(jot) - Die Verantwortlichen des Syndikats Erziehung und Wissenschaft des OGBL fordern ein Umdenken in der Einstellungspolitik des Unterrichtsministeriums. „Es gibt einen Mangel an ausgebildeten Gymnasiallehrern“, kritisierte SEW-Vizepräsident Guy Foetz. Rund 22 Prozent der Schulstunden würden von Lehrbeauftragten gehalten, die teilweise keine pädagogische Ausbildung haben. Guy Foetz spricht sich in diesem Zusammenhang unter anderem für weniger Prüfungen im Einstellungsexamen für Gymnasiallehrer aus.
Auch die geplante Reform des „stage pédagogique“ kann das SEW nicht begrüßen. Die Kandidaten müssten in Zukunft noch mehr Unterrichtsstunden halten und würden zugleich weniger betreut. Von einer Entlastung der angehenden Lehrer könne also keine Rede sein. Die Lehrergewerkschaft wirft dem Unterrichtsministerium Beratungsresistenz vor. „Es ist, als würde man gegen den Wind reden“, betonte Guy Foetz.
In Bezug auf die Situation in den Grundschulen sparte das Syndikat ebenfalls nicht mit Kritik. „Dramatisch viele Schulstunden fallen aus, weil bei einer Erkrankung der Lehrer oft kein Ersatzpersonal zur Verfügung steht“, erklärte SEW-Präsidentin Monique Adam.
Die Bewertung der Schüler nach Kompetenzen habe auch einen negativen Aspekt: „Die Kinder stehen unter ständiger Beobachtung“, so Adam. Die Lehrkräfte würden sehr viel Energie aufbringen, um die Kinder schriftlich zu bewerten. Positiv an der Schulreform hebt man aber hervor, dass mittlerweile ein besserer Austausch zwischen den Lehrern stattfindet.
Im Allgemeinen findet das Syndikat Erziehung und Wissenschaft des OGBL, dass in Luxemburg der Bildung ein größerer Stellenwert beizumessen sei: „Nur vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden in Bildung investiert“, unterstrich Guy Foetz. In anderen Ländern wie beispielsweise Schweden und Finnland wären es immerhin neun Prozent.