14.10.2011 16:44 Uhr




Steuersünder-CD
"Image des Bankenplatzes soll beschädigt werden"
ABBL-Direktor regt sich über deutsche Behörden auf

Foto: Guy Jallay
Das "House of Finance" am Boulevard Royal: Unruhe am Finanzplatz.

(vb) – Die CD mit vermutlich gestohlenen Daten von Luxemburger Bankkunden sorgt für Unruhe am hiesigen Finanzplatz. Während Finanzminister Luc Frieden die Angelegenheit mit Gelassenheit sieht, regt sich ABBL-Direktor Jean-Jacques Rommes über die deutschen Behörden auf.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen die Steuersünder-CD "mit Bezug zu Luxemburg" erworben hat. Die Daten der Bankkunden würden den jeweiligen Bundesländern zur weiteren Auswertung zur Verfügung gestellt, hieß es vom Berliner Bundesfinanzministerium. Die deutschen Behörden sind überzeugt, dass das Vorgehen rechtmäßig ist.

"Luxemburg als Steuerparadies brandmarken"

Der Direktor der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL, Jean-Jacques Rommes, lehnt die Taktik der deutschen Behörden ab. "Dies dient dazu, Luxemburg als Steuerparadies zu brandmarken. Es geht darum, das Image zu verbreiten, die Luxemburger Banken würden von der deutschen Steuerhinterziehung leben. Das ist natürlich nicht so", sagte Rommes gegenüber Radio DNR.

Rommes weiß zudem nicht, ob er den Berichten über die Steuersünder-CD Glauben schenken soll. Er hält es für möglich, dass die ermittelnde Staatsanwaltschaft lediglich Gerüchte gestreut hat. Er meint: "Die Behörden hätten hier ganz einfach nachfragen können, ob jemand ein Konto in Luxemburg hat. Das neue Doppelbesteuerungsabkommen lässt dies zu."

Frieden will abwarten

Finanzminister Luc Frieden lässt sich von der Affäre um die Daten-CD nicht beunruhigen. Er will sich fürs erste nicht einmischen und abwarten, wie die deutschen Behörden jetzt vorgehen.

Bei „Spiegel Online“ und in der „Financial Times Deutschland“ ist zu lesen, die CD enthalte die vermutlich gestohlenen Daten von etwa 3000 Kunden und habe drei oder vier Millionen Euro gekostet. Die Razzia sei für November geplant. Bei der offenbar federführenden Bochumer Staatsanwaltschaft, die mit der Liechtenstein-CD seinerzeit den ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel in arge Bedrängnis gebracht hat, ist man ähnlich zugeknöpft wie beim besagten Bankhaus: „Wir kommentieren das im Moment nicht.“