Von Dan Roder
In ganz Luxemburg wurde am Wochenende versucht, dem Winter beim traditionellen „Buergbrennen“ den Garaus zu machen. Mit mäßigem Erfolg, wie sich zeigte. Nur Stunden, nachdem die ersten Burgfeuer am Samstagabend abgebrannt waren, hüllte eine Schneedecke das Land wieder in unschuldiges Weiß. So recht störte sich daran aber niemand. Mittlerweile ist die Pflege des auf heidnisches Brauchtum zurückgehenden Rituals sowieso zu einem geselligen Spaß der Dorfgemeinschaften geworden – Fackelzug, Feuerwerk, Glühwein und „Ierbessebulli“ inklusive.
„Nun geht die Arbeit von Stunden binnen Minuten in Flammen auf“, grinste Guy verschmitzt beim Anblick der in Flammen stehenden Burg.
Seit dem Morgengrauen waren er und seine Freunde vom örtlichen Jugendverein damit beschäftigt gewesen, das aus zwei Baumstämmen zusammengenagelte Kreuz mit Strohballen und Holzabfällen zu versehen und schließlich aufzurichten.
Während der vergangenen Woche hatten sie im Ort brennbare Materialien zusammengetragen. Ebenso ungestüm wie die Wucht, mit der der Winter in diesem Jahr zugeschlagen hatte, sollte nun auch das Feuer brennen, mit dem es die kalte Jahreszeit zu vertreiben gilt.
Die mehr als 100 Zuschauer, die sich dieses Spektakel trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht entgehen ließen, bereuten ihren abendlichen Spaziergang zu der Anhöhe am Dorfrand, dort wo die Burg nun in den nächtlichen Himmel leuchtete, nicht. Die Stimmung war ausgelassen. Bereits beim Anmarsch im Fackelzug wurde gesungen. Und auch als nur noch der übriggebliebene Aschehaufen glühte, wurde bei Stimmungsmusik vom Band weiter auf den erwarteten Frühling angestoßen.
Ob der allerdings so schnell eintreffen wird, bleibt fraglich. Gestern Sonntag lagen bereits wieder weite Teile des Landes unter einer weißen Decke verborgen und für den Lauf der Woche haben die Meteorologen weitere Schneefälle angekündigt.
Doch auch wenn der Winter mit den Freudenfeuern an diesem ersten Samstag und Sonntag der Fastenzeit noch nicht endgültig vertrieben werden konnte, so bleibt doch die Hoffnung, dass das traditionelle Burgbrennen zumindest fruchtbare Äcker und gute Ernten bescheren wird.
Viele Bräuche haben sich in der Tradition irgendwann selbst überlebt. Die brennenden Holzkreuze, die am Wochenende überall im Land das Dunkel der Nacht erhellt haben, sind jedoch als ein Beleg dafür zu deuten, dass das Burgbrennen als Veranstaltung Bestand hat.
Wenn sich heute auch nicht mehr überall das letztvermählte Paar im Ort dazu überreden lässt, das Feuer anzuzünden, so hat sich dieser Brauch in der Tat einen festen Platz in der Agenda vieler Orte und Vereine gesichert. Das Burgbrennen, so konnte man immer wieder hören, biete eine Menge Spaß und ein paar Stunden geselligen Zusammenseins.