Mobbing
09.10.2009 09:55 Uhr, aktualisiert 09.10.2009 19:21 Uhr

Psychoterror am Arbeitsplatz

Mobbing ist in Luxemburg ein ernstes Problem



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Lästern, Gerüchte verbreiten oder das Androhen von Gewalt: Mobbing hat viele Gesichter.

Von Hülya Atasoy

Ein Konflikt unter Arbeitskollegen – das kommt mal vor und ist nicht wirklich besorgniserregend. Doch wenn ein Mensch systematisch und wiederholt schikaniert und psychisch attackiert wird, spricht man von „Mobbing“. Konkret versteht man darunter etwa das Ignorieren eines Arbeitskollegen, das Vorenthalten von Informationen, ständige Kritik, Telefonterror oder gar das Androhen von Gewalt.

Die über lange Zeit ausgeübten Feindseligkeiten können bei einem Mobbingopfer unterschiedliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Neben Schlafstörungen, Herz-Kreislaufproblemen, Depressionen, Angst- und Panikattacken können sie auch zu einem Burn-Out führen. Monique Breisch, Leiterin der Mobbing asbl, weiß sogar von versuchten Selbstmorden zu berichten: "Im vergangenen Jahr haben drei Menschen versucht, sich das Leben zu nehmen und dieses Jahr waren es schon zwei."

Mobbing ist in Luxemburg ein ernstes Problem, das sich in Zeiten der Wirtschaftskrise noch weiter verschärft. „Die Menschen sind ängstlicher geworden. Sie haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Das haben wir zu Beginn des Jahres gemerkt. Viele Menschen melden sich bei uns, da sie befürchten, dass jetzt mit den Ellenbogen gekämpft wird und sie so in eine Mobbing-Situation geraten“, sagt Breisch.

Großteil der Mobbingopfer weiblich

In der Beratungsstelle Mobbing asbl, die 2001 von den beiden Gewerkschaften LCGB und Syprolux gegründet wurde, werden derzeit von fünf Beratern über 100 Mobbing-Fälle betreut. „Die meisten Betroffenen sind weiblich und zwischen 45 und 60 Jahre alt“, so Breisch. Dies schließe aber natürlich nicht aus, dass auch junge Menschen auf ihrer Arbeitsstelle gemobbt werden. „Das sind dann zum Beispiel Personen, die sich noch in der Ausbildung befinden und sich in der Rechtslage nicht gut auskennen.“

Am häufigsten gemobbt wird im Handelssektor. Laut Breisch ist dies unter anderem auf die hohe Frauenquote sowie auf die Austauschbarkeit des Personals zurückzuführen. In der Folge kommt es eben häufig zu Konkurrenzkämpfen. Weitere Berufsfelder, in denen Mobbing verstärkt vorkommt, sind die Gesundheits- und die Industriebranche.



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Monique Breisch, Leiterin der Mobbing asbl, sagt, dass sich in Zeiten der Wirtschaftskrise das Mobbing-Problem verschärfe.

Vorgehensweise der Mobbing asbl

Meldet sich ein vermeintliches Mobbing-Opfer bei der Beratungsstelle, wird in einem Gespräch zunächst einmal die Sachlage geklärt. „Nicht immer handelt es sich um Mobbing. Manchmal ist es auch einfach nur ein privates oder arbeitsrechtliches Problem“, meint Breisch.

Sofern die hilfesuchende Person nun aber tatsächlich gemobbt wird, wird über das weitere Vorgehen beraten. Geklärt wird dann etwa, ob sich das Opfer selbst wehren kann, indem es etwa ein Gespräch mit dem Mobber sucht.

Ist dies nicht möglich, dann informiert die Beratungsstelle - jedoch immer nur im Einverständnis des Mobbingopfers - die Personaldelegation beziehungsweise den Betriebschef. „Manchmal wird dem Anschreiben der Mobbing asbl gar nicht oder mit einem Brief eines Anwalts geantwortet. In einigen Fällen sind die Betriebe aber auch offen für eine Lösungsfindung", erläutert Breisch. In Frage käme dann beispielsweise ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Betriebes. Eine Kündigung wiederum versucht die Beratungsstelle zu vermeiden.

Kein Gesetz gegen Mobbing

In Luxemburg gibt es kein Anti-Mobbing-Gesetz, dabei geht es laut Breisch einfach nicht ohne eine gesetzliche Grundlage, denn einige Fälle seien nicht anders lösbar.

Eine von den Sozialpartnern ausgehandelte Konvention hält jedoch zumindest fest, dass Mobbing zum Beispiel nicht geduldet wird und das Opfer als Zeuge geschützt wird. Daneben können sich Mobbing-Opfer bei Gerichtsverfahren auf eine EU-Richtlinie stützen, nach der ein Arbeitgeber verantwortlich ist für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Betroffene können die Mobbing asbl unter der E-Mail-Adresse mobbing@lcgb.lu sowie unter der Nummer 49942488 (unter der Woche von 8 bis 12 Uhr) kontaktieren. Am Dienstag- und Donnerstagabend (19 bis 21 Uhr) steht unter der Nummer 621-371212 eine Hotline zur Verfügung.

Ihre Meinung zum Thema

( 2 )
  • Joe Boden meint:
    15.11.2009, 17:30 Uhr
    Leider gehören Mobbing und persönliche Diffamierung immer mehr zum Umgangsstil in Firmen und Behörden. Die Menschen, die solche Terror ausgesetzt sind, enden oft als menschliche Fracks und kommen oft ohne professionelle Hilfe nicht mehr klar.
    Wir alle können mitwirken, unsere Gesellschaft wieder ein Stück menschlicher zu machen.
    Hilfe für Betroffene finden Sie auch hier: www.coach-praxis.de
  • Albert Kreitz meint:
    09.10.2009, 19:37 Uhr
    Dat doen wonnert mech net well mir goung et net besser virun en puer Méint. Esou Léit mussen konsequent gemellt gin an och net färten esou Nimm dobaussen an der Öffentlechkeet ze nennen well dat hun sie guer net gären an fléien ganz schnell op matt hieren Machenschaften.Wann emol esou Firma'en bis bekannt sin dann kann et emol ganz schnell vir hieren image dobaussen goen.Ech hun mam Fanger dobaussen op meng Mobber gewisen an haart driwer geschwaat.Wat Telefonsterror ubelaangt do einfach Nummer wieselen an net méi eraus gin. Dann gin sie nach méi rosen.Ech hun souguer um Handy am Betrieb ganz haart iwert sie geschwaat. Sie waren ganz schnell um Enn mat hierem Latäin.