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Thematik Sperrstunde
25.02.2010 10:12 Uhr

Nachts nur rund 20 Polizisten in der Hauptstadt verfügbar

Hauptstadt-Bürgermeister schlägt Verbot des Alkoholverkaufs an Tankstellen vor



Foto: Laurent Blum
Die Stadt Luxemburg ist wegen zunehmender Lärmbelästigungen und Verunreinigungen wie hier an der Rives de Clausen gefordert.

(raz) - Beim „City Breakfast“ in der Hauptstadt ging Bürgermeister Paul Helminger auf die Problematik der Öffnungszeiten der Gaststätten ein. Knackpunkt ist bekanntlich die eventuelle Vereinheitlichung der Sperrstunde.

Diese ist nämlich nicht einheitlich, was zu Unzufriedenheit bei den Betreibern der Gaststätten im Stadtgrund und Clausen führt. Der Betreiber des „Melusina“ hat gegen die Stadt Luxemburg geklagt, da diese ihm eine Verlängerung der Öffnungszeit bis 6 Uhr morgens verweigerte – eine Möglichkeit, die für die Wirte in der Oberstadt besteht.

Paul Helminger erklärte die Problematik: Während der „secteur protégé“ der Oberstadt auf reglementarischer Ebene in einem Atemzug mit den „quartiers à usage exclusivement résidentiel“ genannt werde, sei dies für den „secteur protégé des vallées de la Pétrusse et de l'Alzette et du promontoire du Rham“ nicht der Fall.

„Zone de non-droit“

Das Verwaltungsgericht müsse nun entscheiden, ob für den Stadtgrund und Clausen die gleichen Regeln gelten sollen wie für die Oberstadt. Dort sei es – wie am Bahnhof, im Centre Hamilius und auf der Kinnekswiss – praktisch zu einer „zone de non-droit“ gekommen: Abends gebe es in der Rue de la boucherie Lärmbelästigungen und Verunreinigungen durch junge „Banden“, die sich an Tankstellen Alkohol kaufen und diesen auf der Straße konsumieren. Strafbar sei die Trunkenheit in der Öffentlichkeit heute aber nicht mehr.

Helminger erinnerte an die Idee einer Abschaffung der Sperrstunde: „Die Erfahrung in anderen Städten zeigt, dass es dann viel ruhiger abläuft.“ Allerdings gebe es in den entsprechenden Ländern auch eine detaillierte Regelung über die Nachtruhe: In Paris z.B. bestehe eine in Dezibel festgehaltene Lärmgrenze, die von den „agents municipaux“ kontrolliert werden könne. Dies brachte Helminger dazu, erneut eine Ausdehnung der Kompetenzen der „Pecherten“ zu fordern. In allen anderen Städten existiere eine „police municipale“, doch in Luxemburg werde kein zweites Polizeikorps gewünscht.

Die Polizei selbst verfüge nicht über genug Personal: Für die Region Zentrum gebe es zwar rund 130 Polizisten, doch nach Berücksichtigung von Wochenenden, Urlaub, Krankmeldungen usw. seien in der Nacht nur 15 bis 20 Polizisten für das Stadtgebiet verfügbar. Fußpatrouillen zur Einhaltung der Nachtruhe hielt Helminger deshalb für illusorisch.

Wirksame Lösungen für diese Probleme können laut Paul Helminger nur auf gesetzlicher Ebene herbeigeführt werden. So warf der Bürgermeister gestern auch die Frage auf, ob Alkohol überhaupt noch frei an Tankstellen erhältlich sein sollte.

Ihre Meinung zum Thema

( 4 )
  • Romain Dehm meint:
    25.02.2010, 23:12 Uhr
    Die Sicherheitslage in der luxemburgischen Hauptstadt ist gelinde gesagt bedrohlich.Die stark unterbesetzte Polizei kann in den meisten Fällen nur Schadensbegrenzung betreiben.Dieses Problem ist nicht von heute,sondern längst bekannt.Da darf doch wohl die Frage erlaubt sein,warum nichst gegen dieses Phänomen unternommen wird.Ein paar "Pecherten" mit besonderen Befugnissen an die Front zu entsenden ist gemessen am Ernst der Lage nur als lächerliches Flickwerk anzusehen.Eine unverantwortliche Schlamperei wäre es in diesem besonders heiklem Thema die Augen zu verschliessen und so zu tun als wäre die Sicherheitslage unter Kontrolle.Hier können auch die besten ausgeklügelten Statistiken die latente Angst der Einwohner nicht nehmen.20 Polizisten sind also zuständig für "Law and Order" made in Luxemburg-City.Wenn das mal nicht in die falschen Ohren kommt.Da würde doch eine Bande à la "Hells Angels" genügen um Luxemburg zu putschen.Wahrlich,kein gutes Gefühl.Eine Hundertschaft an Polizisten wären nötig,um mit Fusspatrouillen und Präsenz an neuralgischen Plätzen das Sicherheitsgefühl der Einwohner zu steigern.Auch sollte jederzeit unsere bestausgebildete Spezialeinheit der Polizei einsatzbereit sein.Eines ist sicher,ein neues Sicherheitskonzept muss schleunigst in die Wege geleitet werden.Denn wir leben nicht mehr in einem Dorf wo "Chef Cruchot" und "Adjudant Gerber"die Front der Polizei bildeten.Im Gegenteil,Dirty Harry" muss her.So sieht nun mal die ungeschminkte Realität aus.
  • Quartier Gare meint:
    25.02.2010, 17:20 Uhr
    „Zone de non-droit“ bezieht sich ja nicht nur auf Alkohol und Lärm, aber auch auf Prostitution und Drogenverkauf. Sicher ist es schwer mit 20 Polizisten diese Probleme im Griff zu kriegen in unsere Europaische Hauptstadt!??? Ist ja nur eine Ausrede!? Wer hat ja Interesse diese Probleme zu verlagern? Ich lebe im „Quartier de la gare“ und es ist wirklich lächerlich was sich hier ablauft. Zum Beispiel, Ich habe mein Auto Dienstagabend in der Rue du Commerce geparkt, und plötzlich riss jemand meine Beifahrertür auf und sagte: „Bitte Parken Sie irgendwo anders, Ich arbeite hier“. Es war natürlich eine Prostituierte. Als Einwohner vom Bahnhofsviertel fühle Ich mich wirklich nicht sicher und hoffe dass die Stadt Luxemburg sich auch einsetzt für uns „les habitants du quartier de la gare“. Ohne Hoffnung gibt es kein Morgen.
  • Marc Kneppel meint:
    25.02.2010, 12:35 Uhr
    Am Plaatz keen Alkohol op den Tankstellen sollen se op genau deenen Plaatzen wou et bis 06:00 Auer HochdieGläser geet ab 22:00 Auer keen Alkohol mei verkaafen.Dann bleiwt et bedeitend mei roueg !
  • Raoul Neve meint:
    25.02.2010, 11:37 Uhr
    Die Verlängerung der Sperrstunde wird die katastrophale Situation der Einwohner in Clausen und Stadtgrund nur noch verschlimmern. Die geplante Verlängerung der Sperrstunde ist eine Maßnahme, die den Betrieben in Clausen und Stadtgrund wie auf den Leib geschneidert ist und Kunden aus dem ganzen Land bis 6 Uhr früh anziehen wird. Das Resultat: noch mehr Verkehr, noch mehr Lärm durch randalierende und gröhlende Betrunkene, noch mehr Verschmutzung, noch mehr Vandalismus, noch mehr Verkehrsunfälle. Es ist illusorisch zu glauben, dass es durch die Verlängerung der Sperrstunde gesitteter zugehen wird. Die Sperrstunde verschiebt sich ja bloß nach hinten. Da besonders die Betriebe in Clausen von der neuen Reglementierung profitieren, um regelmäßig bis 6 Uhr zu öffnen, werden hier noch mehr Menschen zusammenkommen, die um diese Uhrzeit leider oft nicht mehr ganz zurechnungsfähig sind, dafür aber häufig aggressiv. Der große Krach beim Heimfahren wird dann eben um 6 Uhr losgehen! Wer um 3 oder 4 Uhr noch an den Tresen kommt, bleibt, bis die Kneipe zumacht. In Wahrheit geht es bei diesem Plan nicht um die Rechte der Einwohner oder darum, dass es ruhiger ablaufen soll - es geht um größtmögliche Profitmaximisierung für die Café- und Diskothekenbetreiber.