wort.lu | Lëtzebuerg | „Sie hatten einen Riesenspaß, mich fertig zu machen“
 
Mobbingopfer im Interview
09.10.2009 13:38 Uhr, aktualisiert 12.03.2010 14:43 Uhr

„Sie hatten einen Riesenspaß, mich fertig zu machen“

Ein Mobbingopfer spricht über seinen Leidensweg

Von Hülya Atasoy

„Es tat weh, ich war am Ende meiner Kräfte und konnte mich nicht wehren“: Das sind die Worte einer jungen Frau, die jahrelang auf ihrer Arbeitsstelle gemobbt wurde. Beteiligt waren daran jedoch nicht nur ihre Arbeitskollegen, sondern auch ihr Vorgesetzter. In einem Interview mit wort.lu schildert Nora K. (Name v. d. Red. geändert) ihren Leidensweg.

Frau Nora K., Sie haben vor einigen Jahren die Beratungsstelle Mobbing asbl aufgesucht. Was war geschehen?

Nora K.: Ich wurde sexuell belästigt, auf dem Flur angerempelt, beim Chef angeschwärzt und es wurden anonyme Briefe an die Direktion geschickt. Auch wurde ich per SMS belästigt. Ausgegangen war das Mobbing von der Chefetage, später haben sich daran auch meine Arbeitskollegen und einige „Trittbrettfahrer“ beteiligt. Sie hatten sich alle einen Riesenspaß daraus gemacht, mich fertig zu machen. Dabei möchte ich erwähnen, dass nicht direkt in meine Arbeit eingegriffen wurde. Das Mobbing war vielmehr privater und moralischer Natur. Hinzu kamen - nicht zu vergessen – die ekligen sexuellen Belästigungen.

Wann suchten Sie Hilfe auf?

Nora K.: Als es fast schon zu spät war und ich moralisch, körperlich und gesundheitlich total am Ende war. Ich suchte Hilfe auf, nachdem ich schon einige Jahre lang gemobbt wurde und ich auch in meinem privaten Leben den Halt verlor. Ich war immerzu unruhig und hatte keine Kraft mehr. Zudem wurde mir allein schon bei dem Gedanken, zur Arbeit zu fahren, übel und ich musste mich übergeben. Ich hatte soviel Angst, dass ich einen regelrechten Nervenzusammenbruch erlitt.

Das, was ich damals empfand, lässt sich damit vergleichen, als würde eine vergewaltigte Frau jedem Tag ihrem Peiniger gegenübertreten müssen.

Ich habe zum Glück meinen Weg zu Monique Breisch von der Mobbing asbl gefunden. Dort wurde ich nie im Stich gelassen. Man mir gezeigt hat, dass ich ein Mensch bin, der es verdient hat, respektiert zu werden. Vor allem aber wurde ich ernst genommen.

Wie haben Sie es geschafft, sich aus der Mobbing-Situation zu befreien?

Nora K.: Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass man es niemals ganz überwindet, wenn man gemobbt wurde. Die Erfahrungen, die man dabei macht, können jedoch positiv genutzt werden. Damit meine ich, dass man die Hintergründe des Mobbings hinterfragen und anderen Opfern helfen kann, indem man auf die Problematik aufmerksam macht. Wer kann nämlich ein Opfer besser verstehen, als ein Opfer selbst?

Das Mobbing zerstört die Gefühle eines Menschen und leider kommen viele Opfer auf den Gedanken, selber schuld zu sein. Manche greifen daraufhin zum Alkohol, andere verlieren ihren Lebenswillen oder sie setzen ihrem Leben ein Ende.

Mit ganz viel Hilfe von der Mobbing asbl, meinen Ärzen und meiner privaten Umgebung habe ich es geschafft, mich nicht ganz von der Mobbing-Situation einnehmen zu lassen. Selbstverständlich muss man auch viel an sich selbst arbeiten, um die Energie aufzubringen, für sich zu kämpfen. Ich wusste aber immer, dass ich die Wahrheit gesagt hatte und mir selbst treu geblieben war. Ich denke, dass mich dies am Leben erhalten hat. Zudem habe ich gelernt, meine Erfahrungen mit anderen Mobbingopfern zu teilen. Wenn auch jedes Opfer seinen eigenen Weg zur Lösung des Problems finden muss, so war dies zumindest meine persönliche Strategie. Die Mobber sollen verstehen, was sie ihren Opfern antun.

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