Interview von Claude Feyereisen
Mittlerweile wurde der 18. Schweinegrippe-Fall in Luxemburg gezählt. „Kein Grund zur Besorgnis“, sagt ein sichtlich ruhiger Gesundheitsminister im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“. Mars Di Bartolomeo bezeichnet den A (H1N1)-Virus aufgrund der bisher gesammelten Erkenntnisse als „normale Grippe“.
Keineswegs! Ich sehe die Lage inzwischen ganz entspannt.
Am Anfang schwappten unkontrollierte Schreckensmeldungen aus Mexiko nach Europa und somit auch nach Luxemburg. Seit dem ersten Fall von Schweinegrippe beim Menschen in Luxemburg haben wir die Entwicklung beziehungsweise Genesung der vom A (H1N1)-Virus befallenen Erkrankten genauestens verfolgt. In enger Zusammenarbeit mit der „Direction de la Santé“ sind wir jetzt zu dem Schluss gekommen, dass sich die landläufig als Schweinegrippe bezeichnete virale Infektion nicht anders verhält als eine normale Grippe.
Die Schreckensmeldungen aus dem ferneren Ausland reißen nicht ab! Im Nachbarland Belgien wurde am vorgestrigen Dienstag hingegen Entwarnung gegeben. Jeder Fall mit Verdacht auf das A (H1N1)-Virus wird bei den belgischen Nachbarn nicht mehr systematisch darauf hin analysiert. Die ärztliche Versorgung von Patienten ist die gleiche wie bei einer normalen Grippe. Ohne das AntiVirus-Mittel Tamiflu.
Auch in Luxemburg kann aufgrund der bislang beobachteten Krankheitsverläufe bedingt Entwarnung gegeben werden.
Das bedeutet, dass wir weiterhin auf der Hut sind. Nimmt die weitere Entwicklung des A (H1N1)-Virus eine für den Menschen negative Wendung, müssen wir die Maßnahmen wieder verschärfen. Im Klartext bedeutet das, dass wir für den Fall der Fälle gerüstet sind. Das entsprechende Impfmittel ist in ausreichender Menge für die ganze Bevölkerung bestellt. Bei Bedarf können wir die georderte Menge sogar noch verdoppeln.
Derzeit, ich wiederhole es noch einmal, gibt es aber absolut keinen Grund zur Besorgnis, die virale A (H1N1)-Infektion verhält sich wie eine normale Grippe. Demzufolge ist auch davon auszugehen, dass es eine Dunkelziffer von A (H1N1)-Infizierten gibt, die wahrscheinlich nicht wissen, dass sie von der Schweinegrippe befallen sind.
Also, der Impfstoff ist noch nicht verfügbar, das wird ab September/Oktober der Fall sein. Gegen die Schweinegrippe impfen lassen kann man sich derzeit nicht.
Angst ist sicherlich nicht angebracht. Dazu gibt es keinen Grund. Die Leute sollen sich einfach normal verhalten. Beziehungsweise so, wie sie es in der Winterzeit tun, wenn eine normale Grippe im Anmarsch ist. Das Wichtigste ist das Einhalten elementarer Hygieneregeln wie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen mit reichlich Seife.
Dann soll man sich genau so verhalten, wie man es immer tut, wenn plötzlich Brechreiz, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten: Man geht zum Arzt. Auch im Ausland. Die Kosten für Arztbesuche in EU-Ländern werden ja von der heimischen Gesundheitskasse erstattet. Abgesehen davon gehe ich davon aus, dass jeder Reisende ohnehin eine Reiseversicherung abgeschlossen hat, die ihm im Ernst- beziehungsweise Krankheitsfall sowohl in- als auch außerhalb der EU zur Seite steht.
Das A (H1N1)-Virus scheint weitaus weniger ansteckend zu sein, als befürchtet. In nur einem der 18 festgestellten Fälle in Luxemburg konnte nachgewiesen werden, dass das Virus von einem Menschen auf einen anderen übertragen wurde. Das hat die konsequente Beobachtung des Umfeldes der Erkrankten ergeben. Es gibt wirklich keinen Grund zur Besorgnis, geschweige denn zur Panik!
Man sollte derartige Reaktionen natürlich nie ganz ausschließen. Ich kann nur sagen, dass sich die Luxemburger Bevölkerung sehr vernünftig verhalten hat und eben nicht zu panikartigen Reaktionen neigte. Einen entscheidenden Anteil daran hat die Luxemburger Presse, die die Bürger stets umfassend und objektiv informiert hat. Das Gleiche gilt natürlich auch für die transparente Informationspolitik der Regierung, die wir auch in Zukunft in Sachen Schweinegrippe beibehalten wollen und werden.
Sollten weitere Fälle der Grippe auftreten, werden wir die Presse nicht mehr über jeden einzelnen Fall in Kenntnis setzen. Wir werden die weitere Entwicklung natürlich verfolgen und in regelmäßigen Abständen über den jeweiligen Stand der Dinge informieren. Sollte die Grippe-Ausbreitung entgegen aller Erwartungen dennoch irgendwann größere Ausmaße annehmen, so werden wir dann natürlich auch unsere Informationsstrategie anpassen.
Sie sollen sich das Urlaubsvergnügen durch nichts trüben lassen! Schon gar nicht durch die Schweinegrippe! Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung!