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 Leitartikel
27.02.2010 09:46 Uhr

Starke Symbole

Marc Glesener
Marc Glesener

Die „Gëlle Fra“ geht auf Reisen. Als Symbol des Friedens soll die Statue den Luxemburger Pavillon bei der Weltausstellung in Schanghai schmücken. Das Großherzogtum setzt damit ein ganz besonderes Zeichen: Es teilt das Sinnbild nationaler Unabhängigkeit sozusagen mit der ganzen Welt. Das ist eine Geste, die Mut erfordert. Mut, sich (wenn auch nur für einige Monate) von einem Monument zu trennen. Mut auch, ausgerechnet in China mit einem Symbol für Freiheit und Demokratie aufzutreten. Mag sein, dass das die Führung in Peking kaum beeindrucken wird. Und doch: Luxemburg setzt ein Zeichen.

Dass die Bereitstellung der „Gëlle Fra“ als Leihgabe für Fernost hierzulande Stoff für angeregte Diskussionen bieten würde, dessen waren sich Regierung und Planer des Projekts Weltausstellung sicher bewusst. Und es ist eigentlich auch nichts gegen eine kontrovers geführte Debatte einzuwenden. Es geht schließlich um ein national relevantes Symbol, das wie kaum ein anderes für die Souveränität der Nation steht. Die „Gëlle Fra“, oder besser gesagt die griechische Siegesgöttin Nike, krönt die toten Helden mit dem Lorbeerkranz. Die Botschaft ist klar: Ehre jenen, die für die Freiheit ihr Leben ließen. Im übertragenen Sinne bedeutet das: Nie wieder Krieg.

Nie wieder Krieg. Das heißt nie wieder Unterdrückung, nie wieder Gewalt, Elend und Leiden. Das alles sagt uns die „Gëlle Fra“. Das wollte übrigens auch die kroatische Künstlerin Sanja Ivekovic 2001 mit ihrem Werk „Lady Rosa of Luxembourg“ zum Ausdruck bringen. Die „schwangere“ Kopie der Statue des Künstlers Claus Cito wurde zum Gegenstand einer heftigen Polemik, die oft am Thema vorbeigeführt wurde. Besonders grotesk war dabei, dass sich aufgebrachte Patrioten und Künstlerin in dem, was sie mit Nachdruck vermitteln wollten, nicht widersprachen. Ganz im Gegenteil. Knackpunkt war die Form der Darstellung. Provokation? Vielleicht. Doch Kunst muss provozieren können. Dort wo sie das nicht tun kann, sind meist auch Demokratie und Menschenrechte in Gefahr.

Der neue, befristete Aufenthaltsort der echten „Gëlle Fra“ könnte vor diesem Hintergrund kein besserer sein. Unser Symbol für Freiheit und damit einhergehend für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ist in China am richtigen Ort. Nun sollten wir auch den Mut aufbringen, den Chinesen zu erklären, was gemeint ist.

Was jene beabsichtigen, die in Luxemburg politisch gegen die bevorstehende Reise von „Our Lady of Luxembourg for Peace“ mobil machen, liegt auf der Hand. Sie, die Populisten, wittern Morgenluft und hoffen mit einfachen Parolen politisch zu punkten. Wer von einem „schänterleche Mëssbrauch vun engem nationale Monument“ schreibt und der Regierung einfach so vorwirft, „kee Respekt virum Undenken un d'Krichsaffer“ zu haben, zeigt mit dieser Wortwahl sein wahres Gesicht.

Ja, die „Gëlle Fra“ gehört auf die Place de la Constitution. Als starkes Symbol, als Zeichen der Erinnerung, als Mahnmal für die kommenden Generationen.

Ja, die „Gëlle Fra“ soll nach China reisen und dort als starkes Symbol für Luxemburg werben. Für eine kleine Demokratie im Herzen Europas, die leidvoll erfahren hat, wozu Totalitarismus, Unterdrückung und Krieg führen.

Ihre Meinung zum Thema

( 2 )
  • Jay Anders meint:
    01.03.2010, 09:50 Uhr
    Was heisst hier !Mut! ? Die Organisatoren haben schon lange beschlossen die Gëlle Fra nach Shangai zu schicken und wir wissen erst seit zwei Wochen davon ! Ist as Mut ? Die Organisatoren ignorieren die Meinung der Mehrheit ? Ist das Mut ? Die Gëlle Fra soll für Freiheit und Unabhängigkeit in Shangai werben, die Chinesen, wenn sie es denn auch so verstehen, werden es geniessen ! Ist das Mut ?
  • Tréiss Muller meint:
    27.02.2010, 11:45 Uhr
    Endlech mol eng Stëmm vun der Vernonft. Ech selwer respektéiren, datt een mat der Rees vun der Gëlle Fra net onbedengt d'accord ass. Et ass just schued datt dee Protest sech gréisstendeels op dem niveau vum Duerfcaféstiraden artikuléiert, vu populisteschen Téin ("déi do uewen") bis carrément xenophoben discours ("d'Asiaten", "d'Äuslänner", "d'Preisen", etc).
    Il faut raison garder. D'Gëlle Fra gett jo net verschenkt, sie gett mol net verléint; sie steet während 6 Méint am letzeboier Pavillon a bleiwt domat d'Propriétéit vum Letzeboier Vollek.
    An dann deen Eiffeltuermvergläich deen hei emmer kennt. Wa schon, dann och eppes richteges. Zum Bespill: d'Fräiheetsstatue vun New York heescht am Fong "La Liberté éclairant le Monde" an wor e Geschenk vun de Fransousen un d'Amerikaner fir de centenaire vun hirer Onofhängegkeet. Wat sollt de message sin vun der zweeteelster un déi eelsten Demokratie vun der Neizäit? Datt de Fräiheetsgedanken muss partagéiert ginn, datt en net nemmen engem eenzelne Land zousteet. Et dierf een d'Fräiheet net jalousement fir sech behalen, soss huet een näischt verstan an d'Fräiheet net verdengt! Wann d'Amerikaner firun 65 Joer just no sech gekuckt hätten, da géiw et Letzebuerg haut net méi ginn. An deem contexte soll een och déi Geschicht mat der Gëlle Fra gesin: mir schecken sie an e Land, wat eng Diktatur ass a revendiquéiren stolz "La liberté éclairant le Monde" firun zéngdausenden Chinesen, déi sie all Dag gesinn (an net eng Kopie), an déi des Fräiheet (nach) net hunn. Ass dat da kee positive message vu Solidaritéit?
    Fräiheet ass e bien commun. Deess woren sech d'Philosophes des Lumières am 18 Jh. bewosst, an hir Schreften hun net nemmen déi franséisch, mais och a fir d'éischt déi amerikanesch Revolutioun erméiglecht. Entschellegt also, datt ech heiandsdo Voltaire liesen - soss wir ech wahrscheinlech och géint d'Rees vun der Gëlle Fra.