obama, zu verhindern, dass das in der muslimischen Welt bereits geringe Ansehen der USA weiter beschädigt wird.