(jot) - Spätestens im Jahr 2017 soll das neue Untersuchungsgefängnis, das Platz für 400 Häftlinge bietet, am Standort „Uerschterhaff“ in Sassenheim eröffnet werden. In diesem Zusammenhang ist auch eine Reform des Gefängniswesens geplant. Das Justizvollzugssystem der Zukunft soll den Häftlingen eine größtmögliche Normalität bieten und sie besser auf ein Leben in der Gesellschaft vorbereiten.
Dies machte Justizminister François Biltgen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz deutlich. „Ein Abrutschen in die Drogenszene ist oft die Hauptursache für einen Gefängnisaufenthalt“, erklärte François Biltgen. 228 von derzeit 645 Häftlingen in Schrassig sitzen wegen eines Drogendeliktes ein.
Es gelte mit einer proaktiven Vorgehensweise zu verhindern, dass diese Personen aber auch alle anderen Häflinge nach ihrer Entlassung aufgrund mangelnder Perspektiven erneut kriminellen Machenschaften nachgehen. Für jeden Häftling soll ein individuelles Resozialisierungskonzept ausgearbeitet werden. Die Lebensbedingungen im Gefängnis sollen zudem denen in Freiheit besser anpasst werden. Folglich wird unter anderem über ein Aufheben des Rauchverbots in den Gefängniszellen nachgedacht.
Der Bau eines Untersuchungsgefängnisses in Sassenheim geht für den Schweizer Hans-Jürg Bühlmann, der das Justizministerium bei der Reform des Gefängniswesens berät, mit einem großen Vorteil einher. „Es führt zu einer Entlastung des chronisch überbelegten Gefängnisses in Schrassig“,
so die klare Aussage des Gefängnisexperten. Er hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Häftlinge langfristig besser aufgeteilt und somit besser betreut werden können.
Eine Schlüsselrolle bei der Betreuung der Häftlinge soll den Justizvollzugsbeamten zukommen. In ihrer Ausbildung soll in Zukunft viel Wert auf Psychologie gelegt werden, sodass sie gute Ansprechpartner für die Häftlinge sind. Mit dem neuen Untersuchungsgefängnis müssen zwischen 250 und 300 neue Beamten eingestellt werden.
Aber auch auf administrativer Ebene wird es im Zuge der geplanten Reform zu Änderungen kommen. Eine „Administration pénitentiaire“ soll geschaffen werden, in der die Direktionen der drei Gefängnisse Givenich, Sassenheim und Schrassig organisiert sein werden. Diese Verwaltung wird dem Justizministerium unterstehen. Der Generalstaatsanwalt wird dagegen weiterhin für die Vollstreckung der Haftstrafen verantwortlich sein.
François Biltgen will die Reform des Gefängniswesens im Herbst auf den Instanzenweg bringen. Er hofft, dass das Gesetz spätestens Ende 2011 von der Abgeordnetenkammer verabschiedet wird.