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Was sagt die "Gëlle Fra"?
26.02.2010 11:50 Uhr, aktualisiert 03.03.2010 10:19 Uhr

"Ich bin kein Society-Girl"

wort.lu-Reporter führten am 25. Februar 2010 das erste und einzige exklusive Interview mit Luxemburgs wichtigster Vertreterin bei der Weltausstellung in Shanghai. Seitdem weigert sich die "Gëlle Fra" aus Protest, mit Journalisten zu sprechen. Darum ist auch davon auszugehen, dass kürzlich erschienene Interviews grobe Fälschungen sind.



Foto: Serge Waldbillig
Es gibt kein Zurück: Die "Gëlle Fra" wird Luxemburg bald verlassen.

Guten Abend Frau Gëlle Fra. Seit Jahren blicken Sie von Ihrem Sockel auf die Hauptstadt herab. Nun sollen Sie ein halbes Jahr lang nach Shanghai umziehen. Haben Sie sich bereits mit diesem Gedanken anfreunden können?



Foto: Marc Wilwert
Der Luxemburg-Turm von François Valentiny in Trier: Bei gutem Wetter hat die "Gëlle Fra" Blickkontakt zu ihm.

Ich bin immer noch hin- und her gerissen. Ich bin eine Frau mit Gefühlen, ich reagiere stark emotional und es berührt mich schon sehr, wie viele Luxemburger an mir hängen. Das lässt mich nicht kalt. Glauben Sie mir: Das macht auch mir die Entscheidung schwer, obwohl ich ansonsten eigentlich ein sehr entscheidungsfreudiger und rational handelnder Mensch bin.

Trotzdem möchte ich eines klarstellen: Die Idee, dass ich ein halbes Jahr lang nach Shanghai umziehen soll, stammt von mir. Ich habe den Vorschlag bereits vor etwas mehr als zehn Monaten gemacht. Allerdings hat es sehr lange gedauert, bis sich die Luxemburger Veranstalter wieder bei mir meldeten. Manchmal sind die Entscheidungswege hier zu Lande doch noch sehr lang. Ich habe mich in dieser Angelegenheit mittlerweile auch an den Ombudsmann gewandt. Oder sagt man gewendet? Manchmal fällt es mir doch schwer, mich auf Deutsch auszudrücken. Ich spreche meistens Luxemburgisch.

Am Donnerstag bekamen Sie Besuch von Gerüstbauern. Sie sind also fest gewillt, nach China zu gehen?

Auf der einen Seite reizt es mich sehr, in Shanghai für das Großherzogtum werben zu dürfen. Besonders freue ich mich auch auf eine Begegnung mit der kleinen Meerjungfrau und auf Gespräche mit jungen Frauen aus aller Welt. Auf der anderen Seite muss ich aber zugeben, dass ich eigentlich ein bodenständiger, pardon ein sockelständiger Mensch bin. Ich bin noch nie in meinem Leben geflogen und die Flugangst macht mir schon jetzt zu schaffen. Ich habe aber bereits erste Kontakte mit einem Therapeuten aufgenommen und werde mich Anfang kommender Woche gegen ansteckende Krankheiten impfen lassen. Die Mitarbeiter des Reisebüros haben wirklich an alles gedacht.

Bei der Weltausstellung in Shanghai werden Sie Gäste aus aller Welt begrüßen. Was werden Sie diesen Gästen sagen?

Ich habe in den vergangenen Wochen lange Gespräche mit Ausstellungskommissar Robert Goebbels, mit Mitgliedern des Board of cultural development und mit meinem Personal-Trainer Pierre Dillenbourg geführt. Wir werden uns bis Mitte April auf ein Konzept einigen. Ich behalte mir aber ausdrücklich ein Mitspracherecht vor. Wichtig – das glaube ich zumindest – wird es sein, Luxemburg differenziert und vielschichtig darzustellen.



Foto: H&V
Der Luxemburger Pavillon in Shanghai. Die Weltausstellung wird am 1. Mai eröffnet.

Wie wollen Sie es schaffen, Klischees zu umschiffen?

Das Großherzogtum ist mehr als nur das Pei-Museum, mehr als nur die Kasematten, mehr als nur das Ginsterfest und mehr als nur dieser Vertrag von Schengen. Luxemburg bekommt noch in diesem Jahr einen zweiten Saturn-Markt, Luxemburg hat einen Nachtmarathon mit wechselnden Austragungsorten, Luxemburg hat ein Ego-Bezahlsystem und in Luxemburg wird ein Velodrom gebaut. All diese Aspekte werden die Besucher der Weltausstellung mit Sicherheit stark interessieren. Ich habe vor, Workshops und Prominenten-Treffen zu veranstalten. Architekt Pei wird mich dabei unterstützen. Mit ihm habe ich bereits ein – wie man in unseren Kreisen zu sagen pflegt - Public-Private-Partnership vereinbart.



Foto: Fern Morbach
Ein starkes Stück Luxemburg - und doch sagt die "Gëlle Fra" von sich, sie habe Flugangst.

Aus Ihren Aussagen kann man schließen, dass sie in Shanghai als Society-Girl auftreten möchten?

Ich muss doch sehr bitten. Ich bin kein Girl. Ich bin eine reife Frau. Man gönnt sich doch auch sonst nicht alles. Ich nehme die Strapazen einer langen Reise in der Cargolux-Holzklasse auf mich. Sie müssen mir schon zugestehen, dass ich bei der Weltausstellung meine Vorzüge ins rechte Licht rücken werde und mich selbstreferenziell als Botschafterin positionieren möchte, so wie Franz Kafka es in seinem Spätwerk über die psycho-soziale Komponente in der postmodernen Event-Kultur beschrieben hat. Ich tue das aber nicht für mich. Ich tue das für die Stadt und das Land Luxemburg, für Europa, für die ganze Welt und für die Vinsmoselle. Ich bin sicher, ich werde einen starken Eindruck hinterlassen.

Daran zweifeln wir nicht, aber…

… unterbrechen Sie mich nicht! Glauben Sie mir: Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten auf meinem Sockel viele Prominente kommen und gehen sehen. Ich weiß, wie das Geschäft läuft. Meine Geschäftspartner und Sponsoren wissen das auch. Ich werde ihnen exklusive Rahmenbedingungen zur Selbstdarstellung liefern. Nachdem meine Teilnahme an der Expo bekannt wurde, haben sich bereits sieben Parlamentskommissionen entschieden, ebenfalls nach China zu reisen. Seien Sie ehrlich: Wer in Luxemburg würde es innerhalb so kurzer Zeit schaffen, derart viele Politiker zu bewegen?

Konnten Sie sich bereits ein Bild vom Luxemburger Pavillon machen?

Ich habe mir Fotos angeschaut und die Pläne erklären lassen. Ich bin seit längerem mit dem Architekten des Pavillons befreundet. François Valentiny lädt mich jedes Jahr zu seiner 1.-Mai-Party ein – ich glaube wir haben uns auch schon mal in seinem schönen Garten getroffen. Dieses Jahr wird die Party nicht in Remerschen, sondern in Shanghai stattfinden. Auch das ist ein Ereignis. Ein Stück Luxemburger Garten-Party-Kultur wird einfach exportiert.

Ich bin sehr auf den Pavillon gespannt. Eine kleine Vorstellung habe ich aber schon. Bei gutem Wetter in Luxemburg reicht mein Blick von der Place de la Constitution in Luxemburg bis zum Petrisberg in Trier; dort steht der von Valentiny erdachte Luxemburg-Turm. Für mich ist dieser direkte Blickkontakt auch menschlich sehr wichtig – so kann ich mich mental auf mein Gastspiel in Shanghai vorbereiten.

Eine letzte Frage: Was halten Sie von all den Umfragen, Internet-Diskussionen und Facebook-Forderungen?

Wir – meine Berater und ich – verfolgen dies mit Interesse. Wir werden uns dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen lassen und konsequent auf unserem Weg weitermarschieren. Wir haben eine Mission zu erfüllen und können nicht auf jeden einzelnen hören. Ich selbst werde in den kommenden Tagen und Wochen aber verstärkt das Gespräch mit den Luxemburgern und mit den Luxemburgerinnen suchen. Ich werde eine Pressekonferenz geben und ich werde Journalisten nach Shanghai einladen. In einem Blog werde ich auch in der ersten Mai-Woche täglich auf wort.lu aus der chinesischen Stadt berichten – das verspricht ein großer Spaß zu werden und ist für mich eine interessante Herausforderung.

Ihre Meinung zum Thema

( 10 )
  • T. Opert meint:
    04.03.2010, 13:12 Uhr
    Niveaulos Commentairen sin eng Saach, mee bei engem derart niveaulosen Artikel, do kann een näischt besseres erwaarden a brauch sech och nit wonneren...
    An dann su Saache wi "net nemme Pei Musée a Kasematten". Ob et engem gefällt oder net, daat gehéiert nu mol Kultur a Geschicht vu Lëtzebuerg. Waat huet an deem Kontext ee Saturn-Kommerz-Konsum-Maart ze sichen?

    Mee bon, mir si jo hei beim "Wort", da passt et rem an d'Bild ;-))
  • Nic Scheitler meint:
    27.02.2010, 18:42 Uhr
    Get et dann elo op emol gudd Lëtzeburger an schlecht Lëtzeburger? Schlecht Lëtzeburger déi d'accord sin mat der "Action" < Gëlle Fra >,gudd Lëtzeburger déi sech d'Fangeren kromm schreiwen mat Kommentaren déi et net derwärt sin fir se ze liesen.(Leider muss een et machen)Hun mir wirlech keng aner Problemer? Den R.G. huet fir mech en Freiden déi néideg Erklärungen gin an als fräien (vileicht schlechten Lëtzeburger) respektéieren ech dat,ouni den R.G.,zwanzech Leit(?) oder déi ganz Regierung als DEGUTANT ze bezeechnen.
    Esou an och divers aner Aussoen hun absolut néischt méi mat enger konstruktiver Kritik an Argumentation ze dinn.Se beweisen just "wes Geistes Kind sie sind ".
  • Marc Urhausen meint:
    27.02.2010, 10:29 Uhr
    .... ma vergonnt der Madame « Gëlle Fra » dach hiere Spaass! Et soll emol een hier dat nomaachen: Daag a Nuecht op engem Sockel ze stoen, an dat bei all Wieder! Elo huet sie emol d’Geleeënheet d’Welt ze gesinn, esou wéi vill Lëtzebuerger dat Joer fir Joer man, a nach laang nët jiddereen säi Land esou gudd vertrëtt wéi sie dat wärt maachen!
    Ech wënschen eng gudd Rees, a kommt nees gudd heem.
  • Sacha B. meint:
    26.02.2010, 23:24 Uhr
    Daat waat een selwer net versteet gëtt dann elo erëm als Klengkaréiert ofgestempelt...
    Et huet jo lang gedauert bis e sougenannten Guddmënsch optaucht an seng enorm Wäisheeten hei lassgëtt.
  • Becher-Lein Jean meint:
    26.02.2010, 18:51 Uhr
    Degoutant waat hei leeft !
    ---
    Degoutant wei "Vollekrsvertrieder" wei den R.G. schalten a walten wei si welten
    ...
    Degoutant wie hei ee ganzt Vollek als Geisel fir een Selbstduerstellungstripp vun enger Kast vun 20 Leit geholl get.
    ---
    Degoutant wei dei Leit, dei lo am Moment neischt soen (z.B. eis ganz Regierung) sech am Hierscht zu Schanghai wärten op Staatskäschten drecken fir op d´Photoen !
    ---
    Madame, wiert Iech ! Nach as Zeit !
  • Tréiss Muller meint:
    26.02.2010, 17:04 Uhr
    Madame,
    Fannt Dir dat net och gelungen, datt äusgerechent déi Leit, déi anscheinend esou vill fir d'Fräiheet sinn grad Ierch lo wellen aspären? Als gudd Stackletzeboier ginn sie natierlech gären an oft an d'Äusland, an de Mediamarkt op Tréier, op Sterpenich an den Ikea, an natierlech mam Fausti op d'Päischtcroisière. Eben iwerall dohinner, wou een och op aner Letzeboier fällt, déi frou sinn, hir hart erkämpfte Fräiheet genéissen ze kennen. A lo wellt Dir, Madame, Symbol vun deser Fräiheet, just eemol fir e puer Méint eppes vun der wäiter Welt gesinn, a scho kennt de Letzeboier Patriot an wellt ierch Ketten uléen. E schéine Fräiheetsgedanken ass dat doen.
    Gidd Dir roueg op Shanghai, Madame, eis Fräiheet gellt och fir Ierch. Mir ginn dann an den Hornbach e Gaardenzwerg kafen (made in China), deen esou laang d'Stellung hält - dat passt souwisou besser bei dee groussen esprit cosmopolite, deen de Letzeboier lo erem enner Beweis stellt.
  • CESHA .. meint:
    26.02.2010, 16:14 Uhr
    49% (wann net esouguer 93%) vun de Lëtzebuerger sinn dergéint - an eis Politiker maache, wat si wëllen:
    Typisch!
    "Vox populi, vox Rindvieh" oder wat?
  • Mulles Hemmer meint:
    26.02.2010, 15:28 Uhr
    Gud dat hire Kranz net schwetze kann, wéi hei: http://www.rauschpuppe.com/Plakat21.html

    Mulles resselt de Kapp
  • Jean Hein meint:
    26.02.2010, 14:46 Uhr
    wie schön das alles klingt.....hinterläst aber einen bitteren Geschmack daß es hier Leute gibt die an den Hebeln sitzen und tun können wie sie es für gut halten was die Leute aber davon halten das scheert sie einen Deut....und was die Chinesen davon halten sowieso.
  • Paul Heyman meint:
    26.02.2010, 13:05 Uhr
    Hello Golden Girl, oder ass et Gëlle Madam?

    Eng Fro as am Fong schéin ëmgaang gin:
    Sidd dir eigentlech mam lëtzebuerger Vollek bestued oder mat denen di Dir är "Beroder" nennt?

    Sidd Dir dann elo t'Fraiheetssymbol vum Lëtzeburger Vollek oder sidd Dir eng Vendeuse fir ons Politiker? Diselwescht "Beroder" di onst Land bradéiert hun un t'eu ouni de Bierger ze froen?
    Dass Dir elo aus dem Land fortzitt, ass och ganz symbolesch (an dann nach grad op Shanghai!!). Dir loosst e Vakuum zeréck. E Vakuum vun Fraiheet, mat engem batteren Nogeschmaach vun Diktatur.
    Denkt un di Geschicht mam Kueb an mam Fuuss! Den Dommen an der Geschicht wor de Kueb uewen op sengem Sockel, nodeems hien (oder hat?) wéinst sengem gudden "Beroder" sain Kéis (oder seng Fraiheet) falen gelooss huet.

    Ech weess virun 60 Joer hun se schons emol versicht Iech Daitsch baizebréngen op eng zimmlech brutal Manéier. Mee, wir et nëtt mi anständeg gewiescht, Dir hätt deen Interview einfach op lëtzebuergesch gin? Dir schwàtzt jo aawer nach lëtzebuergesch, oder nëtt?

    Ech haett nach eng Froo: kënnt Dir dem LW nëtt ë bëssen Basis-Arithmetik baibréngen? Dann haetten mer e ganzt aanert Bild iwwert Lait di Iech wëllen aus dem Land hun! T`LW schéngt nach ëmmer an enger Referendums-Logik ze rechnen. 7% dofir, keng Abstentioun, gin 93% géint ären Départ. An nëtt 49%!

    Ech faerten de Biirger waert iech Aer On-traiheet schwéierlech verzeien! Vun der Fraiheet léisst sech keng Kopi machen!