(bip)- Das „Café humanitaire“ der Luxemburger „Croix-Rouge“ ist mittlerweile eine feste Einrichtung geworden. Am Donnerstag fand es wieder in der „Brasserie“ der Abtei Neumünster statt. Das Thema: „Befindet sich das in Vereinigungen organisierte Ehrenamt in einer Krise – oder entwickelt es sich weiter?“. „Beides“, so könnte man mit einem Wort antworten. Vor allem steht es im Zeichen einer sich von Grund auf verändernden Gesellschaft: kürzeres Engagement, zielorientierter und gewürzt mit Weiterbildungen.
„Muss man überhaupt von einer Krise des Ehrenamts sprechen? Ist es wirklich vom Aussterben bedroht?“ Diese Fragen stellte Marc Crochet, „directeur des opérations“ beim Roten Kreuz, zu Beginn der Diskussionsrunde in der „Brasserie“ der Abtei Neumünster. Experten konnten aus ihrer praktischen Erfahrung heraus zu dem Thema sprechen.
Nicole Reger-Beau ist Verantwortliche der Ehrenamt-Agentur, die Vertretungen in Strassen, Diekirch und Düdelingen hat. Dort kümmert man sich um Menschen, die zwar wissen, dass sie ein Ehrenamt bekleiden und helfen wollen, die aber noch keine genaue Vorstellung davon haben, welche der vielen in Luxemburg angesiedelten Vereinigungen und Organisationen zu ihnen passt. „Die Krise“ bemerke man sehr wohl, so Nicole Reger-Beau: Mehr und mehr Arbeitslose meldeten sich in der Agentur. Sie wollen etwas Sinnvolles tun – allerdings für einen begrenzten Zeitraum und für gezielte Projekte.
Außerdem bemerke man das Bedürfnis, innerhalb des „Benevolats“ weitergebildet zu werden und generell seinen Fähigkeiten und seiner Ausbildung entsprechend eingesetzt zu werden. Diese Tendenz ist überall im Ehrenamt zu beobachten. Ralph Schroeder, Verantwortlicher des „Service jeunesse“ im Familienministerium, hat bei den jungen Ehrenamtlichen zudem noch etwas anderes beobachtet: Sie wollen selbst Projekte in die Hand und Verantwortung übernehmen, wollen eigene Entscheidungen treffen können.
Und sie möchten Zertifikate für ihr Tun – auch im Hinblick auf Qualifikationen für spätere Arbeitsstellen. Umgekehrt möchten sie aber nicht zuletzt in der Gruppe aufgehen, Freundschaften schließen, Spaß und „Action“ erleben.
Darum gehen auch Jugendliche zur freiwilligen Feuerwehr. Michel Feider, Direktor der „Administration des Services de Secours“, gibt aber zu bedenken: „Durch sozioökonomische Faktoren haben die Rettungsdienste immer mehr Probleme, ihre Pflicht zu erfüllen.“ Weniger Frauen als früher hätten Zeit fürs Ehrenamt, da sie auch arbeiteten; mit dem Wegfall der „Schmelz“ gebe es viel weniger Schichtarbeiter, so dass zu gewissen Tageszeiten Einsatzkräfte fehlten. Und nicht zuletzt seien in Luxemburg lebende Ausländer oder gar Grenzgänger nicht so schnell bereit, ein zeitintensives und Flexibilität verlangendes Amt zu bekleiden. Proportional zur steigenden Einwohnerzahl stagniere jedoch die Zahl der Luxemburger. Die Folge: Proportional weniger Menschen, die sich für das „Benevolat“ bereit erklärten. Und doch sei das „Helfergen“ nicht ausgestorben. Das sei auch notwendig. „Kein Notdienst funktioniert ohne Ehrenamtliche“, mahnte Feider, und erinnerte daran, dass die Verantwortung von Staat und Gemeinden im Rettungswesen auf die freiwilligen Helfer übertragen würde.
Einen ganz anderen Dienst verrichten die Menschen, die ab April wieder für das Rote Kreuz an den Haustüren in Luxemburg klingeln und Spenden sammeln. „Früher war es eine Ehre, das zu tun – heute wird es oft als Pflicht angesehen“, bedauerte Rita Krombach-Meyer, Präsidentin der „CroixRouge“-Sektion Luxemburg-Stadt. Sie ist selbst seit über 30 Jahren immer wieder unterwegs, um Spenden zu sammeln. Und sie hat beobachtet: Viele Menschen möchten dabei helfen, trauen sich aber nicht, auch, wegen eventueller Sprachbarrieren.
Bemerkenswert sei umgekehrt, dass oft gerade bedürftige Menschen etwas spendeten. „Das macht einen froh und betroffen zugleich“, so Rita Krombach-Meyer. In der Diskussion wurde außerdem noch angesprochen, dass auch im Ehrenamt mehr und klare „Job-Descriptions“ gefragt sind. Und dass sehr wohl noch viele junge Leute engagiert sind – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.