Die Gëlle Fra soll nach Schanghai. Da schießen einem gleich viele Gedanken durch den Kopf. Zuerst halten manche Zeitgenossen die Meldung für einen frühreifen Aprilscherz. Aber dann sind der Empörung kaum noch Grenzen gesetzt. Die Volksseele scheint vom alten Gassenhauer „Mäi léiwe Jang fuer net a China“ nachhaltig geprägt zu sein. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die goldene Dame die Gemüter in Wallung bringt. Unfug? Oder doch eine lobenswerte Initiative, um unser Ländchen auf der größten Weltausstellung aller Zeiten gebührend in Szene zu setzen? Robert Goebbels ist von Letzterem überzeugt. „Für Frieden, Völkerverständigung und Freiheit“ stehe die Gëlle Fra, reicht er am Freitag nach. Aber wird einem Symbol der Freiheit in Rotchina nicht die Einreise verwehrt? Als Provokation ist die Operation anscheinend nicht gedacht. Den Chinesen, hat man nur erzählt, dass wir ein Kunstwerk nach Schanghai schicken werden. Das mit der Freiheit will man den kommunistischen Gastgebern lieber nicht zumuten. Nicht dass sie unsere Dame am Ende noch vom Sockel stoßen.
Der Premier empfängt die Fraktionen zum Tripartite-Vorgespräch. Die Abgeordneten wollen dieses Mal ja nicht bloß Kellner sein. Zumindest meinte das Präsident Laurent Mosar. Die Opposition will nur informiert werden. Zumindest meinte das DP-Fraktionschef Xavier Bettel. Allen dünkt so langsam, dass die Tripartite so oder so nicht alles richten wird. Es muss eine politische Debatte stattfinden, sagen die Politiker. Alle finden, dass es an der Zeit ist, Farbe zu bekennen. Die Opposition erwartet das von der Regierung und die Mehrheit fordert das von der Opposition. Wir gehen mal davon aus, dass am Ende die einen schwarz, die anderen rot, wenige blau und manche grün sein werden. Schön bunt.
Im öffentlichen Dienst ist Wahlkampf. Die kleine Apess wagt es, die mächtige CGFP anzugreifen. Unlautere Wahlwerbung betreibe die Staatsbeamtengewerkschaft. Illegal würde auf Staatsdateien zurückgegriffen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Die CGFP zeigt sich unbeeindruckt. Wer so etwas behaupte, müsse es erst einmal beweisen. Ein Dementi kann auch überzeugender ausfallen. Aber bitte. Die Sekundarschullehrer sind sauer, weil die Grundschullehrer aufgewertet wurden. Und überhaupt werde die höhere Laufbahn im öffentlichen Dienst von den Kollegen der mittleren und unteren Karriere unterdrückt. Das schreit wirklich nach sozialer Ungerechtigkeit. „Es kann doch nicht sein, dass man sich bald entschuldigen muss, wenn man studiert hat“, entrüstet sich der Apess-Vorsitzende. Leistung müsse belohnt werden. Dass eine Beamtenlobby fordert, Leistung solle belohnt werden, gibt es auch nicht alle Tage. Am Ende muss sich die Apess wohl entschuldigen, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkannte.