Die „Gëlle Fra“ geht auf Reisen. Als Symbol des Friedens soll die Statue den Luxemburger Pavillon bei der Weltausstellung in Schanghai schmücken. Das Großherzogtum setzt damit ein ganz besonderes Zeichen: Es teilt das Sinnbild nationaler Unabhängigkeit sozusagen mit der ganzen Welt. Das ist eine Geste, die Mut erfordert. Mut, sich (wenn auch nur für einige Monate) von einem Monument zu trennen. Mut auch, ausgerechnet in China mit einem Symbol für Freiheit und Demokratie aufzutreten. Mag sein, dass das die Führung in Peking kaum beeindrucken wird. Und doch: Luxemburg setzt ein Zeichen.
Dass die Bereitstellung der „Gëlle Fra“ als Leihgabe für Fernost hierzulande Stoff für angeregte Diskussionen bieten würde, dessen waren sich Regierung und Planer des Projekts Weltausstellung sicher bewusst. Und es ist eigentlich auch nichts gegen eine kontrovers geführte Debatte einzuwenden. Es geht schließlich um ein national relevantes Symbol, das wie kaum ein anderes für die Souveränität der Nation steht. Die „Gëlle Fra“, oder besser gesagt die griechische Siegesgöttin Nike, krönt die toten Helden mit dem Lorbeerkranz. Die Botschaft ist klar: Ehre jenen, die für die Freiheit ihr Leben ließen. Im übertragenen Sinne bedeutet das: Nie wieder Krieg.
Nie wieder Krieg. Das heißt nie wieder Unterdrückung, nie wieder Gewalt, Elend und Leiden. Das alles sagt uns die „Gëlle Fra“. Das wollte übrigens auch die kroatische Künstlerin Sanja Ivekovic 2001 mit ihrem Werk „Lady Rosa of Luxembourg“ zum Ausdruck bringen. Die „schwangere“ Kopie der Statue des Künstlers Claus Cito wurde zum Gegenstand einer heftigen Polemik, die oft am Thema vorbeigeführt wurde. Besonders grotesk war dabei, dass sich aufgebrachte Patrioten und Künstlerin in dem, was sie mit Nachdruck vermitteln wollten, nicht widersprachen. Ganz im Gegenteil. Knackpunkt war die Form der Darstellung. Provokation? Vielleicht. Doch Kunst muss provozieren können. Dort wo sie das nicht tun kann, sind meist auch Demokratie und Menschenrechte in Gefahr.
Der neue, befristete Aufenthaltsort der echten „Gëlle Fra“ könnte vor diesem Hintergrund kein besserer sein. Unser Symbol für Freiheit und damit einhergehend für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ist in China am richtigen Ort. Nun sollten wir auch den Mut aufbringen, den Chinesen zu erklären, was gemeint ist.
Was jene beabsichtigen, die in Luxemburg politisch gegen die bevorstehende Reise von „Our Lady of Luxembourg for Peace“ mobil machen, liegt auf der Hand. Sie, die Populisten, wittern Morgenluft und hoffen mit einfachen Parolen politisch zu punkten. Wer von einem „schänterleche Mëssbrauch vun engem nationale Monument“ schreibt und der Regierung einfach so vorwirft, „kee Respekt virum Undenken un d'Krichsaffer“ zu haben, zeigt mit dieser Wortwahl sein wahres Gesicht.
Ja, die „Gëlle Fra“ gehört auf die Place de la Constitution. Als starkes Symbol, als Zeichen der Erinnerung, als Mahnmal für die kommenden Generationen.
Ja, die „Gëlle Fra“ soll nach China reisen und dort als starkes Symbol für Luxemburg werben. Für eine kleine Demokratie im Herzen Europas, die leidvoll erfahren hat, wozu Totalitarismus, Unterdrückung und Krieg führen.