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Mobbing asbl
12.03.2010 13:23 Uhr, aktualisiert 12.03.2010 14:46 Uhr

Immer mehr Psychoterror am Arbeitsplatz

Krise verstärkt Mobbing



Foto: Shutterstock
Die über lange Zeit ausgeübten Feindseligkeiten können bei einem Mobbingopfer gesundheitliche Auswirkungen haben.

(hay) - In Luxemburg hat der Psychoterror am Arbeitsplatz enorm zugenommen: Dies legt der Jahresbericht der Mobbing asbl offen. Demzufolge haben im vergangenen Jahr 2200 Menschen bei der Beratungsstelle per Telefon Hilfe gesucht. 2008 waren es knapp 440 weniger. „Der Anstieg ist enorm und steht ganz im Zeichen der Zeit“, sagte Joé Spier, Präsident der Mobbing asbl, am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz.

In 286 Fällen führte die Kontaktaufnahme zu einem Beratungsgespräch, die im Schnitt rund eine Stunde dauerten. In der Mehrzahl waren die Mobbingopfer zwischen 40 und 49 Jahre alt. Auffällig ist dabei der Umstand, dass 76 Prozent von ihnen weiblich waren. Dies bedeute jedoch nicht, dass Männer weniger gemobbt werden. Wie Monique Breisch, Leiterin der Mobbing asbl, erklärte, würden Frauen einfach schneller nach Hilfe suchen, während Männer ihr „Problem“ erst einmal selbst zu lösen versuchen.

Kritik - Beleidigungen - Bedrohungen

Die Formen des Mobbings können sehr unterschiedlich sein. In den meisten Fällen waren die Mobbingopfer an ihrem Arbeitsplatz ständiger Kritik ausgesetzt. Aber auch mit Beleidigungen, Bedrohungen oder Verletzungen setzte sich die Beratungsstelle auseinander.

Die Berufsgruppen betreffend ist dem Jahresbericht zu entnehmen, dass Mobbing besonders häufig in Klein- und Mittelbetrieben im Handelssektor (23 Prozent) und im Gesundheitswesen (13 Prozent) vorkommt. Stark angestiegen ist überdies der Psychoterror an Beschäftigten aus dem Finanz- und Bankensektor (10 Prozent). Laut Spier stehe dieses Phänomen in einem Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise.

Ein interessanter Aspekt ist überdies, dass weniger auf einer gleichgestellten Ebene unter Arbeitskollegen gemobbt wurde. In 63 Prozent aller Fälle fand das Mobbing nämlich hierarchisch, also „von oben nach unten“ statt. Im Vergleich zu 2008 haben sich diese Fälle damit verdoppelt. Spier erklärte diesen „drastischen Anstieg“ unter anderem damit, dass infolge der Krise die Rücksichtslosigkeit in den Betrieben gewachsen sei.

Erfreut zeigte sich Spier über den Umstand, dass sich Mobbingopfer inzwischen recht häufig mit Freunden und Familie über ihre Situation austauschen. Vor zehn Jahren sei dies noch überaus selten vorgekommen, doch inzwischen handle es sich beim Mobbing um kein Tabuthema mehr. "Das Phänomen ist den Menschen bekannt und wird nicht mehr belächelt."

Anti-Mobbing-Gesetz gefordert

In Luxemburg gibt es eine im Juni 2009 von den Sozialpartnern unterschriebene Konvention. Diese hält unter anderem fest, dass Mobbing vom Arbeitgeber nicht geduldet wird und das Opfer als Zeuge geschützt wird. Die Konvention ist zwar für die Mobbing asbl ein wichtiger Schritt „nach vorne“, doch lange nicht genug im Kampf gegen Mobbing. „Wir wollen ein Anti-Mobbing-Gesetz, das die verschiedenen Detailpunkte aus der Konvention wasserdicht absichert“, so Spier. Die Opfer müssten geschützt und die Täter bestraft werden.

Übrigens: Die Mobbing asbl hat vor kurzem unter dem Titel "Leben ohne Maske - Lerne Grenzen setzen" ein Buch veröffentlicht. Dieses enthält unter anderem Ideen und Tipps, wie man sein Verhalten ändern kann, um selbstbewusster und selbstsicherer zu werden. Das Buch ist beim christlichen Gewerkschaftsbund und bei der Mobbing asbl erhältlich. Es kostet 15 Euro.

Info: Betroffene können die Mobbing asbl, die von den Gewerkschaften LCGB und Syprolux gegründet wurde, unter der E-Mail-Adresse mobbing@lcgb.lu sowie unter der Nummer 49942488 (wochentags von 8 bis 12 Uhr) kontaktieren. Am Dienstag- und Donnerstagabend (19 bis 21 Uhr) steht unter der Nummer 621-371212 eine Hotline zur Verfügung.

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