Letzte Detailfragen offen
16.07.2009 13:28 Uhr, aktualisiert 17.07.2009 08:38 Uhr

Die Koalition steht

Die CSV und LSAP haben ihre Gespräche über einen Koalitionsvertrag abgeschlossen und sind in allen Punkten zu einer Einigung gekommen



Foto: Guy Jallay
Formateur Jean Claude Juncker und die Delegationschefs Francois Biltgen und Jean Asselborn kündigte am Donnerstagmorgen den erfolgreichen Abschluss der Koalitionsgespräche an.

(mth) - Die Koalitionsverhandlungen sind abgeschlossen, das Regierungsprogramm steht bis auf einige Details fest. Dies kündigten Formateur Jean-Claude Juncker und die beiden Delegationschefs François Biltgen und Jean Asselborn am Donnerstagmorgen im Rahmen einer Pressekonferenz im Arbeitsministerium an.

Am Sonntag soll das Koalitionsabkommen unterzeichnet werden - zu diesem Zeitpunkt dürfte bekannt werden, welche Ressorts an welche Partei gehen und ob es zu einer Zusammenlegung einzelner Ministerien kommt. Am Montag treffen dann die Parteigremien der beiden Koalitionspartner zusammen, um das Abkommen abzusegnen und die personelle Verteilung der Regierungsposten gutzuheißen.

Am Montagabend dürften also die Namen der Regierungsmitglieder bekannt werden. Danach könnte dann die Vereidigung der Regierungsmitglieder durch den Großherzog in Schloß Berg stattfinden.

Finanzpolitik als roter Faden

Formateur Jean-Claude Juncker sagte, dass die beiden Parteien in allen politischen Bereichen zu einer für beide Partner zufriedenstellenden Einigung gekommen seien. Letzte Detailfragen gebe es lediglich in einigen Bereichen zu klären, bevor die Parteigremien grünes Licht geben könnten - etwa bei gesellschaftspolitischen Fragen, unter anderem was neue Partnerschaften, die Abtreibung oder den Religionsunterricht betreffe.

Die alles umfassende Thematik sei in allen Verhandlungsrunden selbstverständlich die Finanzpolitik gewesen. Juncker sagte, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise seien dermaßen tiefgreifend und schwer einschätzbar, dass es nicht möglich sei, in diesem Bereich klar definierte Maßnahmen zu präsentieren. Es gelte vielmehr, zielgerichtet zu handeln und sich im "finanzpolitischen Halbdunkel" vorsichtig voranzutasten.

Man habe sich jedoch darauf geeinigt, zumindest bis 2010 die geplante staatliche Investitionspolitik so lange unverändert weiterzuführen, wie sich die Staatsverschuldung in einem vertretbaren Rahmen bewege. Nur so könne man ein Ausbremsen der Konjunktur vermeiden: "Massive Sparmaßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt würden den Wiederaufschwung behindern," so Juncker.

Bei der Aufstellung der kommenden Haushaltsvorlagen werde man allerdings streng darauf achten, wo sich unnötige Kosten einsparen lassen. Infrastrukturpolitische Großprojekte, wie etwa die Trambahn in der Hauptstadt dürften demnach nicht dem Rotstift zum Opfer fallen, auch wenn man die Finanzierung des Projektes erneut überdenken müsse, so Juncker.

Staatsverschuldung im Auge behalten

Dabei gelte es jedoch immer, die Staatsverschuldung im Auge zu behalten - die Nachwirkungen der Krise würden nämlich bis 2014 sicher anhalten. Dabei riskiere die Staatsverschuldung von derzeit 14 Prozent des Bruttoinlandprodukts auf 39 Prozent anzusteigen. Steuererhöhungen zur Stabilisierung des Budgets werde es zumindest bis 2010 nicht geben, so Juncker. Was danach passiere, könne man derzeit nicht einschätzen.

LSAP-Delegationschef Jean Asselborn verglich die bevorstehende Legislaturperiode mit einem Fahrradrennen, bei dem es gelte, schwierige Bedingungen und steile Bergetappen zum meistern. Asselborn zeigte sich besonders zufrieden darüber, dass sich die Koalitionspartner klar auf eine Stärkung und den nachhaltigen Ausbau des Sozialstaats geeinigt hätten. Weitere große Herausforderungen seien die Bildungs- und Wirtschaftspolitik, sowie der Ausbau der Infrastrukturen - alles Bereiche, die bei der Bewältigung der Krise eine Schlüsselrolle spielen müssten.

CSV-Delegationschef François Biltgen sagte, die neue Regierung stehe vor großen Herausforderungen in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik. Es gelte, besonders in der Krise den sozialen Zusammenhalt in Luxemburg zu erhalten. Daher sei es wichtig, den gesetzlichen Rahmen in beiden Bereichen weiter zu verbessern und den Sozialdialog in den Unternehmen zu stärken.

Ihre Meinung zum Thema

( 1 )
  • Romain Dehm meint:
    17.07.2009, 01:26 Uhr
    Na so was.Da vergleicht doch tatsächlich ein Minister die luxemburgische Finanzpolitik mit einem Fahrradrennen,sprich "einer steilen Bergtappe".Da komm ich mir doch vor wie im Kindergarten.Solche Vergleiche wirken dermassen lächerlich,dass einem fast die Galle hochkommt.Billigste Propaganda,die nur dazu dient den Menschen die Wahrheit sportlich schmackhaft zu gestalten,gehört in die populistische Mottenkiste.Dass dabei dieser Vergleich mit der realen Situation so offensichtlich hinkt,scheint Minister Asselborn gern in Kauf zu nehmen.Dabei sollte gerarde er doch als leidenschaftlicher Radler wissen,dass man bei einer schwierigen Bergetappe den Schwierigkeitsgrad genauestens kennt,also kann man sich auf 's beste vorbereiten,man weiss ja bestens wie man den Berg meistern kann.Ohne Zweifel,eine glasklare Situation.In der jetzigen Finanz-und Wirtschaftskrise sind Prognosen von heute,Schnee von gestern.Auch die fähigsten Wirtschaftswissenschaftler sind sich alle einig in der Sache,nämlich dass sich keine Prognosen voraussagen lassen.Etwaige positive vorsichtige Denkanstösse die sich aus der Vergangenheit herauslesen lassen,kann man getrost dem bestbekanntem Zweckoptimismus zuordnen.Selbst unser Landesvater J.CL.Junker sieht im der jetztigen Situation keine eindeutige finanzpolitische Richtung mehr.Die alles umfassende wirtschaftiche Globalisierung wird in den nächsten Jahren die Spreu vom Weizen trennen,un das knallharte Geschäft um Macht und Geld wird munter weitergehen.Ob wir,als kleines Land in diesem trüben Gewässer,wo es nur so von Haien wimmelt,bestehen können,hängt natürlich viel von den politischen Rahmenbedingungen ab,die eine Regierung zu gestalten vermag.Und genau an diesem Punkt werden wir scheitern oder unbeschadet aus der Krise hervorgehen.Steuerliche Vorteile für die Arbeitgeber,unbedingtes Festhalten am Bankgeheimnis,vernünftige Gewerkschaftsabschlüsse,ein sozialverträgliches Klima für die Arbeitnehmer ausarbeiten,neue inovative Arbeitsplätze schaffen,in erneuerbare Energien investieren,ein attraktives Umfeld für das zukünftige Finanzwesen schaffen im Einklang mit den Regeln der OECD,und schlussendlich das Bildungswesen so gestalten dass die kommende Generation einen echte Chance auf dem Arbeitsmartk hat.Das sind die Ansätze,auf die man zukunftsorientiert bauen kann.Und was hat all dieses mit einer Bergetappe zu tun.Nichts,aber auch rein gar nichts.Solche Vergleiche sind ein Hohn im Angesichts der schwierigen Finanz-und Wortschaftslage in der wir uns befinden.Schliesslich sind die Arbeitnehmer in Luxemburg nicht alle Schleck,s oder Kirchens.Realpolitik ist mehr denn je geboten,Herr Minister Asselborn und verschonen sie uns bitte in Zukunft mit ihren kindlichen Vergleichen.Dafür ist die Lage zu ernst.