(jot) - Die Hochofenanlage von Esch/Belval soll in ihrer Funktionalität als industrielles Kulturgut erhalten bleiben. Die Realität sieht dem Mouvement écologique und der „Amicale des hauts fourneaux A et B de Profil-Arbed Esch/Belval“ zufolge jedoch anders aus. „Seit 13 Jahren wurden keine Arbeiten mehr durchgeführt, die als positiv zu bewerten sind. Vieles wurde abgerissen. Der Standort ist zudem nicht mehr für Besucher zugänglich“, so Roby Gales, Präsident der Amicale.
Der Mouvement écologique und die „Amicale des hauts fourneaux A et B“ werfen dem Bauten- und Kulturministerium und dem Fonds Belval eine Politik der vollendeten Tatsachen vor. Seit Februar 2009 würden die beiden Ministerien nicht mehr auf Anfragen der beiden Vereinigungen reagieren. Stattdessen seien wichtige Teile der Hochofenanlage, wie beispielsweise das Pumphaus und die Kommandoräume, zerstört worden.
Was das geplante nationale Zentrum für Industriekultur angeht, so bleiben in den Augen der beiden Vereinigungen noch viele Fragen zum Konzept offen. Aber auch die Kosten, die für die Restaurierungsarbeiten an der Hochofenanlage veranschlagt werden, sind den beiden Vereinigungen ein Dorn im Auge. Sie sprechen angesichts von 13,7 Millionen Euro von einer Verschwendung von Steuergeldern. Die Instandsetzung der Hochofenanlage Phoenix in Dortmund habe nur 3,1 Millionen Euro gekostet.
Der Mouvement écologique und die „Amicale des hauts fourneaux A et B“ prangern auch die Baudichte auf der Hochofenterrasse an. Sie können nicht nachvollziehen, dass Gebäude der Uni Luxemburg auf wenigen Metern Distanz zu den Industriedenkmälern errichtet werden sollen. „Sie sollen im Viertel „Square Mile“ auf dem Gebiet der Gemeinde Sassenheim entstehen“, fordert Francis Hengen vom Mouvement écologique.
Denis Scuto vom Mouvement écologique strich die Bedeutung der Hochofenanlage hervor. „Sie ist das Aushängeschild von Esch/Belval. In den nächsten sechs Jahren werden wir nur viele Leute nach Belval locken können, indem wir auf die Kultur setzen.“ Scuto verwies in diesem Zusammenhang auf das Ruhrgebiet, das in diesem Jahr Europas Kulturhauptstadt ist. Dort sei man stolz auf die Industriedenkmäler.